Streikwelle bei Lufthansa, Thyssenkrupp unter Druck — Rolls-Royce setzt auf grüne Energie

Der europäische Industriesektor zeigt sich gespalten: Während Lufthansa von Streiks gelähmt wird und Thyssenkrupp eine Kurszielsenkung erlebt, treibt Rolls-Royce seine Transformation in die grüne Energie voran.

Thyssenkrupp Aktie
Kurz & knapp:
  • Barclays senkt Kursziel für Thyssenkrupp auf 9,00 Euro
  • Heidelberger Druckmaschinen korrigiert Gewinnprognose nach unten
  • Fünf Streiktage legen Lufthansa-Flugbetrieb lahm
  • Rolls-Royce erhält Milliarden für Mini-Reaktor-Entwicklung

Fünf Tage Streik, eine Gewinnwarnung und ein Milliarden-Deal für Mini-Reaktoren: Europas Industriesektor liefert in dieser Woche ein Wechselbad der Extreme. Während Rolls-Royce seinen Umbau zum Energieinfrastruktur-Konzern vorantreibt, kämpfen Thyssenkrupp und Heidelberger Druckmaschinen mit Abwärtsdruck bei Margen und Bewertungen. Lufthansa ringt mit drei Gewerkschaften gleichzeitig, und Hapag-Lloyd steuert auf den ersten operativen Verlust seit der Pandemie zu.

Thyssenkrupp: Barclays senkt Kursziel — Stahl bleibt das Sorgenkind

Barclays hat das Kursziel für Thyssenkrupp von 9,50 auf 9,00 Euro gesenkt und die Einstufung „Underweight“ bestätigt. Analyst Tom Zhang begründet den Schritt mit reduzierten Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Das neue Kursziel liegt damit am unteren Rand der Analystenmeinungen — der Konsens steht bei 10,78 Euro.

Hinter der Abstufung steckt ein hartnäckig schwaches Umfeld im europäischen Stahlgeschäft. Zwar zeigten Branchendaten im ersten Quartal 2026 eine leichte Verbesserung, eine echte Trendwende sieht Barclays aber nicht. Geopolitische Risiken im Nahen Osten, volatile Rohstoffpreise und anhaltende Lieferkettenprobleme trüben die Nachfrageaussichten.

Zwei potenzielle Impulsgeber halten die Aktie trotzdem auf der Beobachtungsliste:

  • U-Boot-Auftrag Kanada: Am 29. April läuft die Frist für überarbeitete Angebote. Thyssenkrupps Marinetochter TKMS konkurriert mit Hanwha Ocean.
  • TK-Elevator-Verkauf: Der finnische Aufzugkonzern Kone verhandelt mit den Private-Equity-Häusern Advent und Cinven über eine Übernahme — Ziel der Eigentümer ist eine Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro inklusive Schulden.

Sollte der Elevator-Deal Gestalt annehmen, wäre das ein erheblicher Mittelzufluss für den Konzern. Bis dahin notiert die Aktie bei 9,26 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn rund 4 Prozent im Minus.

Heidelberger Druckmaschinen: Gewinnwarnung trifft auf Rüstungsambitionen

Der Druckmaschinenhersteller hat am 15. April eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht, die es in sich hat. Auf Basis vorläufiger, ungeprüfter Zahlen erwartet das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025/2026 (Stichtag: 31. März 2026) eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 6,6 Prozent. Die bisherige Prognose hatte eine Verbesserung gegenüber den 7,1 Prozent des Vorjahres in Aussicht gestellt.

Was ist schiefgelaufen? Gleich mehrere Faktoren kamen zusammen. Die Investitionsnachfrage brach mit dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar 2026 deutlich ein. Negative Währungseffekte und ein ungünstigerer Produktmix verschärften die Lage. Besonders im März 2026 weitete sich die Abweichung von den Planwerten spürbar aus.

