Der spanische Telekomkonzern Telefonica bereitet einen überraschenden Schritt vor. Die Aufsichtsbehörde CNMC hat ein Verfahren eingeleitet, um das aktuelle Infrastruktur-Regelwerk MARCo auslaufen zu lassen. Das könnte die Gewinne des Konzerns massiv steigern.

Die Aktie notiert am Dienstag bei 3,63 Euro — ein Mini-Plus von 0,83 Prozent. Auf den ersten Blick unspektakulär. Doch die Nachrichtenlage ist es nicht.

Die entscheidende Zahl: 17 Prozent

Der Kern der Sache: Telefonica würde unter einem neuen Fünf-Jahres-Plan seinen Konkurrenten den Zugang zu physischer Infrastruktur deutlich verteuern. Die geplante jährliche Preissteigerung liegt bei 17 Prozent. Über die gesamte Laufzeit summiert sich das auf rund 110 Prozent.

Was das finanziell bedeutet, zeigen Modellrechnungen. Die Erlöse aus der Infrastruktur-Vermietung könnten von geschätzt 130 Millionen Euro auf bis zu 273 Millionen Euro klettern. Fast eine Verdopplung. Allerdings: Eine endgültige Entscheidung wird frühestens 2027 erwartet. Bis dahin ist der Plan politische Verhandlungsmasse.

Brasilien: Verschmelzung im August

Parallel strafft Telefonica seine International-Sparte. Der Vorstand der brasilianischen Tochter hat die Vollfusion der Fibrasil Infraestrutura e Fibra Ótica S.A. gebilligt. Die Tochter wird aufgelöst, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten gehen in der Muttergesellschaft auf. Stichtag: der 1. August 2026. Eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Juli soll die Integration formal ratifizieren.

KI macht das Netz schneller

Auch technologisch tut sich etwas. Telefonica Deutschland hat einen Proof-of-Concept mit Blue Planet — einer Division von Ciena — abgeschlossen. Das Projekt setzte KI-Agenten ein, um die Konfiguration von 5G-Netzwerk-Slices zu beschleunigen. Das Unternehmen spricht von deutlich kürzeren Bearbeitungszeiten für komplexe Konfigurationsaufgaben. Ein Schritt in Richtung automatisierte Netzsteuerung.

Schwache Kursentwicklung

Trotz positiver Nachrichten bleibt die Aktie unter Druck. Der Kurs liegt 25,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 4,87 Euro. Der RSI von 33,7 deutet auf eine überverkaufte Situation hin. Gleichzeitig notiert die Aktie unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 3,89 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,79 Euro.

Die regulatorische Wende in Spanien könnte das Fundament für deutlich höhere Einnahmen legen. Ob die CNMC dem Plan zustimmt, bleibt die offene Frage — mit potenziell weitreichenden Folgen für den gesamten spanischen Telekommarkt.