Der italienische Post- und Logistikkonzern Poste Italiane baut seinen Einfluss bei Telecom Italia weiter aus. Nach jüngsten Zukäufen stieg die Beteiligung an dem Telekommunikationsanbieter auf 86,592 Prozent des Kapitals. Damit rückt die für einen möglichen Squeeze-out und ein anschließendes Delisting entscheidende Schwelle von 90 Prozent in greifbare Nähe.

Am gestrigen Mittwoch stellte Poste-Chef Matteo Del Fante zudem personelle Kontinuität in Aussicht. Auf die Frage, ob die bisherige Führungsmannschaft der Telecom Italia nach der Übernahme im Amt bleibe, antwortete Del Fante mit einem klaren Ja. Das Management um Vorstandschef Pietro Labriola soll die operative Ausrichtung somit weiterführen.

Del Fante betonte dabei die strategische Rolle des Konzerns für die Digitalisierung italienischer Unternehmen. Über den Geschäftsbereich TIM Enterprise, der 16 Rechenzentren betreibt, sollen insbesondere Dienstleistungen in den Bereichen Cloud, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Dateninfrastruktur forciert werden.

Frequenzen und Quartalstermin im Fokus

Neben den Eigentümerstrukturen beschäftigt die Branche die künftige Vergabe von Mobilfunkfrequenzen. Laut der Tageszeitung Il Sole 24 Ore könnten Lizenzen, die im Jahr 2029 auslaufen, zum Teil bis 2037 verlängert und zum Teil neu versteigert werden. Das italienische Finanzministerium strebt demnach an, die jährlichen staatlichen Einnahmen von rund 684 Millionen Euro abzusichern.

Klarheit über die operativen Fortschritte soll der nächste Finanzbericht bringen. Telecom Italia legte die Sitzung des Verwaltungsrats zur Billigung der Neunmonatszahlen auf den 10. November fest, tags darauf folgt eine Telefonkonferenz für Analysten.

An der Börse spiegelte sich die Neuordnung der Machtverhältnisse zuletzt in Kursabgaben wider. Die Aktie schloss gestern bei 5,89 Euro und liegt damit 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 8,19 Euro.

Geteilte Analystenstimmen

Unter den Analysehäusern gehen die Meinungen über das Kurspotenzial auseinander. Deutlich skeptischer positioniert sich das Analysehaus AlphaValue/Baader Europe, das seine Einstufung auf „Sell“ beließ.

Während die Befürworter auf Synergien und eine mögliche Abfindungsprämie bei einem späteren Ausscheiden von der Börse setzen, mahnen vorsichtigere Beobachter zur Zurückhaltung, solange regulatorische Auflagen und steuerliche Rahmenbedingungen rund um das Übernahmeangebot weiter diskutiert werden.