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Gleichzeitig investiert Heidelberg beschleunigt in den Aufbau seiner Rüstungssparte HD Advanced Technologies (HDAT). Diese Anfangsinvestitionen belasten das operative Ergebnis kurzfristig, sollen mittelfristig aber eine zweite Ertragssäule schaffen. Umsatz und Auftragseingang bewegen sich währungsbereinigt weiterhin auf Kurs.

Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 2,25 Euro — drei Analysten empfehlen den Kauf, keiner den Verkauf. Die geprüften Jahreszahlen folgen im Juni 2026. Erst dann wird sich zeigen, ob das Rüstungsengagement erste Früchte trägt oder die Margenlücke weiter vertieft.

Lufthansa: Fünf Streiktage lähmen Deutschlands größte Airline

Die heftigste Arbeitskampfwelle seit Jahren hat Lufthansa in der vergangenen Woche getroffen. Die Chronologie: Pilotenstreik am 13. und 14. April, Kabinenstreik am 15. und 16. April, erneuter Pilotenstreik am 16. und 17. April. In Summe stand der Flugbetrieb an fünf aufeinanderfolgenden Tagen weitgehend still — innerhalb von acht Tagen sogar an sechs.

Die beiden Drehkreuze Frankfurt und München traf es am härtesten. Mehr als 500 Flüge wurden gestrichen, über 50.000 Passagiere waren betroffen. Während des Kabinenstreiks fielen 80 bis 90 Prozent aller Flüge aus.

Im Kern geht es um Gehälter, Arbeitsbedingungen und den seit langem schwelenden Streit über Pilotenpensionen. Für die Piloten war es bereits der dritte Ausstand in diesem Jahr nach Aktionen im Februar und März. Die Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen — mit Bundeskanzler Merz als Gast — wurde vom Streik überschattet. Mitarbeiter protestierten vor dem Event; ein Gewerkschaftsvertreter fragte, „auf wessen Rücken“ das Management seine Entscheidungen treffe.

Die Verhandlungen mit allen drei Gewerkschaften — Verdi, UFO und Vereinigung Cockpit — bleiben offen. Weitere Streiks sind damit nicht ausgeschlossen. Die Aktie notiert bei 8,07 Euro. J.P. Morgan bestätigte zuletzt die Einstufung „Hold“, Morgan Stanley senkte das Kursziel auf 7,20 Euro. Eine Einigung mit den Gewerkschaften wäre der naheliegendste Kurstreiber.

Rolls-Royce: Fast 600 Millionen Pfund für Mini-Reaktoren

Während andere Industriekonzerne mit Krisenmanagement beschäftigt sind, baut Rolls-Royce seine Rolle als Anbieter sauberer Energieinfrastruktur konsequent aus. Die britische Regierung hat dem Unternehmen knapp 600 Millionen Pfund für die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) zugesagt. Great British Energy – Nuclear hat in diesem Jahr bereits Verträge über mehr als 350 Millionen Pfund an die gesamte Lieferkette vergeben, der National Wealth Fund steuert bis zu 599 Millionen Pfund direkt an Rolls-Royce SMR bei.

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Parallel dazu hat der Konzern mit dem Bau eines Batteriespeicherprojekts im schottischen Falkirk begonnen. Das mtu EnergyPack bietet eine Kapazität von 86 MWh bei einer Leistung von 43 MW — genug für rund 10.000 Haushalte. Es ist das erste große Batteriespeicherprojekt von Rolls-Royce im Vereinigten Königreich. Die Netzanbindung soll noch 2026 erfolgen, die volle Betriebsbereitschaft 2027. Rolls-Royce wird die Anlage 15 Jahre lang warten.

Die Kronjuwelen bleiben die Sparten Civil Aerospace und Defence. Weniger beachtet wird die wachsende grüne Sparte: von Datencenter-Lösungen über Elektrifizierung bis zu den SMR-Verträgen. Die Aktie notiert bei 14,93 Euro und hat sich binnen zwölf Monaten um gut 75 Prozent verteuert. Mit einer Marktkapitalisierung von über 105 Milliarden Pfund spiegelt der Kurs bereits einen erheblichen Teil der Transformationsstory wider.

