In der deutschen Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Konfrontation. Die IG Metall hat ein erstes, bundesweit abgestimmtes Angebot der Arbeitgeberverbände für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten entschieden zurückgewiesen. Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht in der Nacht auf Sonntag, den 1. November, beginnen erste Warnstreiks.
Weit auseinander bei Laufzeit und Entgelt
Die Vorstellungen beider Seiten liegen weit auseinander. Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld bei einer kurzen Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite schlägt hingegen einen Tarifvertrag über 26 Monate vor.
Das Angebot der Arbeitgeber sieht erst für den Juli 2028 eine tabellenwirksame Entgelterhöhung um 1,3 Prozent vor. Für das kommende Jahr ist im Juli lediglich eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Bruttojahresentgelts vorgesehen.
Aus Sicht der Gewerkschaft führt dieses Modell angesichts der Preissteigerungen zu spürbaren Reallohnverlusten. Gewerkschaftsvertreter kritisieren den Entwurf als faktische Nullrunde, die deutlich hinter den Erwartungen der Belegschaften zurückbleibe. Scharfen Widerspruch erntet auch der Vorstoß der Arbeitgeber, Standortvereinbarungen künftig direkt mit Betriebsräten statt mit der Gewerkschaft auszuhandeln.
Streit um Arbeitskosten und Krisenbetriebe
Die Arbeitgeber begründen ihre Zurückhaltung mit der schwierigen Lage vieler Betriebe. Hohe Arbeitskosten und strukturelle Schwächen setzten die Standorte unter Druck, weshalb Unternehmen zunehmend im Ausland investierten. Die vorgeschlagene Einmalzahlung soll zudem für wirtschaftlich angeschlagene Firmen aussetzbar sein. Als Richtwert gilt eine Nettoumsatzrendite von unter 2,3 Prozent. Nach Branchenangaben aus dem Südwesten würden dort derzeit rund 45 Prozent der Betriebe unter diese Grenze fallen.
Die Arbeitgeber hatten ihr Angebot in fünf Bezirken gleichzeitig vorgelegt, die übrigen Regionen sollen folgen. Während im Bezirk Mitte der Streikbeginn ab Sonntag um 00.01 Uhr bereits feststeht, entscheidet die Tarifkommission in Nordrhein-Westfalen am Samstag über den Beginn konkreter Aktionen. Parallel stimmen die Tarifparteien Termine für eine dritte Verhandlungsrunde ab.


