Supreme Court entscheidet über Trumps Zollpolitik

Der US-Supreme Court könnte Trumps Zollpolitik kippen, was Rückzahlungen von 150 Mrd. Dollar und geopolitische Verwerfungen nach sich ziehen würde. Investoren blicken zudem auf Arbeitsmarktdaten.

Supreme Court entscheidet über Trumps Zollpolitik
Kurz & knapp:
  • Urteil zu Zöllen mit Milliarden-Rückzahlungsrisiko
  • Unternehmen leiden unter hohen Zollbelastungen
  • US-Militäreinsatz in Venezuela verunsichert Märkte
  • Investoren erwarten wichtige US-Arbeitsmarktzahlen

Die US-Finanzmärkte halten den Atem an: Der Supreme Court könnte bereits heute eine wegweisende Entscheidung über die Rechtmäßigkeit von Präsident Donald Trumps umfassenden Zöllen verkünden. Die Spannung ist greifbar – und die Auswirkungen könnten dramatisch sein. Während Investoren auf wichtige Arbeitsmarktdaten warten, kreist die Aufmerksamkeit vor allem um die Frage: Wie lange können die Handelsbarrieren noch Bestand haben?

Handelskrieg vor Gericht

Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht Trumps Nutzung des International Emergency Economic Powers Act von 1977, mit dem er Zölle auf zahlreiche Länder verhängte. Die offizielle Begründung: Die Bekämpfung des Fentanyl-Zustroms in die USA. Doch sowohl konservative als auch liberale Richter äußerten bei den Anhörungen im November deutliche Skepsis gegenüber dieser Argumentation.

Die Zeichen stehen auf Sturm für das Weiße Haus. Jüngste Äußerungen Trumps zur Zollpolitik deuten darauf hin, dass man sich intern auf ein negatives Urteil vorbereitet. Die Wettplattform Polymarket sieht nur noch eine 25-prozentige Chance, dass der Oberste Gerichtshof zugunsten der Regierung entscheidet. Finanzminister Scott Bessent versuchte am Donnerstag in Minneapolis zu beruhigen: Es stehe „außer Zweifel“, dass das Weiße Haus weiterhin Zölle in „ungefähr gleicher Höhe“ erheben könne.

150 Milliarden Dollar auf dem Spiel

Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig. Zwischen dem 4. Februar und dem 14. Dezember 2025 spülten die umstrittenen Zölle bereits 133,5 Milliarden Dollar in die US-Staatskasse. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtsumme mittlerweile bei 150 Milliarden Dollar liegt – Geld, das bei einer negativen Gerichtsentscheidung möglicherweise an Importeure zurückgezahlt werden müsste.

„Dieses Szenario könnte von den Märkten als Entspannung der Inflationsdrucks und Verbesserung der Unternehmensrentabilität interpretiert werden, während es gleichzeitig die Haushaltslage verschlechtert“, warnen Analysten von ING. Trumps vollmundige Versprechen über „Dividendenschecks“ für US-Bürger aus den Zolleinnahmen könnten sich damit in Luft auflösen.

Unternehmen im Spannungsfeld

Wie zerrissen die Lage ist, zeigt ein Blick in den kalifornischen Industriepark Rye Canyon bei Valencia. Hier treffen die abstrakten Handelskriege auf die harte Realität kleiner und mittlerer Unternehmen. Robert Luna von DeMejico, einem Hersteller traditioneller mexikanischer Möbel, zahlte bereits 25 Prozent Zölle auf Holzmöbel und 50 Prozent auf Stahlbeschläge. Seine Reaktion: Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent – und die Entwicklung einer neuen Billiglinie mit vietnamesischen Partnern.

„Mein Ziel ist das bloße Überleben“, sagt Luna nüchtern. Ähnlich verzweifelt klingt Luis Ruiz, CEO von Valencia Plastics: „Ich habe für ihn gestimmt, aber nicht dafür.“ Seine Expansionspläne für zwei chinesische Maschinen im Wert von über einer halben Million Dollar musste er auf Eis legen – die Zölle machten die Investition unbezahlbar. Nach monatelangen Verhandlungen einigte er sich schließlich auf kleinere Maschinen und Rabatte im Gegenzug für Showroom-Rechte.

