Am 8. Juli 2026 genehmigte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU bei TKMS für rund 6,3 Milliarden Euro. Zwei Tage zuvor hatte bereits die kanadische Regierung unter Premierminister Mark Carney das Unternehmen als „Preferred Supplier“ für das Canadian Patrol Submarine Project ausgewählt – ein Vorhaben mit einem geschätzten Volumen von über 20 Milliarden US-Dollar für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD.

Bundestag ersetzt altes Fregatten-Projekt

Der deutsche Fregatten-Auftrag markiert einen Kurswechsel in der Beschaffungsplanung. Der Zuschlag ersetzt das ursprünglich vorgesehene Projekt F126 und beinhaltet zusätzlich eine Option auf vier weitere Schiffe im Wert von rund 5,3 Milliarden Euro. Sollte die Bundesregierung diese Option ziehen, würde sich der Gesamtwert des Programms auf mehr als 11 Milliarden Euro summieren. Für TKMS bedeutet die Entscheidung des Haushaltsausschusses einen weiteren Baustein im ohnehin schon prall gefüllten Auftragsbuch, das zuletzt im Geschäftsbericht für 2024/25 mit 18,2 Milliarden Euro ausgewiesen wurde – ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kanada treibt U-Boot-Sparte voran

Der kanadische Zuschlag betrifft zunächst nur den Status als bevorzugter Lieferant, nicht die endgültige Vertragsunterzeichnung. Dennoch hat TKMS bereits Vorbereitungen für die Lieferkette getroffen: Der italienische Spezialstahlhersteller Valbruna ASW wurde mit der Produktion von nicht-magnetischem U-Boot-Stahl beauftragt, um die Materialversorgung für das Programm sicherzustellen. Das Canadian Patrol Submarine Project gilt als größtes Rüstungsvorhaben in der Geschichte Kanadas und würde, sofern es zum Vertragsabschluss kommt, die Werftauslastung von TKMS über Jahre hinweg prägen.

Kursreaktion bleibt verhalten

Trotz der positiven Nachrichtenlage zeigt sich die Aktie an der Börse zurückhaltend. Am aktuellen Handelstag notiert das Papier bei 80,40 Euro und gibt damit 1,23 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 81,40 Euro am Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,74 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf Monatssicht mit einem Plus von 10,90 Prozent deutlich erholt hat. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 16,10 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 106,58 Euro, erreicht am 20. Oktober 2025, trennen den Kurs derzeit 24,56 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 56,75 Euro vom 24. November 2025 bei 41,67 Prozent liegt. Der Kurs bewegt sich damit knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 78,42 Euro, notiert aber unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 82,53 Euro. Der RSI von 49,5 signalisiert eine neutrale Marktlage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 82,81 Prozent auf weiterhin hohe Schwankungsbreiten hindeutet.

Weitere operative Fortschritte

Parallel zu den Großaufträgen treibt TKMS auch bestehende Programme voran. Ende Juni 2026 lief in Brasilien die Fregatte „Cunha Moreira“ (F202) vom Stapel – der dritte Neubau im Rahmen des gemeinsam mit Embraer umgesetzten Tamandaré-Programms für die brasilianische Marine. Zudem schloss das Unternehmen einen Vertrag mit dem Technologieunternehmen Cohere zur Implementierung einer KI-gestützten Datenintegrationsplattform für die gesamte Unternehmensgruppe ab. Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 meldete TKMS im Mai einen Rekord-Auftragsbestand sowie eine signifikante Steigerung bei Umsatz und bereinigtem EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Aktionärsstruktur und Börsenhistorie

TKMS wurde im Oktober 2025 im Zuge einer Abspaltung von der thyssenkrupp AG als eigenständiges Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Seit Ende Dezember 2025 ist die Aktie zudem im MDAX der Deutschen Börse gelistet, nachdem die Marktkapitalisierungs- und Liquiditätskriterien erfüllt waren. An der Aktionärsstruktur hat sich seither wenig geändert: Die thyssenkrupp AG hält weiterhin eine Mehrheitsbeteiligung von 51,00 Prozent, gefolgt von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit 10,26 Prozent und Vanguard Capital Management LLC mit 1,22 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 5,45 Milliarden Euro bleibt TKMS damit trotz der jüngsten Milliardenaufträge ein vergleichsweise fokussierter Wert im deutschen Rüstungssektor.