Die Tarifauseinandersetzung in der Metallindustrie hat Thyssenkrupp erreicht. Kurz nach Mitternacht legte die Nachtschicht beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach befristet die Arbeit nieder. Rund 300 Beschäftigte versammelten sich zu einer Protestaktion vor dem Werkstor.
Warnstreiks als Auftakt
Mit dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht begann die IG Metall ihre Warnstreiks in der Branche. In der kommenden Woche sollen die Aktionen auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Die Gewerkschaft verhandelt für rund 3,7 Millionen Beschäftigte, betroffen sind unter anderem Auto, Maschinenbau, Elektro und Metallerzeugung.
Die Forderung: fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit, dazu die Sicherung von Jobs und Standorten. Die Arbeitgeber legten in der zweiten Runde ein Angebot vor, das eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 vorsieht. Sie verweisen auf die schwierige wirtschaftliche Lage und hohe Kostenbelastungen.
Die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner sprach von „Unverständnis und Wut“ in den Betrieben. Jörg Köhlinger, Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, nannte den Mitternachtswarnstreik bei Rasselstein den „Auftakt einer massiven Warnstreikphase“. Für den Konzern bleibt abzuwarten, wie stark sich die befristeten Ausstände auf die Produktion auswirken. Konkrete Zahlen dazu liegen nicht vor.
Abspaltung TK Accelis: Banken positiv
Parallel dazu sorgt die Abspaltung des Metallhändlers TK Accelis für Aufmerksamkeit. Deutsche Bank Research und Berenberg nehmen die Bewertung mit „Buy“ auf, die Kursziele liegen bei 40 beziehungsweise 37 Euro. Beide Häuser sehen Chancen in der eigenständigen Aufstellung und im Ausbau höherwertiger Dienstleistungen.
Thyssenkrupp behält zunächst die Mehrheit. Der Konzern meldete einen Stimmrechtsanteil von 51 Prozent, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält gut zehn Prozent. Die Schwellenberührungen datieren auf den 27. Oktober.
Die Aktie von TK Accelis gab zuletzt bei Tradegate um 4,81 Prozent auf 25,75 Euro nach. Sie liegt damit deutlich unter beiden Kurszielen.
Für die Tarifrunde ist die kommende Woche der erste Test: Dann soll die Streikwelle auf das gesamte Bundesgebiet übergreifen.
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