TKMS treibt seine Wachstumsstrategie über Auftragsgewinne voran, nicht über Zukäufe. Der Rüstungskonzern hat sich Ende Juli aus dem Bieterverfahren um den Schiffbauer German Naval Yards Kiel (GNYK) zurückgezogen. Damit endet eine monatelange Prüfphase, die im Dezember 2025 mit fortgeschrittenen Gesprächen begonnen hatte und im Januar in ein unverbindliches Kaufangebot mündete.
CEO Oliver Burkhard hatte die mögliche Übernahme im Februar noch als „gute Opportunität, aber kein Muss“ beschrieben. Diese Zurückhaltung hat sich nun bestätigt: TKMS setzt stattdessen auf organisches Wachstum durch die eigene Auftragspipeline, die sich zuletzt deutlich gefüllt hat.
Fregattenprogramm mit politischem Rückhalt
Der Bundestags-Haushaltsausschuss billigte im Juli die Beschaffung von vier MEKO A-200 DEU Fregatten für die Bundeswehr, mit einer Option auf vier weitere Schiffe. Die erste Auslieferung ist für 2029 angepeilt. Das Programm zeigt, wie stark TKMS von der Aufrüstung der Bundeswehr profitiert und liefert einen verlässlichen Umsatzbeitrag über mehrere Jahre.
Parallel dazu baut TKMS seine internationale Präsenz aus. Im Juli wurde der Konzern als bevorzugter Lieferant für die kanadische U-Boot-Flotte ausgewählt – bis zu zwölf Boote der Klasse 212CD, inklusive Service ein Auftragsvolumen von rund 20 Milliarden Euro.
Zusätzlich bestellte Norwegen zwei weitere 212CD-Boote, womit sich der norwegische Gesamtauftrag auf sechs Einheiten erhöht. Mit einer zweiten Absichtserklärung mit dem spanischen Schiffbauer Navantia will TKMS bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für U-Boot-Projekte schaffen.
Zahlen bestätigen den Wachstumskurs
Die Neunmonatszahlen zum 30. Juni untermauern die operative Stärke: Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand kletterte von 18,2 Milliarden Euro Ende September 2025 auf 20,1 Milliarden Euro zum Quartalsende.
Das Management hob die Jahresprognose infolge dieser Entwicklung zum zweiten Mal binnen sechs Monaten an, das Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr wird nun bei 10 bis 12 Prozent erwartet statt zuvor 2 bis 5 Prozent.
Die Sparte Submarines lieferte dabei den stärksten Beitrag: Das bereinigte EBIT vervierfachte sich, weil auslaufende Altprojekte durch hochlaufende Neuaufträge ersetzt wurden. Bei den Überwasserschiffen sank der Umsatz zwar wegen der Projektabrechnung nach IFRS 15 um 17 Prozent, die Marge blieb mit 9,2 Prozent jedoch stabil.
Auch bei Atlas Electronics drückten Investitionen in neue Programme die Marge auf 7,2 Prozent, nach 11,9 Prozent im ersten und 9,9 Prozent im zweiten Quartal. Für das vierte Quartal rechnet man in beiden Bereichen mit einer Erholung.
Kursreaktion bleibt verhalten
Trotz der operativen Fortschritte hat die Aktie in den vergangenen sieben Tagen 2,4 Prozent verloren und notiert aktuell bei 91,20 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das Mitte August erreicht wurde, ist das Papier damit spürbar entfernt.
Der Rückzug von der GNYK-Übernahme dürfte den Kurs kaum belasten, da der Konzern damit Kapital für die organische Auftragsabarbeitung freihält – bei einem negativen Free Cashflow von 204 Millionen Euro in den ersten neun Monaten ein nicht unwesentlicher Faktor. Für das Gesamtjahr erwartet das Management dennoch eine positive Cashgenerierung.
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