Thales- vs. Leonardo-Aktie: Wer gewinnt die Rüstungs-Schlacht?

Leonardo punktet mit starkem Wachstum und Auftragseingang, während Thales mit höherer Profitabilität und Stabilität überzeugt. Ein Vergleich der europäischen Verteidigungsaktien.

Thales Aktie
Kurz & knapp:
  • Leonardo mit beeindruckender Kursrallye von 90 Prozent
  • Italiener überzeugen mit starkem Umsatz- und Auftragswachstum
  • Thales bietet höhere operative Margen und Stabilität
  • Bewertungsvergleich zeigt unterschiedliche Anlageprofile

Datum: 01. Februar 2026
Kurse: Thales 256,00 € | Leonardo 56,30 €

Die europäische Verteidigungsindustrie boomt auch 2026 ungebrochen, doch an der Börse zeichnet sich eine klare Zweiklassengesellschaft ab. Auf der einen Seite steht Thales als der besonnene französische Technologieführer. Auf der anderen Seite wirbelt Leonardo den Markt auf: Die Italiener haben sich vom Sorgenkind zum absoluten Highflyer gewandelt.

Während Thales mit Solidität punktet, lieferte Leonardo in den letzten 12 Monaten eine atemberaubende Kursrallye von rund 90 Prozent. Für Anleger stellt sich jetzt die entscheidende Frage: Ist die Aufholjagd der Italiener vorbei oder zündet gerade erst die nächste Stufe? Wir lassen die beiden Schwergewichte im direkten Duell gegeneinander antreten.

Wer hat das Momentum auf seiner Seite?

Der Blick auf den Chart verrät sofort: Leonardo ist der Sprinter, Thales der Marathonläufer. Die Italiener profitieren massiv von einer Neubewertung. War Leonardo lange Zeit die günstige „Value-Perle“, wird die Aktie heute als dynamischer Wachstumswert gehandelt. Der Marktwert ist auf 32,5 Milliarden Euro angeschwollen, der Abstand zu Thales (54,6 Milliarden Euro) schmilzt.

Thales hingegen liefert verlässlich, aber unspektakulär. Die Aktie klettert stetig, ohne die wilden Ausschläge der Konkurrenz. Das Konglomerat leidet etwas unter der Schwäche im Raumfahrt-Sektor, was den Kurs bremst. Leonardo hingegen reitet auf der Welle voller Auftragsbücher und einer aggressiven Entschuldung.

Wachstum: Wer drückt stärker aufs Gaspedal?

Im direkten Zahlenvergleich der ersten neun Monate 2025 zeigen sich deutliche Unterschiede in der Dynamik. Thales wächst solide, doch Leonardo wächst explosiv.

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Während die Franzosen ihren Umsatz organisch um respektable 9,1 Prozent steigerten, legten die Italiener um 12,4 Prozent zu. Noch dramatischer ist der Unterschied beim Auftragseingang. Leonardo konnte hier einen Sprung von über 23 Prozent verzeichnen – ein klares Signal, dass die Produkte (insbesondere Hubschrauber und Verteidigungselektronik) den Nerv der aktuellen Aufrüstungswelle treffen.

Das Duell der Kennzahlen (9M 2025)

KennzahlThales (Frankreich)Leonardo (Italien)Vorteil für
Umsatzwachstum (org.)+9,1 %+12,4 %Leonardo
Auftragseingang+9,0 %+23,4 %Leonardo
Book-to-Bill Ratio1,10x1,40xLeonardo
Auftragsbestand~45 Mrd. €47,3 Mrd. €Leonardo
EBIT-Marge~12,3 %7,0 % (steigend)Thales
NettoverschuldungStabil-26 % (starker Abbau)Leonardo

Besonders die „Book-to-Bill Ratio“ (Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz) spricht Bände: Mit einem Wert von 1,40 füllt Leonardo seine Bücher deutlich schneller, als sie abgearbeitet werden können. Das garantiert Umsätze bis weit ins Jahr 2027.

Qualität und Marge: Wo liegt die Substanz?

Hier schlägt das Pendel zugunsten von Thales aus. Die Franzosen sind traditionell profitabler. Mit einer operativen Marge im zweistelligen Bereich (ca. 12,3 Prozent) arbeitet Thales effizienter als Leonardo, das sich mühsam aus dem mittleren einstelligen Bereich hocharbeitet.

Thales profitiert von seinem Mix: Die starke Cyber-Security-Sparte (gestärkt durch Imperva) und das Zivilgeschäft liefern hohe Margen. Leonardo ist stärker hardwarelastig – Hubschrauber und Flugzeugstrukturen werfen schlicht weniger Rendite ab, auch wenn die Italiener die Lücke durch strikte Kostenkontrolle schließen. Wer also reine Bilanzqualität und Profitabilität sucht, kommt an Thales nicht vorbei.

Bewertung: Ist Leonardo jetzt zu teuer?

Das ist die große Überraschung dieses Vergleichs. Durch die massive Kursrallye ist Leonardo nicht mehr das Schnäppchen von gestern. Tatsächlich ist die Leonardo-Aktie auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) für 2026 mittlerweile teurer als Thales.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Thales?

Der Markt preist bei Leonardo bereits viel Zukunftsmusik ein – insbesondere die Fantasie rund um das Joint Venture mit Rheinmetall und die erfolgreiche Entschuldung. Thales wirkt auf dem aktuellen Niveau fast schon günstig bewertet für die gebotene Qualität.

Bewertungs-Check (Schätzung 2026)

KennzahlThalesLeonardoSektor-Schnitt
KGV (Kommende 12M)27,5x30,7x28,0x
EV/EBITDA13,5x18,7x16,0x
Dividendenrendite1,45 %0,92 %1,50 %
PEG Ratio1,81,52,0

Ein wichtiges Detail rettet jedoch die Bullen-These für Leonardo: Das PEG-Ratio (Bewertung im Verhältnis zum Wachstum). Da Leonardo deutlich schneller wächst, ist die höhere Bewertung gerechtfertigt. Ein PEG von 1,5 signalisiert immer noch Attraktivität, während Thales mit 1,8 hier schlechter abschneidet.

Fazit: Stabilität oder Turbo-Boost?

Das Rennen zwischen diesen beiden Rüstungs-Titanen ist kein Kampf „Gut gegen Böse“, sondern eine Frage der Anleger-Strategie.

Der Punktsieg geht an Leonardo.
Die Italiener haben derzeit einfach die besseren Karten. Das Momentum beim Auftragseingang (+23 %) ist zu gewaltig, um es zu ignorieren. Die Transformation des Konzerns gelingt schneller als gedacht, und die Entschuldung nimmt Risiken aus der Bilanz. Wer Volatilität aushält und auf maximales Wachstum setzt, muss Leonardo im Depot haben.

Thales bleibt der Fels in der Brandung.
Für konservative Anleger ist Thales dennoch die klügere Wahl. Die Bewertung ist moderater, die Margen sind höher und das Geschäftsmodell ist durch die zivilen Sparten breiter diversifiziert. Sollte die Euphorie im Rüstungssektor abkühlen, dürfte Thales deutlich weniger korrigieren als die heißgelaufene Leonardo.

Das Urteil: Kurz- bis mittelfristig (6-12 Monate) dürfte Leonardo die Nase vorn behalten, solange die Auftragsbücher so rasant wachsen. Thales ist der perfekte Kandidat für das langfristige Basis-Investment.

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Über Andreas Sommer 1601 Artikel

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