In Brüssel jubelt die Stahlbranche, in Dortmund bangen Mitarbeiter um ihre Jobs. Bei Thyssenkrupp prallen am Mittwoch zwei völlig gegensätzliche Welten aufeinander. Neue EU-Zölle schützen das Kerngeschäft. Die Tochtergesellschaft Uhde streicht derweil massiv Stellen.

Harte Bandagen gegen Billigstahl

Seit Anfang Juli greift die Europäische Union hart durch. Das zollfreie Kontingent für Stahlimporte sinkt auf 18,3 Millionen Tonnen. Wer diese Grenze überschreitet, zahlt ab sofort 50 Prozent Strafzoll. Zuvor betrug die Abgabe nur die Hälfte.

Die Maßnahmen richten sich gegen globale Überkapazitäten. Branchenverbände schätzen diese aktuell auf 620 Millionen Tonnen. Bis zum Jahr 2027 könnte der Berg weiter wachsen. Thyssenkrupp profitiert massiv von diesem neuen Schutzwall. Der Konzern sucht weiterhin nach einem Käufer für seine Stahlsparte. Billigimporte aus Fernost verlieren nun ihren Schrecken.

Kahlschlag im Anlagenbau

Abseits des Stahlgeschäfts wachsen die operativen Probleme. Die Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Uhde baut an ihrem Stammsitz in Dortmund 180 Stellen ab. Der Spezialist für Anlagenbau leidet unter der Zurückhaltung seiner Kunden. Großprojekte liegen auf Eis.

Die Folge: ein harter Sparkurs. Spartenchefin Nadja Håkansson reagiert damit auf fehlende Milliardenaufträge im Chemiesektor. Der Betriebsrat befürchtet bereits eine Verlagerung von Aufgaben ins Ausland.

Aktie trotzt den Hiobsbotschaften

Anleger honorieren primär die neuen EU-Schutzmaßnahmen. Die Thyssenkrupp-Aktie gewinnt zur Wochenmitte leicht hinzu und notiert bei 10,41 Euro. Das Papier handelt stabil über dem langfristigen 200-Tage-Durchschnitt. Dieser verläuft bei 9,99 Euro.

Seit dem Jahrestief im März erholte sich der Kurs deutlich. Das Plus summiert sich auf über 46 Prozent. Der breite Abwärtstrend des vergangenen Jahres scheint vorerst gestoppt.

Am 13. August 2026 liefert der Vorstand frische Fakten. Thyssenkrupp veröffentlicht dann die Zahlen für das dritte Quartal. Im Vorquartal stagnierte das Ergebnis je Aktie bei exakt null Euro. Der kommende Bericht offenbart die ersten operativen Effekte des neuen Handelsumfelds. Zeigen sich klare Margenverbesserungen, stützt das den aktuellen Aufwärtstrend massiv.