Liebe Traderinnen und Trader,
der interessanteste Trade dieser Woche lief nicht über Chips, sondern über Kupfer. Die G7 gaben am Freitag bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus den Reserven frei, Brent rutschte unter die 100-Dollar-Marke. In derselben Woche stimmten die Aufseher der weltgrößten Kupfermine Escondida für den Streik, während Chiles Förderung auf ein 15-Jahres-Tief fiel.
Der DAX holte sich mithilfe schwacher US-Arbeitsmarktdaten die 25.000 Punkte zurück und verteidigte die 200-Tage-Linie, der Nasdaq 100 schloss am Freitag auf Rekordhoch. Für den Wochenstart zählen drei Fragen: Hält das Angebotsthema bei Kupfer, wie verdaut die zweite Reihe die Analystenwarnungen bei Kion und Auto1, und was macht die Token-Freigabe bei Ethena am Montag?
Kupfer: Der Dollar drückt den Preis, die Physik zieht ihn
Chile liefert so wenig Kupfer wie seit 15 Jahren nicht. Die Produktion fiel im August auf 369.500 Tonnen, ein Minus von 12,8 Prozent zum Vorjahr und der tiefste Monatswert seit Februar 2011. Der chilenische Finanzminister warnt bereits vor einem Jahresrückgang um rund 7 Prozent.
In diese Lücke platzt der Konflikt bei Escondida. 95 Prozent der 1.020 Mitglieder der Aufseher-Gewerkschaft stimmten am Mittwoch gegen das Tarifangebot von BHP und für den Streik. Gesetzlich folgen nun fünf Tage Schlichtung, einmal um fünf Tage verlängerbar.
Escondida förderte im Geschäftsjahr 2026 1,26 Millionen Tonnen und soll im laufenden Jahr nur noch 1,0 bis 1,1 Millionen Tonnen liefern. Bei Antofagastas Mine Centinela haben zwei Gewerkschaften das Angebot ebenfalls abgelehnt. Die Kupferlager an der Börse in Shanghai liegen derweil auf dem tiefsten Stand seit Januar 2024.
Der Kupferpreis an der Londoner Metallbörse verlor in der Woche trotzdem rund 2 Prozent, weil der Dollar auf ein 17-Monats-Hoch stieg. Rund 14.300 Dollar je Tonne standen am Freitag auf dem Zettel, nach dem Rekord von knapp 14.900 Dollar im September.
Deutsche-Bank-Stratege Daniel Ghali hält das erst für den Anfang. Die physische Knappheit sei die stärkste seit den 1980er-Jahren, USA und China hielten zusammen rund 70 Prozent der weltweiten überirdischen Lagerbestände.
Binnen sechs Monaten seien über 22.000 Dollar je Tonne möglich, ein Plus von mehr als 50 Prozent. Für Trader heißt das: Kupfer fällt zuletzt aus Währungsgründen, nicht aus fundamentalen, und genau diese Lücke zwischen Dollar-Stärke und physischer Knappheit ist das Setup für den Wochenstart.
Handelbar ist die Geschichte über BHP. Die BHP-Aktie legte am Freitag zu und schloss bei gut 38 Euro, nach einem Jahreshoch von 42,16 Euro Ende August. Ein Streik ist für BHP Produktionsrisiko und Preistreiber zugleich. Dazu passt Freeport-McMoRan: Die Kupferproduktion im dritten Quartal lag mit rund 830 Millionen Pfund im Plan, der realisierte Preis über 6,50 Dollar je Pfund.
Grasberg in Indonesien läuft erst mit 67 Prozent der normalen Rate, Vollkapazität ist erst für Ende 2027 vorgesehen. Die Freeport-Quartalszahlen folgen am 27. Oktober. Wichtig fürs Timing: Der Markt preist einen Streik erst mit einem festen Datum ein. Erste Signale liefern dann die Schmelzgebühren und Spot-Prämien, nicht die Lagerbestände.
