Teslas Bemühungen, das vollautomatische Fahrsystem FSD in Europa zu etablieren, geraten von zwei Seiten unter Druck: irreführende Sicherheitsstatistiken gegenüber Regulierern und zunehmender Widerstand gegen Elon Musk als Person.

Fragwürdige Zahlen für europäische Behörden

Tesla hat europäischen Verkehrsaufsichtsbehörden – unter anderem in den Niederlanden und Schweden – Sicherheitsdaten präsentiert, die unabhängige Verkehrsforscher als irreführend einstufen. Der Kernvorwurf: Tesla vergleiche die Unfallrate von FSD-gesteuerten Fahrzeugen mit einer US-weiten Rate, die deutlich weniger schwere Unfälle einschließe. Obendrein messe sich Tesla mit dem Durchschnitt aller amerikanischen Fahrzeuge – die im Schnitt erheblich älter sind als ein Tesla und damit über weniger moderne Sicherheitstechnik verfügen.

Besonders konkret wurde Tesla in einer Präsentation an schwedische Regulierer: FSD hätte potenziell 32.000 Menschenleben retten und 1,9 Millionen Verletzungen verhindern können. Forscher halten diese Hochrechnung für unrealistisch, da sie voraussetzt, jedes US-Fahrzeug – inklusive Lkw und Motorräder – würde durch ein FSD-fähiges Tesla-Modell ersetzt.

Die niederländische Zulassungsbehörde RDW genehmigte FSD im April trotzdem und strebt nun eine EU-weite Freigabe an. Für diese müssen Mitgliedstaaten, die 55 Prozent der EU-Staaten repräsentieren und 65 Prozent der Bevölkerung umfassen, zustimmen. Griechenland hat bereits Interesse signalisiert, Norwegen zeigt sich skeptischer.

Protest als Stimmungsindikator

Am Rande des G7-Gipfels in Évian brannte in Genf ein Tesla-Fahrzeug. Demonstranten, die sich vor allem gegen Kapitalismus und wirtschaftliche Ungleichheit wandten, wählten das Auto als Symbol – nicht zuletzt, weil Musk kurz zuvor zum ersten Trillionär der Welt aufstieg.

Für Tesla ist Europa strategisch unverzichtbar. Nach dem Einbruch der Verkaufszahlen 2025 – ausgelöst durch Boykotte im Zusammenhang mit Musks politischen Aktivitäten – gilt FSD-Zulassung als wichtiger Hebel zur Markterholung. Chinesische Hersteller gewinnen indes in der Region kontinuierlich Marktanteile.

Wie glaubwürdig Tesla seine Sicherheitsversprechen gegenüber der EU belegen kann, entscheidet wesentlich darüber, ob der Konzern den europäischen Rückstand aufholen oder weiter verlieren wird.