Großbritanniens führende Supermarktkette Tesco steuert auf einen richtungsweisenden Termin zu: Am Donnerstag legt der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vor. Für Vorstandschef Ken Murphy und die Aktionäre steht dabei vor allem die Frage im Raum, ob die Wachstumsdynamik im britischen Heimatmarkt trotz ungünstiger Witterung und harter Konkurrenz durch die deutschen Discounter stabil geblieben ist.
Marktanteilsziel und wetterbedingte Dämpfer
Im ersten Quartal hatte Tesco im britischen Geschäft ein vergleichbares Umsatzwachstum von 1,8 Prozent verzeichnet, gestützt von einem kräftigen Plus im Onlinegeschäft von 8,9 Prozent. Konzernweit kletterte der Erlös in diesem Zeitraum um ein Prozent auf 16,8 Milliarden Pfund.
Allerdings dämpften wechselhaftes Wetter und eine verhaltene Konsumstimmung die Verkäufe in den Frische- und Randsortimenten, womit das Wachstum hinter den vorherigen Quartalen zurückblieb.
Für das gesamte erste Halbjahr rechnen Marktbeobachter mit Erlösen in der Größenordnung von rund 37 Milliarden Pfund. Gleichzeitig steht die langfristige Zielmarke von 30 Prozent Marktanteil im britischen Lebensmitteleinzelhandel im Fokus.
Nach Erhebungen des Marktforschers Worldpanel lag der Marktanteil von Tesco in den drei Monaten bis Anfang September bei 27,8 Prozent, nach 28,1 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auch für Unternehmenschef Murphy steht viel auf dem Spiel, da seine variable Vergütung an die Entwicklung dieses Marktanteils gekoppelt ist.
Wettbewerbsdruck durch Discounter nimmt zu
Parallel dazu verschärft sich das Ringen um preisbewusste Kunden. Rivalen wie Lidl GB treiben ihre Expansion mit dreistelligen Millioneninvestitionen und Dutzenden Filialneueröffnungen voran. Während die etablierten Händler über Treueprogramme wie Tescos Clubcard versuchen, Kunden an sich zu binden, halten Aldi und Lidl mit aggressiver Preispolitik dagegen.
Trotz dieses Wettbewerbsumfelds hielt Tesco zuletzt an der Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis fest. Das Management peilt für das Gesamtjahr eine Spanne zwischen 3,0 und 3,3 Milliarden Pfund an, nachdem der operative Gewinn im vorangegangenen Geschäftsjahr bei 3,1 Milliarden Pfund gelegen hatte.
Analysten blicken auf zweite Jahreshälfte
In den Reihen der Analystenhäuser überwiegt vor dem Zwischenbericht verhaltener Optimismus. Die Deutsche Bank stuft die Aktie weiterhin mit einer Kaufempfehlung ein, reduzierte jedoch im Vorfeld ihre Schätzung für das bereinigte flächenbereinigte Umsatzwachstum im zweiten Quartal von 2,2 auf 1,7 Prozent. Die Analysten von JPMorgan bestätigten ihre Einschätzung mit „Overweight“, passten ihr Kursziel zuletzt allerdings leicht auf 490 Pence an.
An den Börsen hielten sich die Anleger vor der Veröffentlichung bedeckt. Die in den USA gehandelte Notierung ging gestern bei 18,68 USD aus dem Handel. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen moderaten Zuwachs von 3,8 Prozent. Am Donnerstag wird sich zeigen, ob die Halbjahresbilanz ausreicht, um der Aktie vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft neue Impulse zu verleihen.
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