Thyssenkrupp muss im März gleich mehrere Baustellen parallel managen – und ausgerechnet ein Schlüsselthema für die „Grünstahl“-Strategie gerät ins Stocken. Eine wichtige Wasserstoff-Ausschreibung wurde gestoppt, weil die Angebote teurer ausfielen als kalkuliert. Kann der Konzern den Umbau trotzdem wie geplant vorantreiben?
Grüner Wasserstoff: Ausschreibung auf Eis
Thyssenkrupp Steel wollte per Bieterverfahren grünen Wasserstoff für das Werk in Duisburg beschaffen. Doch die eingereichten Preisangebote lagen nach Konzernangaben „deutlich höher“ als erwartet – zu hoch für wirtschaftlich vertretbare Kalkulationen. Die Ausschreibung wurde deshalb ausgesetzt.
Am Grundsatzprojekt hält der Konzern fest: Die Direktreduktionsanlage (DRI) in Duisburg wird weiter gebaut. Wichtig dabei: Die Anlage kann auch mit Erdgas laufen. Damit ließen sich laut Unternehmen rund 50% der CO₂-Emissionen gegenüber klassischen Hochöfen einsparen. Nur: Für die eigentlich geplante Wasserstoff-Variante drohen unter den aktuellen Marktbedingungen Betriebskosten, die schwer tragbar wären.
Die Folge ist nicht nur operativ, sondern auch politisch: Thyssenkrupp führt Gespräche mit der Bundesregierung und drängt auf Anpassungen beim staatlichen Förderrahmen.
Konzernumbau: Materials Services unter Zeitdruck
Parallel läuft die umfangreichste Restrukturierung der Konzerngeschichte. Ein Schwerpunkt ist die Handelstochter Materials Services. Für sie prüft Thyssenkrupp mehrere Optionen – Abspaltung, Börsengang oder kompletter Verkauf. Ein IPO wird als Möglichkeit für Herbst 2026 genannt.
Materials Services ist dabei kein Nebenprojekt: Im Geschäftsjahr 2024/25 standen 11,4 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 15.000 Beschäftigte zu Buche. Entscheidend ist nun eine konkrete Marke: Bis Ende März soll die Einheit eine operative Verbesserung nachweisen. Diese Messlatte gilt als Voraussetzung, um die nächsten Portfolioschritte im Jahresverlauf zu konkretisieren.
Steel-Verkauf und TKMS als Stütze
Bei Steel Europe laufen vertrauliche Gespräche mit Jindal Steel International, inklusive umfassender Due Diligence. In den vergangenen Monaten wurden zudem wichtige Meilensteine gemeldet: ein Tarifvertrag zur Stahl-Neuausrichtung (Dezember 2025) und ein Term Sheet mit Salzgitter zur Zukunft von HKM (Februar 2026). Die Übertragung der HKM-Anteile an Salzgitter ist für den 1. Juni 2026 geplant.
Stabiler wirkt im Portfolio die Marinesparte TKMS. Die seit Oktober 2025 eigenständig börsennotierte Einheit (Thyssenkrupp hält 51%) meldete zum 31. Dezember 2025 einen Rekordauftragsbestand von 18,7 Mrd. Euro, inklusive des größten Torpedoauftrags der Unternehmensgeschichte für die Deutsche Marine.
Zahlen, Kurs und nächste Termine
Im 1. Quartal 2025/2026 sank der Umsatz um 8% auf 7,2 Mrd. Euro, während das bereinigte EBIT um 10% auf 211 Mio. Euro stieg. Gleichzeitig drückten hohe Sonderlasten: Allein bei Steel Europe fielen Restrukturierungskosten von 401 Mio. Euro an, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 334 Mio. Euro.
An der Börse bleibt die Lage angespannt: Trotz eines positiven Tages (+2,49% auf 9,78 Euro) steht im Wochenvergleich ein Minus von 6,61%. Zudem notiert die Aktie unter dem 50-Tage-Durchschnitt (10,72 Euro) – ein Signal, dass viele Anleger den Fortschritt des Umbaus erst noch bestätigt sehen wollen.
Der nächste harte Prüfstein ist terminiert: Am 12. Mai 2026 legt Thyssenkrupp den Halbjahresbericht vor. Dann dürfte der Markt vor allem auf drei Punkte schauen – den Stand der Jindal-Verhandlungen, die bis Ende März geforderte operative Verbesserung bei Materials Services und die planmäßige HKM-Übertragung zum 1. Juni 2026.
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