Der Rhein macht Thyssenkrupp gerade einen Strich durch die Logistik-Rechnung. Niedrigwasser zwingt die Stahltochter Thyssenkrupp Steel Europe zur Drosselung ihrer Hochofenproduktion in Duisburg. An der Börse zeigt sich davon bisher wenig: Die Aktie notiert bei 11,79 Euro, ein Plus von 6,74 Prozent binnen 30 Tagen.

Rhein fällt dramatisch

Der Pegel Kaub am Mittelrhein lag am 4. Juli noch bei rund 125 Zentimetern. Am 15. Juli waren es nur noch 41 Zentimeter. Das ist ein Rückgang von mehr als 80 Zentimetern in elf Tagen und liegt deutlich unter dem mittleren Niedrigwasserstand von 65 Zentimetern.

Die Folge: Große Frachtschiffe fahren derzeit nur noch mit 20 Prozent ihrer normalen Kapazität. Betroffen ist nicht nur Thyssenkrupp, sondern die gesamte rheinabhängige Industrie. Analysten warnen, dass die steigenden Frachtkosten Deutschlands wirtschaftliche Erholung belasten könnten.

Amtliche Vorhersagen deuten zwar auf einen leichten Anstieg der Pegel hin. Das Ausgangsniveau ist allerdings so niedrig, dass normale Transportbedingungen vorerst nicht in Sicht sind. Wie sich die Lage mittelfristig entwickelt, hängt von den Niederschlägen im gesamten Rheineinzugsgebiet ab.

Lieferungen laufen noch normal

Thyssenkrupp Steel hat den eigenen Schubschiffbetrieb komplett eingestellt. Der Konzern chartert stattdessen externe Schiffe mit geringerem Tiefgang. Das Werk in Duisburg benötigt täglich rund 50.000 Tonnen Eisenerz und Kohle – bei den aktuellen Pegelständen keine triviale Logistikaufgabe.

Trotzdem hält Thyssenkrupp seine Lieferverpflichtungen gegenüber Kunden bislang vollständig ein. Die Produktionsmengen wurden nur leicht reduziert, nicht gestoppt. Ob das so bleibt, hängt von der weiteren Pegelentwicklung ab.

Analysten bleiben trotz Belastung gelassen

Die operative Lage belastet kurzfristig, das Analystenbild hat sich zuletzt trotzdem aufgehellt. JPMorgan hob das Kursziel für Thyssenkrupp von 11,80 Euro auf 12,80 Euro an. Die Einstufung Neutral blieb dabei unverändert.

Die Aktie notiert derzeit rund 6,29 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 11,10 Euro. Das signalisiert einen intakten kurzfristigen Aufwärtstrend trotz der Logistikprobleme am Rhein.

Sollte sich die Wassersituation in den kommenden Tagen nicht ausreichend entspannen, drohen zusätzliche Produktionsanpassungen und steigende Logistikkosten. Das würde die operative Marge von Thyssenkrupp Steel belasten – ein Risiko, das neben den strukturellen Umbauplänen des Konzerns im Blick bleibt.