Die Importflut aus Asien trifft Thyssenkrupp Steel Europe an einem besonders empfindlichen Punkt. Kornorientiertes Elektroband — ein Schlüsselmaterial für Transformatoren und damit für den Ausbau europäischer Stromnetze — wird zunehmend von chinesischen Exporten verdrängt, deren Preise teils deutlich unter den europäischen Produktionskosten liegen. Vorstandschefin Marie Jaroni wandte sich am 3. April 2026 mit einem eindringlichen Appell an die EU-Kommission.
Zahlen, die Druck machen
Die Dimension der Importwelle ist bemerkenswert: Seit 2022 haben sich die Einfuhren des Materials verdreifacht, 2025 stiegen sie nochmals um 50 Prozent. Mittlerweile dürften asiatische Anbieter mehr als die Hälfte des europäischen Marktvolumens auf sich vereinen — ein Segment, das bisher nicht unter die bestehenden EU-Schutzmechanismen für andere Stahlsorten fiel.
Die EU-Kommission hat eine Schutzuntersuchung eingeleitet, was Jaroni als notwendigen ersten Schritt begrüßte. Ob daraus schnell wirksame Handelszölle entstehen, ist offen. Reicht die Untersuchung aus, um die Produktion in Isbergues vor dem geplanten Komplettstillstand von Juni bis September 2026 zu retten? An dem nordfranzösischen Standort arbeiten rund 600 Menschen, ein weiteres Werk in Gelsenkirchen beschäftigt ebenfalls etwa 600 Mitarbeiter. Insgesamt stehen 1.200 Arbeitsplätze unter Druck. Bereits seit Januar 2026 läuft Isbergues nur mit halber Kapazität.
Umbau läuft parallel weiter
Ungeachtet der Stahlkrise setzt Thyssenkrupp seinen Konzernumbau fort. Zum 1. April 2026 wurde die Sparte Automation Engineering an die Münchener Agile Robots SE verkauft. Das Geschäft agiert künftig unter dem Namen „Krause Automation“ als eigenständiger Systemanbieter. Thyssenkrupp konzentriert sich in der Automobilzulieferung damit auf Chassis, Komponenten, Aftermarket und Schmiedegeschäft — ein weiterer Schritt, um das Portfolio kapitalmarkttauglich zu trimmen.
Der Zeitpunkt ist symbolträchtig: Am 4. April 2026 jährt sich der Todestag von Konzerngründer August Thyssen zum 100. Mal. Das Unternehmen steht an einem historischen Wendepunkt — und die Entscheidung aus Brüssel dürfte maßgeblich beeinflussen, unter welchen Bedingungen eine mögliche Ausgliederung oder ein Teilverkauf der Stahlsparte an internationale Investoren wie Jindal Steel realisierbar wäre. Der Aktienkurs verharrt angesichts dieser Unsicherheiten in einer volatilen Seitwärtsbewegung.
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