Die Ära des billigen Geldes für künstliche Intelligenz ist vorerst vorbei. Weil die Renditen weltweiter Staatsanleihen auf Mehr-Dekaden-Hochs verharren und teure Energie die Inflationssorgen schürt, geraten Technologieaktien weltweit unter Druck. Investoren verlangen plötzlich striktere Rechenschaft über Renditen und Finanzierungskosten der enormen Infrastrukturpläne.

An den asiatischen Handelsplätzen gaben die Indizes am Freitag nach, während Japans Leitindex Nikkei mehr als ein Prozent einbüßte. Parallel dazu rutschten an der Wall Street insbesondere Halbleiter- und Cloudkonzerne ab: Oracle verlor fast 5,5 Prozent, Broadcom gab um gut 4,3 Prozent nach. Marktbeobachter werten Berichte über schwächer als erwartet ausfallende Jahreserlöse beim Branchenpionier OpenAI als Auslöser für Gewinnmitnahmen im gesamten Sektor.

Hohe Anleiherenditen verteuern neue Schulden

Hinter der Zurückhaltung steht ein spürbarer Wandel an den Rentenmärkten. Nach Monaten des Abverkaufs notiert die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,226 Prozent, unweit ihres am Mittwoch markierten 24-Jahres-Hochs. In Großbritannien erreichten die Refinanzierungskosten für Staatsanleihen am Donnerstag ebenfalls den höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Für Technologiekonzerne wird dieser Zinsanstieg zur Belastungsprobe. Unternehmen wie SpaceX, Broadcom und Oracle bereiten derzeit milliardenschwere Kapitalaufnahmen vor, um teure Spezialchips für Rechenzentren zu finanzieren. Der australische Betreiber Firmus legte seinen geplanten Börsengang im Volumen von fünf Milliarden Dollar bereits wegen der Marktturbulenzen auf Eis. Analysten betonen, dass Anleger künftiges Wachstum nicht mehr wie in den vergangenen Jahren mit extrem niedrigen Diskontierungssätzen bewerten können.

Energiepreise schüren Zinssorgen

Zusätzlichen Zündstoff liefert der Rohstoffmarkt. Brent-Öl verteuerte sich nach kriegerischen Spannungen im Nahen Osten zeitweise um über vier Prozent und notierte im asiatischen Handel bei 103,70 Dollar je Barrel.

Notenbanker mahnen angesichts der Gemengelage zu Haushaltsdisziplin. Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, forderte Regierungen auf, tragfähige Pläne zur Haushaltskonsolidierung vorzulegen, um die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten nicht weiter anzuheizen. Solange die Zinsen derart hoch bleiben, dürfte die Ausgabendisziplin in den Chefetagen der Tech-Konzerne das dominierende Thema bleiben.