Die Videospielbranche meldet einen historischen Einbruch beim Konsumentenausgaben. Take-Two hält trotzdem den Kurs. Der Grund liegt weniger in aktuellen Zahlen als in einem Datum: dem 19. November 2026, wenn Grand Theft Auto VI erscheinen soll.
Ein Rückgang mit Erklärung
Die US-Ausgaben für Videospiele fielen im Juni 2026 um 21 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. Das meldete Branchenanalyst Mat Piscatella auf Basis von Circana-Daten am 22. Juli. Auf den ersten Blick ein Alarmsignal für die gesamte Branche.
Der Vergleichswert erklärt aber viel. Im Juni 2025 hatte Nintendo die Switch 2 gelauncht und dabei 1,6 Millionen Konsolen in den USA verkauft — ein Rekord für einen Hardware-Start. Genau dieser Ausreißer lässt den Juni 2026 im Vorjahresvergleich schwach aussehen.
Die Aufschlüsselung zeigt ein differenzierteres Bild. Hardware-Ausgaben brachen um 62 Prozent auf 383 Millionen Dollar ein, während Content-Ausgaben nur 12 Prozent auf 3,88 Milliarden Dollar nachgaben. Über das gesamte Jahr liegen die Branchenausgaben lediglich 1 Prozent unter dem Vorjahreswert bei 27,5 Milliarden Dollar.
Ein Segment wuchs sogar: Abonnement-Ausgaben legten um 7 Prozent zu, als einziger Content-Bereich überhaupt. Xbox-Series-Konsolen verkauften sich 86 Prozent besser als im Vorjahr — trotz Platz drei bei Stückzahlen und Umsatz. Branchenbeobachter werten den Juni-Einbruch daher überwiegend als statistischen Effekt, nicht als strukturelle Schwäche.
Kursziele steigen trotz erwarteter Gewinndelle
Wall Street bleibt bei Take-Two konstruktiv gestimmt. BMO Capital-Analyst Brian Pitz hob sein Kursziel Anfang Juli auf 285 Dollar an, von zuvor 280 Dollar, und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Wenige Tage später zog Wells Fargo-Analyst Alec Brondolo nach: Kursziel 289 Dollar, Rating „Overweight“.
Jefferies-Analysten ordnen die Erwartungshaltung klar ein. Der kommende Quartalsbericht dürfte im Rahmen der Erwartungen liegen. Entscheidend sei stattdessen, was das Management zu Timing und Umfang von GTA VI sagt — vor allem zum Online-Modus des Spiels, der inzwischen mehr Einfluss auf die Stimmung hat als die eigentlichen Quartalszahlen.
Diese Zahlen dürften wenig Anlass zur Freude geben. Take-Two berichtet am 7. August 2026 vor Börsenöffnung über das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Der Konferenzanruf startet um 8 Uhr Eastern Time.
Die Konsensschätzungen zeichnen ein raues Bild: Der Gewinn je Aktie soll bei 0,31 Dollar liegen, ein Rückgang von 49,18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz wird auf 1,35 Milliarden Dollar geschätzt, 4,81 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Die Hauptversammlung bestätigt die Stärke des Vorjahres
Take-Two reichte diese Woche zudem seine jährliche Proxy-Erklärung bei der SEC ein. Die virtuelle Hauptversammlung findet am 17. September 2026 statt, um 9 Uhr Ortszeit. Aktionäre stimmen über die Wahl von zehn Direktoren, eine Vergütungsresolution, eine Satzungsänderung zur Haftungsbegrenzung sowie die Bestätigung von Ernst & Young als Wirtschaftsprüfer ab.
Die Zahlen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr fallen deutlich besser aus als die kommenden. Das bereinigte EBITDA für das Geschäftsjahr 2026 erreichte 1.401,6 Millionen Dollar — weit über dem internen Ziel von 919,5 Millionen Dollar. Das Management erhielt dafür die maximale variable Vergütung.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Take-Two einen Wendepunkt. Getragen wird dieser vom geplanten GTA-VI-Start im November und einem operativen Cashflow von mehr als einer Milliarde Dollar.
Die Aktie im neutralen Terrain
Am Kapitalmarkt bewegt sich Take-Two derzeit in ruhigem Fahrwasser. Die Aktie schloss am Freitag bei 204,20 Euro, ein Plus von 0,89 Prozent auf Tagessicht, nach einer Wochenperformance von minus 1,26 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 231,40 Euro, erreicht am 7. Juli, liegt der Kurs damit 11,75 Prozent entfernt — ein Rückzug, den Marktbeobachter eher als Konsolidierung denn als Trendwende einordnen.
Bis zum Quartalsbericht am 7. August bleibt wenig Raum für neue Kurstreiber. Die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte ohnehin nicht von den Zahlen selbst kommen, sondern von dem, was das Management zum Umfang und Online-Modus von GTA VI verrät.
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