Liebe Leserinnen und Leser,
stellen Sie sich vor, Sie hätten am Freitag noch Gold im Depot gehabt – und dann den Wochenstart erlebt. Minus 9 Prozent an einem Tag, zeitweise unter 4.400 Dollar je Feinunze. Was wie ein Albtraum klingt, ist die Realität eines Marktes, der gerade seine heftigste Korrektur seit über einem Jahrzehnt durchlebt. Doch während Edelmetalle und Rohstoffe unter die Räder kommen, zeigen sich an anderer Stelle überraschende Lichtblicke: Oracle sichert sich 50 Milliarden Dollar für den KI-Ausbau, deutsche Indizes trotzen der Volatilität, und selbst Bitcoin findet nach dem Absturz wieder Halt. Ein Tag der Extreme – und ein Lehrstück darüber, wie schnell sich Stimmungen drehen können.
Gold und Silber: Der spektakuläre Absturz nach der Euphorie
Der Goldpreis hatte noch vor Tagen die 5.000-Dollar-Marke durchbrochen – ein historischer Moment, der von vielen als Zeichen für anhaltende Unsicherheit gedeutet wurde. Doch dann kam die Nominierung von Kevin Warsh als designierter Fed-Chef durch US-Präsident Donald Trump. Warsh gilt als geldpolitischer Falke, der eher zu höheren Zinsen neigt, um die Inflation zu bekämpfen. Die Folge: Der Dollar legte zu, und Gold verlor binnen Stunden über 1.000 Dollar an Wert. Am Montagmorgen sackte die Feinunze zeitweise auf 4.403 Dollar ab – fast 20 Prozent unter dem Allzeithoch.
Noch dramatischer traf es Silber: Von über 121 Dollar in der Vorwoche stürzte der Preis zeitweise auf 71,73 Dollar. Auch Kupfer und Platin gerieten unter massiven Verkaufsdruck. „Den Sprung über die 5.000er-Marke haben fast alle als typischen Spike gesehen, dazu kamen erhöhte Margin-Anforderungen“, kommentierte ein Händler die Lage. Spekulanten, die mit Fremdkapital auf weiter steigende Preise gesetzt hatten, wurden von der Gegenbewegung eiskalt erwischt. Zwangsliquidationen verschärften den Abwärtssog – ein Lehrstück über die Risiken gehebelter Positionen.
Doch die Erholung ließ nicht lange auf sich warten: Im Handelsverlauf stabilisierte sich Gold bei rund 4.760 Dollar, Silber bei etwa 83 Dollar. Analysten bleiben trotz der Turbulenzen optimistisch: J.P. Morgan erwartet Gold bei 6.300 Dollar bis Jahresende, die Deutsche Bank hält an ihrem Ziel von 6.000 Dollar fest. Die strukturellen Treiber – Notenbankenkäufe, geopolitische Risiken, Diversifikation – seien intakt, heißt es. Die Korrektur sei gesund, nicht fundamental.
Oracle setzt auf die KI-Zukunft – und überzeugt die Märkte
Während Rohstoffe abstürzten, lieferte Oracle eine klare Botschaft: Das Unternehmen will in diesem Jahr zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar aufnehmen – durch eine Kombination aus Aktienverkäufen und Anleihen. Bis zu 20 Milliarden sollen über Aktien am Markt platziert werden, der Rest über Anleihen. Das Ziel: Die massiven Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur finanzieren, ohne die Bonität zu gefährden. Oracle betonte, dass man sich zur Investment-Grade-Einstufung bekennt und über die erste Anleihe-Emission hinaus in diesem Jahr keine weiteren Schulden aufnehmen will.
Die Reaktion der Anleger fiel positiv aus: Die Aktie legte zeitweise um knapp 4 Prozent zu. Analysten von Barclays lobten die Klarheit der Strategie: „Die Kombination aus zusätzlichem Eigenkapital und den Wandelanleihen reduziert den Schuldenbedarf und stärkt die Bilanz.“ Auch Guggenheim sah darin ein starkes Signal an Ratingagenturen und Anleiheinvestoren. Oracle positioniert sich damit als ernsthafter Player im Wettrennen um Cloud-Computing für KI – ein Markt, den bislang vor allem Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google dominieren.
Der Deal mit OpenAI, der ein Volumen von 300 Milliarden Dollar haben soll, unterstreicht die Ambitionen. Oracle will nicht nur Rechenleistung vermieten, sondern zum strategischen Partner für KI-Anwendungen werden. Die Finanzierung zeigt: Das Management ist bereit, massiv zu investieren – und die Märkte honorieren diese Entschlossenheit.