Hapag-Lloyd: Frachtraten-Erosion droht in den Verlust zu führen

Die Hamburger Containerreederei steht vor ihrem schwierigsten Jahr seit der Pandemie. Die geprüften Jahreszahlen für 2025 zeigen einen Konzern-EBIT von 1,1 Milliarden US-Dollar — ein Rückgang von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Prognose für 2026 fällt noch düsterer aus: Der EBIT-Korridor reicht von minus 1,5 Milliarden bis plus 0,5 Milliarden US-Dollar. Der Mittelwert würde den ersten operativen Verlust seit der Vor-Pandemie-Zeit bedeuten.

Treiber des Abschwungs ist die anhaltende Frachtraten-Erosion. Die durchschnittliche Rate sank 2025 um 8 Prozent auf 1.376 US-Dollar je TEU. Überkapazitäten in der globalen Flotte drücken sowohl Spot- als auch Kontraktmärkte. Goldman Sachs erwartet für 2026 einen weiteren Ratenrückgang von 9 Prozent und verweist auf Hapag-Lloyds starke Abhängigkeit vom besonders schwachen Atlantikhandel.

Operativ erhöhen sich die Kosten zusätzlich: Wegen der Sicherheitslage im Nahen Osten hat Hapag-Lloyd alle Passagen durch die Straße von Hormus eingestellt. Die Umleitung über das Kap der Guten Hoffnung verteuert jeden Transport erheblich.

Als Gegengewicht setzt die Reederei auf die Gemini-Kooperation mit Maersk, die 2025 eine Fahrplantreue von 90 Prozent erreichte. Die vollen Kostensynergien sollen in diesem Jahr greifen. Zudem haben Hapag-Lloyd und die North Sea Container Line eine Ausschreibung gewonnen, um ab 2027 wasserstoffbasierte emissionsarme Kraftstoffe auf Containerschiffen einzusetzen. Das Analystenurteil bleibt skeptisch: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 100 Euro — deutlich unter dem aktuellen Kurs von 121,90 Euro. Sechs Analysten empfehlen den Verkauf, kein einziger den Kauf.

Industriesektor zwischen Transformation und Gegenwind

Die fünf Werte zeichnen ein geteiltes Bild des europäischen Industriesektors im Frühjahr 2026:

  • Strukturelle Gewinner: Rolls-Royce nutzt die Cashflows aus dem Aerospace-Aftermarket, um eine glaubwürdige Diversifikation in saubere Energie zu finanzieren — mit staatlicher Rückendeckung.
  • Transformationskandidaten mit Schmerzen: Heidelberger Druckmaschinen und Thyssenkrupp stecken gleichzeitig in zyklischem und strukturellem Gegenwind. Bei Heidelberg kostet der Rüstungseinstieg kurzfristig Marge. Bei Thyssenkrupp bleibt der Stahlmarkt die größte Belastung — die ungewöhnlich breite Spanne zwischen Bären- und Bullenszenarien zeigt die Unsicherheit.
  • Makro- und geopolitisch exponiert: Lufthansa und Hapag-Lloyd teilen die Abhängigkeit von globaler Nachfrage und geopolitischer Stabilität. Bei Lufthansa ist die Krise hausgemacht, bei Hapag-Lloyd marktgetrieben — in beiden Fällen mit realen finanziellen Folgen.

Die kommenden Wochen bringen mehrere entscheidende Termine. Bei Thyssenkrupp steht die Deadline für das kanadische U-Boot-Angebot am 29. April an. Heidelberger Druckmaschinen legt im Juni die geprüften Jahreszahlen vor. Bei Lufthansa hängt alles davon ab, ob die Tarifverhandlungen mit drei Gewerkschaften zu einem Ergebnis führen — eine Einigung hätte das Potenzial für eine deutliche Erholungsrally. Hapag-Lloyds nächster Quartalsbericht im Mai wird zeigen, ob die Gemini-Synergien schnell genug greifen, um den Frachtratenverfall abzufedern.

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