Bei Thyssenkrupp geht es im beginnenden Tarifkonflikt nicht allein um höhere Löhne. Die IG Metall fordert auch die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Heute legte die Nachtschicht bei Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach nach Ablauf der Friedenspflicht befristet die Arbeit nieder. Damit tritt neben die jüngsten Unternehmensmeldungen eine konkrete Auseinandersetzung um Entgelt und Beschäftigung.

Warnstreik beginnt nach dem Handelsschluss

Laut Reuters versammelten sich rund 300 Beschäftigte vor dem Werk. Die Gewerkschaft verlangt 5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Warnstreik ist Teil des Tarifkonflikts in der Metall- und Elektroindustrie.

Die dpa beschreibt das Umfeld der Auseinandersetzung als schwierig: Die Industrie steht unter hohen Kostenbelastungen und leidet unter der schwachen Wirtschaftslage. Die Forderungen verbinden damit zwei Anliegen, die für Anleger unterschiedliche Bedeutung haben: höhere Vergütungen einerseits und die Absicherung von Beschäftigung und Standorten andererseits.

Die Thyssenkrupp-Aktie beendete den Freitag bei 12,05 € mit einer Tagesveränderung von -3,3%. Der dokumentierte Arbeitsausstand begann erst in der folgenden Nacht zum heutigen Sonntag. Der Kursrückgang darf deshalb nicht mit einer Reaktion auf diesen bereits laufenden Warnstreik gleichgesetzt werden.

Für die Einordnung ist diese zeitliche Trennung entscheidend. Der Tarifkonflikt bildet ein zusätzliches Thema für das Unternehmen. Als belegte Erklärung der vorausgegangenen Kursbewegung taugt der Streikbeginn dagegen nicht.

Operative Fortschritte stehen neben dem Tarifkonflikt

Aus dem operativen Geschäft kam am Donnerstag eine Auftragsmeldung: CF Industries beauftragte Thyssenkrupp Uhde mit einer FEED-Studie für eine geplante Harnstoff-Liquor-Upgrade-Anlage. Das Vorhaben betrifft den Standort Courtright in Ontario, Kanada. Gegenstand des Auftrags ist damit eine Studie für das geplante Projekt, nicht dessen vollständige Umsetzung.

Parallel dazu stehen Fortschritte beim Konzernumbau und beim Stahlprojekt. Am Mittwoch schloss Thyssenkrupp den Spin-off von tk accelis mit dessen Börsendebüt in Frankfurt ab. Der Konzern behielt eine Beteiligung von 51 Prozent.

Am Freitag teilte Thyssenkrupp außerdem mit, dass ein endgültiger Zuwendungsbescheid das laufende Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel stärkt. Diese Unternehmensmeldungen stehen neben der tarifpolitischen Belastung und ergeben kein einheitlich negatives Nachrichtenbild.

Auch die Analystenreaktion fiel differenziert aus: Deutsche Bank Research senkte am Donnerstag das Kursziel von 18 auf 17 Euro, hielt aber an der Kaufempfehlung fest. Für Anleger stehen damit operative Fortschritte einer vorsichtigeren Bewertung und dem begonnenen Arbeitskampf gegenüber. Dessen konkrete Forderungen machen Beschäftigungssicherung und Kostenentwicklung zu den zentralen Punkten der weiteren Tarifauseinandersetzung.