Starkes Wachstum trifft auf schwache Kurse. Bei The Platform Group klaffen operatives Geschäft und Börsenwert massiv auseinander. Die Aktie stürzte heute um 8,75 Prozent ab. Das markiert das 52-Wochen-Tief bei exakt 1,20 Euro. Der Grund für den massiven Ausverkauf liegt abseits der Bilanz.

Juristische Fronten und Behörden

Das Düsseldorfer Unternehmen kämpft an mehreren juristischen Fronten. Im Zentrum steht ein Streit mit dem manager magazin. Ein aktueller Bericht warf kritische Fragen zu Bankkrediten auf. Das Management weist die Vorwürfe strikt zurück. Es spricht von einer gezielten Kampagne. Die Kanzlei LHR bereitet nun eine Schadensersatzklage vor.

Parallel dazu prüft die Staatsanwaltschaft Chemnitz eine Strafanzeige. Es geht um den Verdacht auf Urkundenfälschung und Betrug. Geschäftsführer von Tochterfirmen bestreiten angeblich die Unterschrift unter bestimmten Mithaftungserklärungen. Der BaFin liegt laut Medienberichten ein entsprechender Hinweis vor. Auch hier dementiert der Vorstand vehement.

Banken fordern Millionen

Die Kreditseite bereitet dem Markt Sorgen. Die LBBW hat ein Darlehen außerordentlich gekündigt. Sie fordert rund 6,75 Millionen Euro zurück. The Platform Group sieht diese Schuld bereits als vollständig beglichen an.

Die Sparkasse Essen verlangt offenbar weitere 5,1 Millionen Euro. Das Unternehmen verweist hier auf eine verbindliche Rückzahlungsvereinbarung. Der Markt reagiert extrem nervös auf diese unklare Gemengelage. Der RSI-Wert von 21 signalisiert eine massiv überverkaufte Aktie.

Operatives Geschäft verpufft

Dabei liefert das Kerngeschäft. Im Auftaktquartal wuchs der Umsatz organisch stark an. Die Erlöse sprangen um 51 Prozent auf gut 243 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte entsprechend auf knapp 22 Millionen Euro.

Das Management bestätigt alle Jahresziele. Ein Umsatz von einer Milliarde Euro bleibt fest eingeplant. Anleger ignorieren diese operativen Erfolge derzeit komplett. Die Folge: Der Kurs kollabiert.

Frist für die Milliarden-Übernahme läuft ab

Am 1. Juli findet die Hauptversammlung in Düsseldorf statt. Auf der Agenda stehen weitreichende Kapitalmaßnahmen. Das Unternehmen will neues genehmigtes Kapital schaffen. Auch Wandelanleihen sollen die künftige Finanzierung sichern.

Aktionäre verlangen vorher Antworten. Im Zentrum steht die geplante Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP. Der Deal würde gut 1,1 Milliarden Euro Jahresumsatz in die Kasse spülen. Das Kartellamt hat bereits im Frühjahr zugestimmt.

Allerdings steht die Finanzierungsstruktur noch nicht. Das Management hat sich selbst eine klare Frist gesetzt. Ende Juni muss der Abschluss erfolgen. Ohne eine schnelle Lösung droht der strategisch wichtigste Deal des Jahres zu scheitern.