Kanadas Telekommunikationsbranche steht vor einem regulatorischen Umbruch — und Telus trifft es besonders hart. Während Wettbewerber Aktivierungsgebühren schlicht abschaffen, führte Telus eine neue SIM-Gebühr von 15 CAD ein. Die Regulierungsbehörde CRTC hat den Konzern bereits verwarnt.

Regulierungsbehörde unter Druck

Am 12. Juni 2026 trat das CRTC-Verbot für Aktivierungsgebühren in Kraft. Telus reagierte mit einem Trick: Die Aktivierungsgebühr verschwand, eine neue SIM-Gebühr tauchte auf. Die CRTC beobachtet das Vorgehen genau und prüft, ob der Konzern den Geist der neuen Regeln umgeht.

Parallel dazu startete die Behörde eine öffentliche Konsultation. Ziel ist ein einheitlicher Verbraucherschutzkodex für Internet, Mobilfunk, Festnetz und TV. Bis zum 11. August 2026 können Stellungnahmen eingereicht werden. Formelle Anhörungen beginnen am 30. November 2026.

Kurs nahe Jahrestief

Die Aktie spiegelt die Unsicherheit wider. Auf Wochensicht verlor Telus knapp vier Prozent und schloss am Freitag bei 16,51 CAD. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 8,23 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 21,37 CAD ist der Kurs inzwischen fast 23 Prozent entfernt.

Der RSI liegt bei 34,9 — technisch kurz vor überverkauftem Terrain. Das 52-Wochen-Tief von 16,18 CAD aus dem April ist nur noch zwei Prozent entfernt. Zusätzlichen Druck erzeugte der Ex-Dividenden-Tag am 10. Juni.

Hohe Dividende, fragliche Nachhaltigkeit

Telus zahlt eine Dividendenrendite von rund zehn Prozent. Das klingt attraktiv. Allerdings liegt die Ausschüttungsquote bei 146 Prozent — der Konzern zahlt also deutlich mehr aus, als er verdient. Einige Analysten zweifeln offen an der Nachhaltigkeit.

Das operative Bild trübt sich ebenfalls ein. Im ersten Quartal 2026 fiel der Gewinn je Aktie auf 0,23 CAD, nach 0,26 CAD im Vorjahr. BMO Capital senkte das Kursziel auf 19 CAD, Scotiabank auf 20 CAD — beide verweisen auf das schwieriger werdende regulatorische Umfeld.

Milliardenprogramm als Gegengewicht

Telus stemmt sich mit einem massiven Investitionsprogramm gegen den Gegenwind. In Ontario allein plant der Konzern in den nächsten fünf Jahren Investitionen von 24 Milliarden CAD. National sieht die Strategie bis 2030 Ausgaben von 66 Milliarden CAD vor.

Ob das reicht, hängt auch davon ab, wie streng die CRTC den neuen Verbraucherschutzkodex gestaltet. Der 11. August — Fristende für die Konsultation — wird zeigen, wie weit die Behörde bereit ist zu gehen. Für Telus könnte das bedeuten, dass weitere Gebührenmodelle auf den Prüfstand kommen.