Zwölf U-Boote, bis zu 1.500 neue Jobs und ein Auftragsbestand, der um mehr als die Hälfte wachsen könnte. Kanada hat sich für den Kieler Marineschiffbauer TKMS als U-Boot-Lieferanten entschieden. Der Aktienkurs feiert die Nachricht seit Tagen, macht am Dienstag aber erstmal eine Pause.
Die Aktie notiert bei 93,00 Euro und verliert damit 1,38 Prozent gegenüber dem Vortag. Am Montag war der Kurs noch auf 94,30 Euro geklettert. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Plus von 23,34 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 34,30 Prozent.
Bis zu 1.500 neue Jobs in Kiel und Wismar
Kanadas Premierminister Mark Carney hat die Entscheidung verkündet. TKMS soll bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD nach Nordamerika liefern. Das erste Boot soll bis 2033 ausgeliefert werden.
Gebaut wird sowohl in Kiel als auch in Wismar. TKMS-Chef Oliver Burkhard betonte, die komplette Wertschöpfung bleibe in Deutschland. An den beiden Standorten könnten bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Aktuell beschäftigt TKMS mehr als 9.100 Menschen, davon rund 3.300 in Kiel.
Vertrag steht noch aus
Die politische Entscheidung ist gefallen, ein unterschriebener Vertrag existiert aber noch nicht. Kanada will nun exklusive Verhandlungen mit TKMS aufnehmen. Diese könnten sich nach früheren Angaben über Monate hinziehen.
Erst danach steht fest, wann die Boote tatsächlich bestellt und ausgeliefert werden. Zum Auftragsvolumen machten weder Kanada noch TKMS bisher Angaben.
Konkurrent Hanwha Ocean geht leer aus
Im Bieterverfahren setzte sich TKMS knapp gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch. Die Koreaner hatten mit einer schnelleren ersten Lieferung geworben. Nach der Entscheidung äußerte sich Hanwha Ocean enttäuscht.
„Trotz aller Anstrengungen konnten wir die Barriere, die das Nato-Bündnis darstellt, nicht überwinden“, erklärte das Unternehmen. In Südkorea wird die Entscheidung als strategische Wahl gewertet – nicht als rein technische.
Auch auf politischer Ebene sorgt der Deal für Reaktionen. Verteidigungsminister Boris Pistorius nannte die kanadische Entscheidung einen Meilenstein für die transatlantische Sicherheit. Die künftige U-Boot-Flotte der drei Nationen sei ein wesentlicher Pfeiler der Nato-Strategie im hohen Norden.
Auftragsbücher waren schon vorher voll
Der Kanada-Auftrag trifft auf eine ohnehin gut gefüllte Pipeline. TKMS profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rüstungsgütern. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres, das von Oktober 2025 bis März 2026 läuft, erreichte der Auftragsbestand einen Rekordwert von 20,6 Milliarden Euro.
Damit war die Werft bereits bis in die 2040er Jahre ausgelastet. Neben Kiel und Wismar fertigt TKMS auch am Standort Itajaà in Brasilien. Seit dem Börsengang im Oktober 2025 hält die thyssenkrupp AG weiterhin eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent.
Der Kurs zeigt, wie stark der Markt die Nachricht bereits eingepreist hat: Mit einem Abstand von 63,88 Prozent zum 52-Wochen-Tief bei 56,75 Euro und einem RSI von 65,3 ist die Aktie technisch kein Schnäppchen mehr. Bis Kanada und TKMS die exklusiven Verhandlungen abschließen, bleibt der geplante Kapazitätsausbau in Kiel und Wismar der sichtbarste Beleg dafür, dass der Konzern fest mit dem Milliardengeschäft rechnet.
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