Zwei Meldungen, die gegensätzlicher kaum sein könnten — und beide prägen gerade das Bild, das Investoren von Tesla haben müssen.

Megapack-Deal setzt Maßstäbe

Tesla und der Energieinfrastrukturentwickler NatPower haben eine mehrjährige Vereinbarung über mehr als 25 GWh an Batteriespeicherprojekten in Europa unterzeichnet. Die Projekte in Italien und dem Vereinigten Königreich umfassen zunächst fünf Anlagen, bilden aber den Auftakt eines Programms mit einer Zielkapazität von über 100 GWh. Der Gesamtbauwert des vollständigen Programms wird auf 4 bis 5 Milliarden Dollar geschätzt, die Projekterlöse sollen über 20 Jahre die Marke von 15 Milliarden Dollar überschreiten.

Tesla liefert dabei nicht nur die Megapack-Systeme, sondern übernimmt auch Engineering, Beschaffung und Bau — plus die Energiehandelsoptimierung über die Autobidder-Plattform. Das ist ein klassisches Komplettangebot, das Teslas Energiesparte als vollwertiges Infrastrukturgeschäft positioniert.

FSD auf dem europäischen Prüfstand

Parallel dazu nimmt die Ausbreitung von Teslas Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ in Europa Fahrt auf. Finnland signalisierte, eine nationale Genehmigung noch vor dem EU-weiten Votum im Oktober anstreben zu wollen. Die finnische Verkehrsbehörde Traficom bewertete das System grundsätzlich positiv, prüft jedoch noch spezifische Szenarien — darunter Überholmanöver bei schlechter Sicht auf finnischen Straßen und ein Geschwindigkeits-Offset-Feature, das bereits Schweden und Norwegen Bedenken bereitet. In Finnland sind rund 6.500 Fahrzeuge mit dem System ausgestattet.

Die Niederlande erteilten im April als erstes europäisches Land eine vorläufige Genehmigung, Estland und Belgien folgten. Der entscheidende EU-Abstimmungsprozess läuft weiter — nächste Diskussionsrunde auf Mitgliedstaatenebene ist der 30. Juni.

Tödlicher Unfall wirft Fragen auf

Indes belastet ein tödlicher Unfall im texanischen Katy die Stimmung. Am 19. Juni verließ ein Tesla Model 3, der offenbar mit einem Fahrassistenzsystem unterwegs war, die Fahrbahn und prallte in ein Wohnhaus — eine 76-jährige Frau kam ums Leben. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat eine formale Untersuchung eröffnet.

Die Umstände sind umstritten. Teslas Autopilotchef erklärte, der Fahrer habe das System durch vollständiges Durchdrücken des Gaspedals manuell übersteuert — auf bis zu 73 Meilen pro Stunde in einer Wohnstraße. Der Fahrer selbst gab an, das System sei zu dem Zeitpunkt aktiv gewesen. Die NHTSA hat seit 2016 fast 50 Sonderuntersuchungen zu Unfällen mit Tesla-Fahrassistenzsystemen geöffnet; in den laufenden Verfahren werden rund zwei Dutzend Todesfälle gezählt.

Für Tesla ist das keine isolierte Episode. Im März weitete die NHTSA ihre Untersuchung zu FSD-Sichtproblemen auf 3,2 Millionen Fahrzeuge aus. Jede neue Untersuchung nährt die Debatte, ob der FSD-Marktausbau in Europa regulatorisch reibungslos verlaufen wird — oder ob ein großer Rückruf den Zeitplan durchkreuzt. Der EU-Abstimmungstermin im Oktober gewinnt damit zusätzliches Gewicht.