Starke Kursgewinne an der Börse, lauter Protest auf der Straße. Bei Thyssenkrupp klaffen Stimmung und Realität derzeit weit auseinander. Der Konzern treibt seinen radikalen Umbau voran. Parallel dazu wächst der gewerkschaftliche Widerstand gegen mögliche Kürzungen beim grünen Stahl.
Historisches Tief und lauter Protest
Die deutsche Stahlbranche steckt in der Krise. Zuletzt fiel die nationale Produktion auf 34,1 Millionen Tonnen. Das markiert den niedrigsten Wert seit 2009. In Berlin und Völklingen demonstrierten am Freitag deshalb rund 1.700 Menschen.
Die IG Metall fürchtet einen Rückschlag beim Klimaschutz. Der Konzern könnte seine Pläne für klimaneutralen Stahl aufweichen. Hintergrund sind die schwache Konjunktur und die geplante Überarbeitung des EU-Emissionshandels im Juli.
Aus Materials Services wird tk accelis
Um in diesem Umfeld zu bestehen, baut das Management Thyssenkrupp zu einer Finanzholding um. Die einzelnen Sparten sollen unabhängiger agieren. Das Ziel: mehr Eigenständigkeit. Ein zentraler Schritt erfolgte diese Woche. Die Handelssparte Materials Services heißt ab sofort tk accelis.
Der neue Name soll internes Wachstum beschleunigen und den Marktzugang verbessern. Finanziell liefert der Bereich bereits ab. Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte um 179 Prozent.
Strafzölle stützen den Kurs
An der Börse kommt die Strategie gut an. Die Thyssenkrupp-Aktie beendete die Woche mit einem Plus von 2,21 Prozent bei 11,36 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Gewinn von gut 17 Prozent auf der Anzeigetafel.
Charttechnisch zeigt der Trend nach oben. Der Kurs notiert komfortabel über der 50-Tage-Linie von 10,07 Euro. Auch den 200-Tage-Durchschnitt hat das Papier inzwischen deutlich hinter sich gelassen.
Im Juli fallen wichtige Entscheidungen für den Sektor. Die Europäische Union führt dann einen Strafzoll von 50 Prozent auf bestimmte Stahlimporte ein. Diese Maßnahme soll den europäischen Markt vor asiatischen Billigimporten abschirmen. Gepaart mit den neuen Regeln zum Emissionshandel definiert dieser Monat die Rahmenbedingungen für Thyssenkrupps Stahlgeschäft neu.
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