Motorrad-Zubehör-Unternehmer Eddie Cole, der 95 Prozent seiner Produkte aus China bezieht, hat bereits „Hunderttausende“ an Zöllen gezahlt. Der dreimalige Trump-Wähler ist ernüchtert: „Ich bin jetzt wütend auf ihn.“ Sein Brief ans Weiße Haus, in dem er um mehr Rücksicht auf kleine Betriebe bat und ein Foto eines Motorradständers für Eric Trumps Familie beilegte, wurde mit einem Standardschreiben beantwortet.

Neue Unruhe durch Venezuela-Intervention

Während die Märkte auf das Supreme-Court-Urteil warten, sorgt Trump bereits für die nächste geopolitische Überraschung. Nach dem US-Militärangriff auf Venezuela und der Gefangennahme von Langzeit-Machthaber Nicolas Maduro kündigte der Präsident an, „mindestens“ 100 Milliarden Dollar würden von großen Ölkonzernen in Venezuelas Infrastruktur investiert. Am Freitag will er im Weißen Haus Spitzenmanager von Chevron, Exxon Mobil und ConocoPhillips empfangen.

Die Botschaft: Washington will die Kontrolle über ein Fünftel der weltweiten Ölreserven – möglicherweise auf unbestimmte Zeit. Doch die Financial Times berichtet, dass die Ölkonzerne „ernsthafte Garantien“ fordern, bevor sie Milliarden in Venezuela pumpen. Trump verkündete zwar, Caracas habe zugestimmt, bis zu 50 Millionen Barrel Öl in die USA zu liefern, doch die Realität ist komplexer: Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodriguez betont, die Regierung sei weiterhin in der Verantwortung.

„2026 startete mit einem Knall in Venezuela auf eine Weise, die positive Optionen für US-Energiewerte schafft“, analysieren Kepler-Cheuvreux-Experten. Mittelfristig dürfte dies die Energiepreise drücken – sofern die Investitionen tatsächlich fließen und nicht zweite Angriffswellen nötig werden. Erst am Freitag gab Trump bekannt, eine „zuvor erwartete“ zweite Angriffswelle sei „abgesagt“ worden, da Venezuela bei Öl und Gas kooperiere.

Arbeitsmarkt im Fokus

Inmitten dieser geopolitischen Turbulenzen warten Investoren gespannt auf die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember. Erwartet werden 66.000 neue Jobs nach 64.000 im November, die Arbeitslosenquote soll leicht auf 4,5 Prozent sinken. „Die Arbeitslosenquote könnte sogar stärker beobachtet werden als die Beschäftigungszahlen – das spiegelt den Fokus der Federal Reserve auf die Joblosigkeit wider“, erklären ING-Analysten.

Die Datenlage der vergangenen Woche sendete widersprüchliche Signale: Während die privaten Stellenzahlen „akzeptabel“ ausfielen, enttäuschten die Stellenausschreibungen. Die Entlassungen erreichten 2025 den höchsten Stand seit 2020. Für die Fed, die im vergangenen Jahr mehrfach die Zinsen senkte, um einen schwächelnden Arbeitsmarkt zu stützen, sind diese Zahlen von enormer Bedeutung. Die Märkte preisen für 2026 mindestens zwei weitere Zinssenkungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt ein.

Europa unter Druck

Während Washington seine Machtspiele orchestriert, steht Europa in einer „massiven geopolitischen Ecke“, wie es Kepler-Analysten formulieren. Handelsdruck aus China, Sicherheitssorgen durch den Ukraine-Krieg und Trumps Bemerkungen über eine mögliche Übernahme Grönlands setzen den Kontinent unter Zugzwang. Die Situation sei „heikel“, könnte Europa aber zu „wachstums- und unternehmensfreundlicher Politik“ zwingen – was heimische Sektoren wie Versorgungsunternehmen, Telekommunikation und Banken stützen würde.

Ein Hoffnungsschimmer am britischen Markt: UBS erwartet eine Erholung der Gilts nach der Panik des vergangenen Jahres. Die Bank glaubt, dass die Bank of England die Zinsen aggressiver senken wird als aktuell eingepreist. Mit einem möglichen Zielzins von 3 Prozent und nachlassendem Inflationsdruck könnten 30-jährige Gilts die psychologisch wichtige Widerstandsmarke aus der Mini-Budget-Krise vom September 2022 durchbrechen.

Das dürfte spannend werden – nicht nur in London, sondern überall dort, wo Investoren versuchen, sich in einem Jahr zurechtzufinden, das bereits nach wenigen Tagen alle Erwartungen übertrifft.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.