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Deutsche Börsen trotzen der Volatilität – vorerst
Während die Wall Street unter Druck stand, zeigte sich der DAX überraschend stabil. Mit einem Plus von 1,0 Prozent auf 24.798 Punkte schloss der Leitindex den Handelstag im grünen Bereich. Besonders positiv wurde die Revision des deutschen Einkaufsmanagerindex für die Industrie aufgenommen: Statt 48,7 Punkten wurden nun 49,1 gemeldet – ein Zeichen, dass die Rezession im verarbeitenden Gewerbe womöglich ihr Ende findet. Auch der US-Einkaufsmanagerindex überraschte mit 52,6 Punkten positiv und signalisierte erstmals seit einem Jahr wieder Wachstum.
SAP legte nach dem heftigen Kursrutsch der Vorwoche um 2,7 Prozent zu. Vorstandsmitglieder hatten das Vertrauen durch Aktienkäufe im Millionenwert signalisiert – ein Schritt, der von Anlegern als positives Signal gewertet wurde. Auch Siemens Energy und Commerzbank gehörten zu den Gewinnern. Auf der Verliererseite standen Rheinmetall und Beiersdorf, die jeweils rund 2 bis 3 Prozent verloren.
Die Frage bleibt, ob diese Stabilität Bestand hat. Die EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag wird zeigen, wie die Notenbank auf die jüngste Euro-Stärke reagiert. Der Euro hatte zwischenzeitlich die Marke von 1,20 Dollar überschritten, ist aber inzwischen auf etwa 1,18 Dollar zurückgefallen. Ökonomen erwarten, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Tür für weitere Zinssenkungen offen lässt – vor allem, wenn die Aufwertung des Euro die Inflation dämpft.
Bitcoin findet Halt – vorerst
Bitcoin hatte über das Wochenende einen dramatischen Absturz erlebt: Von über 95.000 Dollar fiel die Kryptowährung zeitweise auf 74.635 Dollar – den tiefsten Stand seit neun Monaten. Rund 111 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung wurden vernichtet, 1,6 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen liquidiert. Die Nominierung von Warsh als Fed-Chef und die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik hatten auch hier für Panik gesorgt.
Doch am Montag stabilisierte sich Bitcoin bei rund 78.800 Dollar – ein Plus von fast 2 Prozent. Strategy Inc., das Unternehmen des Bitcoin-Verfechters Michael Saylor, nutzte die Schwäche und kaufte weitere 855 Bitcoins im Wert von 75 Millionen Dollar. Die Gesamtbestände des Unternehmens liegen nun bei über 713.000 Bitcoins – mehr als 3 Prozent des gesamten Angebots. Auch Tron-Gründer Justin Sun kündigte an, die Bitcoin-Bestände aufzustocken.
Die Frage ist, ob diese Käufe ausreichen, um das Vertrauen wiederherzustellen. Die Volatilität bleibt hoch, und die Unsicherheit über die künftige Fed-Politik dürfte Krypto-Märkte weiter belasten. Doch die Tatsache, dass institutionelle Akteure wie Strategy die Schwäche zum Nachkaufen nutzen, zeigt: Die langfristige Überzeugung ist nicht erschüttert.
Halbleiter unter Druck – aber nicht ohne Hoffnung
Die Halbleiterbranche bekam die Nervosität der Märkte ebenfalls zu spüren. ASML, STMicroelectronics und BE Semiconductor verloren zeitweise über 2 Prozent. In Asien waren die Verluste noch drastischer: Samsung und SK Hynix fielen um 6 bis 9 Prozent. Der Grund: Die Sorge, dass höhere Zinsen die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur bremsen könnten.
Doch es gab auch positive Signale: Morgan Stanley hob das Kursziel für Infineon von 45 auf 54 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Die Analysten sehen im Ausbau von Rechenzentren einen strukturellen Wachstumsmotor für den deutschen Chipkonzern. Infineon-Aktien erholten sich im Handelsverlauf und schlossen nahezu unverändert. Die Botschaft: Ja, die Märkte sind nervös – aber die fundamentalen Treiber für Halbleiter bleiben intakt.
Was diese Woche noch wichtig wird
Am Donnerstag entscheidet die EZB über die Zinsen – eine Bestätigung der aktuellen Sätze gilt als sicher, doch die Rhetorik wird entscheidend sein. Am Freitag folgen die US-Arbeitsmarktdaten für Januar, die zeigen werden, ob die Konjunktur robust bleibt. Und in der Berichtssaison stehen weitere Schwergewichte an: Palantir, PayPal, AMD, Alphabet, Amazon und Nvidia werden in den kommenden Tagen Zahlen vorlegen.
Ein Tag wie heute zeigt, wie schnell sich Stimmungen drehen können. Gold stürzt ab, erholt sich aber. Bitcoin fällt, findet aber Käufer. Oracle investiert Milliarden – und wird dafür belohnt. Die Märkte sind nervös, aber nicht panisch. Und genau das macht sie so spannend.
Bis morgen – und bleiben Sie wachsam!
Andreas Sommer


