Starkes Wachstum auf dem Papier, Panik an der Börse. Bei The Platform Group (TPG) eskaliert die Lage. Gekündigte Kredite und schwere Vorwürfe lassen den Aktienkurs massiv einbrechen. Jetzt beginnt eine entscheidende Woche für das Management.
Kredite wackeln, Anwälte übernehmen
Der Blick auf den Chart offenbart das ganze Ausmaß der Krise. Allein im vergangenen Monat verlor das Papier fast 64 Prozent an Wert. Am Freitag schloss die Aktie bei 1,25 Euro. Das 52-Wochen-Tief ist damit nur noch einen Wimpernschlag entfernt.
Den Ausverkauf treiben handfeste Finanzsorgen. Die LBBW hat ein Darlehen außerordentlich gekündigt. Sie fordert rund 6,75 Millionen Euro zurück. Auch die Sparkasse Essen macht offenbar Forderungen über 5,1 Millionen Euro geltend.
Hinzu kommen schwere Vorwürfe des Manager Magazins. Es geht um angebliche Steuerschulden und mutmaßlich gefälschte Dokumente. TPG wehrt sich massiv. Die Kanzlei LHR bereitet im Auftrag von CEO Dominik Benner juristische Schritte vor.
Die Hängepartie um AEP
Parallel dazu wackelt der wichtigste Deal der Unternehmensgeschichte. TPG will die Pharmagroßhandelsgruppe AEP übernehmen. Das Bundeskartellamt gab bereits im März grünes Licht. Die Finanzierung aus Eigen- und Fremdkapital steht allerdings noch nicht.
Der Vorstand plant den Abschluss weiterhin für Juni 2026. Gelingt das, soll die Jahresprognose steigen. Platzt der Deal, verliert die Wachstumsstory ihren Kern. Bisher rechnet TPG ohne AEP mit 1,7 Milliarden Euro Bruttowarenvolumen.
Operatives Gegengewicht
Operativ liefert das Unternehmen durchaus ab. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 51 Prozent. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 21,8 Millionen Euro. Rund 71 Prozent dieses Wachstums stammten aus eigener Kraft.
Die Strategie ändert sich trotzdem. Der Vorstand plant künftig nur noch fünf bis sechs Zukäufe pro Jahr. Der Fokus liegt auf Integration und Schuldenabbau. Um Vertrauen zurückzugewinnen, startet im Juli ein Anleiherückkaufprogramm über fünf Millionen Euro. Ein Tropfen auf den heißen Stein.
Am 1. Juli müssen Vorstand und Aktionäre auf der Hauptversammlung in Düsseldorf Farbe bekennen. Zuvor präsentiert sich das Management auf einer Investorenkonferenz in Paris. Bis dahin endet am 24. Juni die Anmeldefrist für Aktionäre, die bei den anstehenden Entscheidungen mitreden wollen.
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