In Schweden geht eine der längsten industriellen Auseinandersetzungen in der Geschichte des Elektroautoherstellers zu Ende. Am vergangenen Donnerstag gab die Gewerkschaft IF Metall bekannt, den seit 1.021 Tagen andauernden Streik gegen Tesla einzustellen.

Die Gewerkschaft setzt sämtliche Arbeitskampfmaßnahmen mit Wirkung zum kommenden Mittwoch aus. Medienberichten zufolge kaufte Tesla die verbliebenen streikenden Mitarbeiter aus ihren Positionen heraus. Ein kollektiver Tarifvertrag, das Kernziel der Gewerkschaftsbewegung, wurde jedoch nicht unterzeichnet.

Milliarden-Investition in Texas geplant

Parallel zur Beruhigung an der europäischen Arbeitsfront treibt das Unternehmen von Elon Musk massive Expansionspläne in den USA voran. Wie aus einem am 7. August bekannt gewordenen Genehmigungsantrag hervorgeht, plant der Konzern unter dem Codenamen „Project Crystal Sun“ den Bau einer vertikal integrierten Solarzellen-Fabrik in Fort Bend County nahe Houston.

Die geplanten Investitionen für den Standort belaufen sich auf rund 10,116 Milliarden US-Dollar. Tesla strebt für das Projekt eine zehnjährige Grundsteuerbefreiung im Rahmen eines texanischen Förderprogramms an.

Das Werk soll den Prognosen zufolge bis zu 9.712 dauerhafte Vollzeitarbeitsplätze schaffen. Der Bau ist für den Zeitraum von 2026 bis 2028 vorgesehen, wobei der kommerzielle Betrieb bereits im ersten Quartal 2029 aufgenommen werden könnte.

Finanzielle Belastungen durch hohe Investitionsausgaben

Die ambitionierten Pläne spiegeln sich in der jüngsten Bilanz wider. Ende Juli veröffentlichte Tesla die Zahlen für das zweite Quartal 2026, die ein gemischtes Bild zeichneten. Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 28,24 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen, doch das Ergebnis je Aktie (Non-GAAP EPS) blieb mit 0,33 US-Dollar deutlich hinter dem Konsens zurück.

Besonders die Investitionsausgaben belasteten die Liquidität: Mit 5,79 Milliarden US-Dollar stiegen diese um 142 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies führte zu einem negativen freien Cashflow von 1,09 Milliarden US-Dollar, nachdem im ersten Quartal noch ein Plus von 1,44 Milliarden US-Dollar erzielt worden war.

Trotz der hohen Ausgaben erreichte Tesla mit 480.126 ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Rekord. Die operative Marge lag jedoch bei lediglich 1,4 Prozent, was unter anderem auf gesunkene Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten zurückzuführen war.

Technologischer Ausblick und Analystenstimmen

Für Aufsehen sorgten am Freitag Berichte über eine geplante Demonstration des neuen Roadster-Modells. Auf einem Testgelände von SpaceX in Texas soll eine Version mit Kaltgas-Triebwerken vorgestellt werden, die intern als „A71“-Paket bezeichnet wird.

Das Fahrzeug soll bei der Vorführung ferngesteuert werden, da die Lärmentwicklung der Triebwerke ein Sicherheitsrisiko für Insassen darstellt. Eine Straßenzulassung für diese spezielle Konfiguration ist nicht vorgesehen.

Im Analystenlager dominierten nach den Quartalszahlen Kurszielanpassungen nach unten. Vijay Rakesh von Mizuho senkte sein Ziel am 23. Juli auf 450 US-Dollar, behielt aber seine Einstufung als „Outperform“ bei. Andres Sheppard vom Analysehaus Cantor Fitzgerald reduzierte sein Kursziel am selben Tag auf 485 US-Dollar, verwies jedoch positiv auf das Wachstum der Abonnentenzahlen für die Selbstfahr-Software (FSD).

An der Börse spiegelt sich die aktuelle Phase der Neuausrichtung in einer schwächeren Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert aktuell bei 293,05 € und verzeichnet seit Jahresanfang ein Minus von 25 %. Damit liegt das Papier derzeit rund 16 % unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.