Während Kupfer über die Mine knapp wird, entsteht der Nachfragedruck auf der anderen Seite der Lieferkette: in den Fabriken, die daraus Chips und Rechenzentren bauen. Genau dort setzt das Live-Webinar „Der 1 Billion Dollar Chip“ an, das Felix Baarz morgen um 18:00 Uhr hält. Er zeigt, an welchen vier Stellen der aktuelle Investitionszyklus der Halbleiterbranche zwingend vorbeimuss und welche Unternehmen dort sitzen. Hintergrund ist die McKinsey-Prognose von einer Billion Dollar Jahresumsatz für die Chipbranche, gestützt von Zahlen wie Microns über 54 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Jetzt zum Webinar „Der 1 Billion Dollar Chip“ anmelden
Zweite Reihe: Kion und Auto1 nach den Briefings, Hensoldt als Gegenstück
Die schärfsten Bewegungen im MDAX kamen am Freitag nicht aus Zahlen, sondern aus Analystengesprächen. Kion brach deutlich ein, nachdem JPMorgan nach dem Vorab-Briefing eine Senkung des operativen Jahresziels erwartet. Auto1 sackte ab, nachdem JPMorgan nach dem Briefing die Schätzungen senkte.
Wer vor solchen Gesprächen in Positionen sitzt, erfährt die Richtung erst über den Kurs. Bei Kion ist das Risiko eines schwachen Quartals damit teilweise eingepreist, aber nicht vollständig, solange die Warnung selbst noch aussteht.
Das Gegenstück ist Hensoldt. Kepler Cheuvreux sieht nach dem Rücksetzer eine Kaufchance, die Bank of America hatte am Donnerstag ihr Kaufvotum bestätigt. Renk dagegen wurde von der Bank of America am selben Tag von „Kaufen“ auf „Neutral“ zurückgestuft, die Renk-Aktie rutschte auf den tiefsten Stand seit April 2025. Hensoldt stieg am Freitag um gut 2 Prozent auf gut 79 Euro.
Die Hensoldt-Aktie liegt damit weit unter dem Hoch von 117,70 Euro vom Oktober 2025, aber klar über dem Juni-Tief von 63,12 Euro. Die Botschaft der Woche: Innerhalb der Rüstungswerte sortieren die Banken jetzt nach Einzeltitel, nicht mehr nach Sektor.
Adidas trotzt Nike: Relative Stärke wie aus dem Lehrbuch
Nike kappte in der Nacht zum Freitag die Jahresprognose, und die deutschen Sportartikler zuckten kaum. Nike erwartet für das Geschäftsjahr 2027 einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich, Analysten hatten mit rund minus 2 Prozent gerechnet. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll 1,15 bis 1,35 Dollar erreichen, der Konsens lag bei 1,65 bis 1,67 Dollar.
Im ersten Quartal sank der Umsatz um 4 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar, in Großchina währungsbereinigt um 26 Prozent, zum neunten Mal in Folge. Dazu kommen Stellenabbau, der Entzug von Online-Verkaufsrechten großer Partner in China ab Januar 2027 und der Wechsel von Kylian Mbappé zu On.
Die Nike-Aktie fiel am Freitag um 3,6 Prozent auf gut 30 Euro und markierte im Handelsverlauf mit 27,91 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 42 Prozent.
Adidas eröffnete im Minus, drehte und schloss leicht im Plus bei 144,25 Euro. Puma gab nur leicht nach. Dass der größte Wettbewerber mit rund 15 Prozent China-Anteil die Prognose um mehrere Punkte kappt und Adidas trotzdem grün schließt, ist relative Stärke im Lehrbuch und zugleich der Beleg, dass Nikes Probleme hausgemacht sind.
Nike nennt selbst Sportswear, die bewusst reduzierte Dunk-Linie und die Marke Jordan als Bremsklötze. Adidas liegt noch weit unter dem Oktober-2025-Hoch von 200,90 Euro. Das März-Tief von 130,20 Euro ist die Marke, die halten muss.
Altcoins: Quant und Midnight laufen, Ethena wartet auf Montag
Bei Bitcoin dominiert das Rauschen um 85.000 Dollar, die eigentlichen Setups liegen bei den Altcoins. Quant legte binnen sieben Tagen 158 Prozent auf gut 261 Dollar zu. Auslöser ist eine Partnerschaft mit The Clearing House für ein US-Zahlungsnetzwerk, das im ersten Halbjahr 2027 starten soll.
Midnight verdoppelte sich mit plus 96,5 Prozent fast, nachdem das Hauptnetz für Smart Contracts freigegeben wurde. Auf der Verliererseite steht ein konkreter Kalendertermin: Ethena fiel 14,7 Prozent auf 0,232 Dollar, weil ab Montag, 5. Oktober, rund 1,41 Milliarden Investoren-Token frei werden.
MemeCore zeigte diese Woche, wie so etwas läuft: minus 16,7 Prozent nach der Freigabe von 56 Millionen Token im Wert von 57 Millionen Dollar. Lighter verlor 28,7 Prozent, seit Robinhood mit Bitstamp eigene Derivatepläne verfolgt. Ein regulierter Broker greift damit direkt die Plattform für unbefristete Terminkontrakte an.
