Während südkoreanische Halbleiterwerte am Mittwoch einbrachen, feierten Anlegerinnen und Anleger in Hongkong eine Gegenbewegung. Tencent gehörte zu den Gewinnern eines Tages, an dem die Kapitalströme in Asien plötzlich die Richtung wechselten.

Auslöser war ein Bericht, wonach der chinesische KI-Anbieter DeepSeek an einem eigenen Chip für seine Systeme arbeitet. Auch der Konkurrent Zhipu soll eigene Chip-Pläne prüfen. Die Nachrichten nährten die Hoffnung, China könne bei Künstlicher Intelligenz unabhängiger von westlicher Halbleitertechnik werden. Der Hang Seng Index legte um knapp drei Prozent zu, Tencent kletterte um rund vier Prozent.

Kapital wandert von Korea nach Hongkong

Der eigentliche Treiber hinter der Bewegung war eine Umschichtung: Investoren zogen Geld aus den chipverwöhnten Märkten Südkorea und Taiwan ab und suchten günstigere Wege, am KI-Boom teilzuhaben. Chinesische Technologiekonzerne, die zuvor monatelang hinter der Rally in Ostasien zurückgeblieben waren, rückten dadurch wieder ins Interesse der Anleger. Alibaba profitierte davon besonders stark und sprang zweistellig nach oben, nachdem das Unternehmen vor den anstehenden Quartalszahlen auf schrumpfende Verluste im hart umkämpften Instant-Commerce-Geschäft verwiesen hatte. JD.com zog im Windschatten ebenfalls an.

Die Kehrseite zeigte sich in Seoul. Der Kospi brach um mehr als fünf Prozent ein, Samsung Electronics und SK Hynix verloren jeweils deutlich zweistellig im Prozentbereich niedriger einstelliger Größenordnung. Der Nikkei gab parallel nach, belastet von der gleichen Sorge: dass die durch KI befeuerte Rally bei Chipherstellern an Schwung verliert.

Überlagert wurde das Bild von geopolitischen Spannungen. Erneute US-Luftschläge gegen den Iran nach Angriffen auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus trieben den Ölpreis nach oben und belasteten die allgemeine Risikostimmung an den Märkten.

Der nächste Prüfstein für die chinesischen Technologiewerte folgt bereits am Donnerstag: Dann veröffentlicht China seine Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten für Juni. Sie dürften zeigen, ob die Binnennachfrage stark genug ist, um die aktuelle Rotation in Richtung chinesischer Tech-Werte zu stützen.