Die Weichenstellungen beim italienischen Telekommunikationskonzern treten in eine entscheidende Phase. Nach dem Abschluss des Übernahmeangebots formiert sich das Verhältnis zur neuen Mehrheitseigentümerin Poste Italiane, während für die verbliebenen Minderheitsaktionäre an der Börse veränderte Rahmenbedingungen gelten.

Governance für das neue Konzerngefüge

Der Verwaltungsrat von Telecom Italia hat am gestrigen Mittwoch formell zur Kenntnis genommen, dass Poste Italiane die Leitung und Koordinierung über das Unternehmen ausübt. Diese operative Führungsrolle trat mit sofortiger Wirkung in Kraft. Zugleich verabschiedete das Gremium neue Governance-Richtlinien, die das operative Zusammenspiel und die künftigen Beziehungen zwischen beiden Gesellschaften regeln sollen.

Damit reagiert das Management auf die geschaffenen Fakten auf der Eigentümerseite. Am Dienstag hatte Poste Italiane die endgültigen Ergebnisse nach der Wiedereröffnung der Angebotsfrist bestätigt. Demnach kontrolliert der Konzern nun 85,823 Prozent des Grundkapitals von Telecom Italia.

Auszahlungstermin und verfehlte Squeeze-out-Schwelle

Der Vollzug der Transaktion für die im Zuge der Angebotsverlängerung angedienten Anteilsscheine steht unmittelbar bevor. Die Gegenleistung soll am morgigen 2. Oktober abgewickelt werden. Vereinbarungsgemäß erhalten die teilnehmenden Anleger je Telecom-Italia-Aktie eine Kombination aus 0,218 neu ausgegebenen Poste-Aktien sowie 1,97 Euro in bar.

Trotz der deutlichen Mehrheit verfehlte die Bieterin die Schwelle von 90 Prozent des Kapitals, die für einen direkten Squeeze-out und ein anschließendes Delisting erforderlich gewesen wäre. Laut der Nachrichtenagentur Reuters belastete dieser Umstand den Handel bereits am Montag, da Marktteilnehmer die Aussicht auf einen kurzfristigen Rückzug von der Börse schwinden sahen.

Italienischen Medienberichten der Nachrichtenagentur ANSA zufolge könnte eine vollständige gesellschaftsrechtliche Integration mittelfristig dennoch über alternative Wege angestrebt werden, etwa über eine Verschmelzung mit einer Konzerngesellschaft.

Zurückhaltung auf dem Handelsparkett

Die verbleibenden freien Aktionäre müssen sich vorerst auf eine fortgesetzte Börsennotierung unter einer dominierenden Hauptaktionärin einstellen. Am gestrigen Mittwoch gehörte das Papier in Mailand zu den schwächeren Werten und verlor 2,6 Prozent auf einen Schlusskurs von 6,68 Euro.

Mit dem Abschluss der Abwicklung richtet sich das Augenmerk nun darauf, wie die neuen Leitungsstrukturen die operative Zusammenarbeit der beiden Unternehmen in der Praxis ausgestalten.