Thyssenkrupp benennt seine größte Sparte um, die Gewerkschaft ruft zur Großkundgebung, und der globale Stahlmarkt wird strukturell schwieriger. Selten lagen operative Fortschritte und externe Belastungen so dicht beieinander.

Neue Marke, alter Druck

Am Mittwoch gab Thyssenkrupp der Materialhandelssparte einen neuen Namen: „tk accelis“. Das Rebranding ist kein kosmetischer Akt. Die Sparte beschäftigt rund 15.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet etwa 11,4 Milliarden Euro Umsatz — fast ein Drittel des Konzernumsatzes. Der neue Name soll die Einheit kapitalmarktfähig machen und eine mögliche Abspaltung noch in diesem Jahr vorbereiten.

Der Konzern bewegt sich damit konsequent in Richtung Holding-Struktur. Einzelne Sparten sollen eigenständig stehen können. Das ist der Plan.

Gewerkschaft macht Druck

Für Freitag hat die IG Metall zu einer Großkundgebung in Berlin aufgerufen. Tausende Beschäftigte wollen gegen geplante Kapazitätskürzungen und Stellenabbau in der Stahlsparte protestieren. Die Gewerkschaft fordert außerdem einen günstigeren Industriestrompreis als politische Unterstützung.

Die Stahlsparte bleibt der schwierigste Teil des Konzerns. Erschwerend kommt ein OECD-Bericht vom 4. Juni hinzu. Die Organisation warnt vor wachsenden globalen Überkapazitäten — bis 2028 soll die weltweite Stahlüberkapazität auf 745 Millionen Tonnen steigen. Staatlich subventionierte Produktion außerhalb Europas erhöht den Preisdruck. Für Thyssenkrupp trifft das in einer kritischen Sanierungsphase.

Grüner Lichtblick, schwacher Kurs

Auf der Habenseite steht die Dekarbonisierung. BMW fertigt seit Februar 2026 Fahrzeugteile aus emissionsreduziertem Thyssenkrupp-Stahl in Serie. Das zeigt: Die Nachfrage nach grünem Stahl wächst — und Thyssenkrupp kann sie bedienen.

An der Börse spiegelt sich das kaum wider. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 10,49 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen verlor das Papier fast elf Prozent. Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von 8,5 Prozent — aber der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro beträgt rund 21 Prozent.

Mitte Juni tagt der Aufsichtsrat. Dabei dürften weitere Details zur Abspaltung von „tk accelis“ und zur künftigen Holding-Struktur auf den Tisch kommen. Wie konkret der Fahrplan dann ausfällt, wird zeigen, ob der Umbau Fahrt aufnimmt — oder ob die Baustellen Stahl und Kapitalmarkt das Tempo weiter bremsen.