Thyssenkrupp- vs. Voestalpine-Aktie: Stahl-Rivalen im Härtetest

Voestalpine überzeugt mit Margenstärke, Thyssenkrupp lockt mit günstiger Bewertung und milliardenschwerer Cash-Reserve.

Voestalpine Aktie
Kurz & knapp:
  • Voestalpine führt bei Margen und Spezialisierung
  • Thyssenkrupp mit niedrigerer Bewertung und hoher Liquidität
  • Grüner Stahl als Treiber bei Voestalpine
  • TKMS-Börsengang als Kurspotenzial für Thyssenkrupp

Zwei europäische Stahlkonzerne, zwei grundverschiedene Strategien. Während Voestalpine mit Spezialisierung und grüner Transformation punktet, setzt Thyssenkrupp auf radikalen Konzernumbau – inklusive eines möglichen Börsengangs der Marinetochter. Für Anleger stellt sich die Frage: Qualitätsaktie oder Turnaround-Wette?

Kursrally bei Thyssenkrupp, Stabilität bei Voestalpine

Die vergangene Handelswoche brachte einen klaren Gewinner hervor. Thyssenkrupp legte um über 17 % zu, Voestalpine kam auf rund 3 %. Auslöser für den Kurssprung in Essen: Die Verhandlungen über einen Verkauf der Stahlsparte an Jindal wurden ausgesetzt. Stattdessen soll das Segment eigenständig aufgestellt werden – ein Signal, das der Markt als Befreiungsschlag wertete.

Voestalpine blieb davon unbeeindruckt. Die Aktie notiert bei knapp 44 Euro und bringt eine Marktkapitalisierung von rund 7,5 Milliarden Euro auf die Waage. Thyssenkrupp liegt mit 6,3 Milliarden Euro deutlich darunter. Auf Jahressicht zeigt sich allerdings ein überraschendes Bild: Voestalpine hat fast 88 % zugelegt, Thyssenkrupp nur gut 31 %.

Margenstärke: Klarer Punktsieg für Voestalpine

Die operative Qualität trennt die beiden Konzerne am deutlichsten. Voestalpine erwirtschaftet eine EBITDA-Marge von 8,3 %, Thyssenkrupp kommt auf magere 2,7 %. Beim Return on Equity klafft die Schere noch weiter auseinander: Plus 5,4 % stehen einem negativen Wert von minus 14,1 % gegenüber.

KennzahlVoestalpineThyssenkrupp
EBITDA-Marge8,3 %2,7 %
ROE5,4 %−14,1 %
FCF-Marge3,8 %1,1 %

Diese Zahlen spiegeln die unterschiedliche Positionierung wider. Voestalpine hat sich als Weltmarktführer für Bahninfrastruktursysteme etabliert und profitiert von staatlichen Investitionsprogrammen in über 50 Ländern. Die Spezialisierung auf Luftfahrt und Eisenbahn schafft Preissetzungsmacht – ein Luxus, den ein breit aufgestellter Stahlkocher wie Thyssenkrupp nicht hat.

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Bewertung: Thyssenkrupp mit dem günstigeren Preisschild

Wer auf klassische Value-Kennzahlen schaut, findet Thyssenkrupp attraktiver. Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,61 signalisiert, dass der Markt den Konzern deutlich unter seinem bilanziellen Substanzwert handelt. Voestalpine notiert mit einem KBV von 1,02 nahe am fairen Buchwert.

KennzahlVoestalpineThyssenkrupp
KGV (Forward)28,4021,60
EV/EBITDA6,955,80
KBV1,020,61
Dividendenrendite1,37 %1,48 %

Beim Forward-KGV liegt Thyssenkrupp mit 21,6 ebenfalls günstiger als Voestalpine mit 28,4. Beide Werte liegen allerdings über dem Sektordurchschnitt von 16,2 – ein Zeichen dafür, dass der Markt bei beiden Titeln Verbesserungen einpreist.

Bilanzstärke: Ein überraschender Kontrast

Hier dreht sich das Bild. Thyssenkrupp weist durch konsequente Desinvestitionen ein Netto-Finanzguthaben von rund 4,3 Milliarden Euro aus. Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Voestalpine trägt eine Nettofinanzverschuldung von 1,65 Milliarden Euro – kein Alarmsignal, aber ein klarer Unterschied.

Für Thyssenkrupp ist diese Liquidität überlebenswichtig. Der Konzernumbau unter dem Programm „ACES 2030″ verschlingt Ressourcen. Gleichzeitig gibt die Cash-Position Spielraum für strategische Investitionen, etwa in die Marinetochter TKMS.

Katalysatoren: Grüner Stahl gegen Börsengang

Voestalpines wichtigster Werttreiber heißt „greentec steel“. Bis 2027 sollen Elektrolichtbogenöfen Teile der klassischen Hochofenroute ersetzen. Das senkt nicht nur COâ‚‚-Emissionen drastisch, sondern reduziert auch die Belastung durch steigende Emissionsabgaben. Im Aerospace-Bereich zeigen die Analystenrevisionen nach oben.

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Thyssenkrupp spielt eine andere Karte. Die geplante Verselbstständigung von Marine Systems könnte erhebliche Werte freisetzen – Schätzungen gehen von einem Potenzial um 1,5 Milliarden Euro aus. Die Deutsche Bank sieht ein Kursziel von 14,50 Euro, Jefferies taxiert die Aktie auf 13,00 Euro. Am 30. April lag das Handelsvolumen mit über 5,5 Millionen Stücken weit über dem Durchschnitt – institutionelle Investoren positionieren sich offenbar.

Risikoprofil: Wo lauern die Fallstricke?

Beide Konzerne sind anfällig für steigende Energiekosten. Bei Thyssenkrupp kommt ein spezifisches Risiko hinzu: Scheitert die Abspaltung der Stahlsparte oder verzögert sich der TKMS-Börsengang, fällt ein zentraler Bewertungsanker weg. Die komplexe Konzernstruktur bleibt ein Handicap.

Voestalpine ist stärker von der europäischen Energiepolitik abhängig. Die hohe Bewertung im Branchenvergleich lässt zudem wenig Raum für Enttäuschungen. Ein konjunktureller Abschwung in Europa würde beide treffen – bei Thyssenkrupp allerdings auf eine ohnehin fragile operative Basis.

Qualität gegen Spekulation – eine Frage des Anlegertyps

KriteriumVoestalpineThyssenkrupp
Gesamtscore78/10062/100
StärkeMargen, SpezialisierungCash-Position, Substanzwert
SchwächeHohes KGV, EnergierisikoNegative Marge, Komplexität

Voestalpine ist die solidere Wahl. Hohe Margen, technologische Führerschaft bei Bahninfrastruktur und die konsequente Dekarbonisierung machen den Konzern zu einem Qualitätsinvestment im Stahlsektor. Der Preis dafür: eine ambitionierte Bewertung.

Thyssenkrupp bietet das größere Überraschungspotenzial. Ein KBV von 0,61, milliardenschwere Liquiditätsreserven und die Aussicht auf wertsteigernde Portfoliomaßnahmen locken spekulative Anleger. Die operative Schwäche im Kerngeschäft und die Dauer des Umbaus mahnen allerdings zur Vorsicht.

Wer auf bewährte Qualität setzt, greift zu Voestalpine. Wer an die Neubewertung eines Konglomerats im Umbruch glaubt, findet bei Thyssenkrupp die interessantere Ausgangslage – mit entsprechend höherem Risiko.

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