Strategy Inc., der mit Abstand größte börsennotierte Bitcoin-Halter, hat sein heiligstes Prinzip aufgegeben. Erstmals seit 2022 verkaufte das Unternehmen digitale Münzen – 32 Bitcoins für rund 2,5 Millionen Dollar. Der Erlös fließt in Vorzugsdividenden. Für Anleger ein Tabubruch, der die Aktie auf Talfahrt schickte: Am Freitag schloss das Papier bei 104,52 Euro, ein Minus von 6,18 Prozent. Auf Sieben-Tage-Sicht summiert sich der Verlust auf 23,48 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 391,80 Euro hat sich der Kurs mehr als geviertelt.

Insiderverkäufe und der Bruch mit dem „Never Sell“

Die Verunsicherung wird durch eine Mitteilung nach Rule 144 verstärkt. Sie zeigt: Am 4. Juni wurden 33.062 Aktien aus der Vergabe von Restricted Stock Units fällig – eine Kompensation an das Management. Zudem hatte Vorstandsmitglied Andrew Kang zwischen März und Mai 2026 bereits knapp 10.000 Aktien verkauft.

Viel schwerer wiegt jedoch der Bitcoin-Verkauf selbst. Strategy hatte jahrelang betont, die digitalen Assets niemals veräußern zu wollen. Die 32 Bitcoins sind gemessen am Gesamtbestand von über 200.000 Coins marginal – aber das Signal ist es nicht. CEO Phong Le stellte klar, dass Strategy ein „Netto-Aggregator“ bleibe und nur dann verkaufe, wenn es „vorteilhaft“ sei. Ob der Schritt eine einmalige Notoperation oder der Beginn einer neuen Ära ist, bleibt vorerst offen.

Countdown zur Hauptversammlung

Am Montag, dem 8. Juni, stimmen die Aktionäre über den Zeitplan der Vorzugsdividende ab. Die Versammlung könnte entscheidende Hinweise liefern, ob die Bitcoin-Treasury-Strategie in ihrer Reinform Bestand hat. An den Märkten wächst die Skepsis: Der RSI von 31,2 deutet auf überverkaufte Niveaus hin, der 200-Tage-Durchschnitt von 167,52 Euro liegt mehr als 37 Prozent über dem aktuellen Kurs. Die Aktionärsabstimmung am Montag wird zeigen, wie groß der Rückhalt für den neuen Kurs im Management ist.