Bitcoin selbst notiert am Samstag knapp unter 85.000 Dollar. Am Freitag prallte der Kurs bei gut 87.000 Dollar ab, binnen 24 Stunden wurden 433 Millionen Dollar an Positionen liquidiert, drei Viertel davon Wetten auf steigende Kurse.
Der Hintergrund ist struktureller als der Chart: Nach Daten von Glassnode verkaufen die Käufer der 2025er-Rally so viele Coins pro Tag wie nie zuvor in diesem Jahr. Ihr Einstand liegt bei rund 89.000 Dollar für Käufe vor sechs bis zwölf Monaten und bei rund 97.000 Dollar für Käufe vor ein bis zwei Jahren. Jeder Anstieg Richtung Einstandskurs trifft also auf Abgabedruck.
Dagegen steht Citi: Die Bank hob am Donnerstag das Basis-Kursziel von 82.000 auf 113.000 Dollar an. Die Spot-ETFs verbuchten im dritten Quartal Zuflüsse von 6,34 Milliarden Dollar. Eine Fed-Pause am 28. Oktober ist nach den schwachen Jobdaten zu rund 80 Prozent eingepreist. Ethereum wurde bei rund 2.775 Dollar abgewiesen und hält sich um 2.700 Dollar.
Kurz notiert und die Woche voraus
Bayer kündigte am Freitag eine Investition von 2,2 Milliarden Dollar in einen Pharma-Produktionsstandort in New Albany im US-Bundesstaat Ohio an, eine der größten Einzelinvestitionen der jüngeren Konzerngeschichte.
Im Persischen Golf wurde am Donnerstag erneut ein Tanker in der Straße von Hormus getroffen, die USA hatten Europa mit einem Diesel-Exportstopp gedroht. Die G7-Freigabe soll über vier Monate laufen, ein erheblicher Teil des Diesels binnen 20 Tagen. Der Ölpreis fällt also aus politischer Entscheidung, nicht aus Entspannung am Golf.
Termine: Am Montag lädt die Deutsche Telekom zum KI-Investorentag, die Telekom-Aktie schloss am Freitag fester bei knapp 26,60 Euro, liegt aber auf 30 Tage mehr als 9 Prozent im Minus. Am Dienstag folgt das Anleger-Event von Marvell Technology, dessen Aktie sich 2026 mehr als verdreifacht hat.
Am Mittwoch hält die Porsche AG ihren Kapitalmarkttag, am Donnerstag legt TSMC den Neun-Monats-Umsatz vor. Am 14. Oktober kommen die US-Verbraucherpreise, am 27. Oktober die Freeport-Zahlen, am 27. und 28. Oktober tagt die Fed. Anthropic will laut Bloomberg ab 9. November formell um Investoren für den Börsengang werben.
Marschroute
Der DAX hat die Zone um 25.164 Punkte zurückerobert, die am Donnerstag noch als Verkaufssignal galt. Die 200-Tage-Linie knapp über 24.800 Punkten bleibt die Reißleine, das Jahreshoch von 26.618 Punkten vom 28. August ist weit weg. Warnsignal: Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen drehte am Freitag trotz Jobflaute wieder über 5,2 Prozent. Steigen die langen Renditen weiter, trägt die Erholung nicht.
Kupfer: Der Rekord von knapp 14.900 Dollar je Tonne ist die Zielmarke, ein Streikdatum bei Escondida der Auslöser. Bei BHP ist das August-Hoch von 42,16 Euro die nächste Hürde.
Bitcoin braucht einen Wochenschluss über 87.500 Dollar, sonst droht laut Analysten der Rutsch unter 80.000. Unterstützungen liegen bei 83.500 und 82.000 Dollar. Ethena am Montag nicht vor der Freigabe kaufen.
Gold bleibt trotz sinkender Zinsängste schwach, mit rund 3 Prozent Wochenminus knapp unter 4.150 Dollar und weit unter dem Januar-Hoch von knapp 5.600 Dollar. Nike hat mit 27,91 Euro ein frisches Tief gesetzt, bei Adidas gilt 130,20 Euro als Linie im Sand.
Nutzen Sie den Sonntag, um die Kupfer-Orders zu justieren und den Ethena-Termin im Kalender rot zu markieren.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 3. Oktober: Nike – Kaufen, halten oder verkaufen?
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