Thyssenkrupp baut in den USA aus, während der Konzern in Europa Stahlbeteiligungen abstößt. Die Tochter Bilstein investiert kräftig in ihren Standort Hamilton in Ohio. Der Schritt zeigt, wie wichtig der US-Markt für die Industriesparte des Essener Konzerns geworden ist.
100 neue Stellen in Ohio
Thyssenkrupp Bilstein of America schafft rund 100 neue Arbeitsplätze am Hauptsitz Hamilton. Die Belegschaft dort wächst damit auf 700 Mitarbeiter. Hintergrund ist die Integration des Lenksysteme-Geschäfts sowie ein starkes Umsatzwachstum in der Region.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 setzte Thyssenkrupp mit diesem Segment in Nordamerika rund 2,1 Milliarden Euro um. Parallel zum Stellenaufbau bündelt der Konzern seine Produktion. Das Werk in Terre Haute schließt bis März 2027, die Fertigung wandert komplett nach Hamilton. Ohio wird damit zum zentralen US-Standort für die Fahrwerkstechnologien des Konzerns.
Stahl-Portfolio schrumpft weiter
Während Thyssenkrupp in den USA investiert, trennt sich der Konzern in Europa von Altlasten. Die Salzgitter AG übernimmt jetzt vollständig die Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec geben dafür ihre Anteile ab.
Salzgitter will das Werk bis Ende 2028 komplett integrieren und auf klimafreundliche Elektrolichtbogenöfen umstellen. Für Thyssenkrupp ist der Verkauf Teil einer klaren Strategie: Kapitalintensive Stahlbeteiligungen raus, profitable Technikbereiche rein. Die Fahrwerkstechnik gehört zu den Gewinnern dieser Umschichtung, genauso wie die Rüstungssparte.
Im Marinegeschäft hat sich TKMS zuletzt als bevorzugter Bieter für ein milliardenschweres U-Boot-Programm in Kanada positioniert. Das Geschäft könnte langfristige Partnerschaften mit nordamerikanischen Firmen wie Gastops und Kongsberg Geospatial festigen.
Aktie zeigt robusten Aufwärtstrend
Die Thyssenkrupp-Aktie schloss am Montag bei 11,53 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen verlor das Papier 3,84 Prozent, seit Jahresbeginn steht aber ein Plus von 19,21 Prozent zu Buche. Die Marktkapitalisierung liegt bei 7,18 Milliarden Euro.
Der Kurs notiert mit 15,85 Prozent deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,95 Euro. Das signalisiert einen soliden Aufwärtstrend seit dem Frühjahr. Der RSI von 55,1 zeigt einen neutralen Bereich, vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro liegt die Aktie noch 12,95 Prozent entfernt.
Der Kurstrend spiegelt zwei parallele Entwicklungen wider: die operativen Fortschritte beim Portfolioumbau und neue Großaufträge im Rüstungsgeschäft. Beide Faktoren dürften auch in den kommenden Monaten die Bewertung des Konzerns prägen — vor allem, sobald die Integration in Hamilton bis März 2027 abgeschlossen ist und die Stahl-Transaktion mit Salzgitter bis 2028 vollständig umgesetzt wird.
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