Rheinmetall und andere Rüstungswerte brechen zweistellig ein. Bei thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) zeigt die Kurve steil nach oben. Der Grund für diese Diskrepanz liegt in Berlin. Das Verteidigungsministerium strukturiert seine Marinebeschaffung radikal um. Davon profitiert der Kieler Werftenverbund massiv.
Aus für F126 bringt Milliarden-Auftrag
Die Bundesregierung stoppt das bisherige Fregattenprogramm F126. Ursprünglich sollte das niederländische Unternehmen Damen diese Schiffe bauen. Massive Kostensteigerungen und Verzögerungen zwangen Berlin nun zum Umdenken. Stattdessen plant der Bund den Kauf von acht Fregatten des Typs MEKO A-200. Diese baut TKMS.
Der finanzielle Umfang sprengt bisherige Dimensionen. Die ersten vier Einheiten kosten voraussichtlich rund 6,3 Milliarden Euro. Für ein zweites Los existiert eine Option über weitere 5,3 Milliarden Euro. Verteidigungsminister Boris Pistorius fordert schnelles Handeln. Er will zügig neuen Stahl ins Wasser bringen.
Börsenpläne erhalten neuen Schub
Investoren reagieren prompt auf das enorme Auftragsvolumen. Die TKMS-Aktie kletterte am 28. Juni gegen den schwachen Sektortrend auf 75,80 Euro. Das entspricht einem Plus von knapp drei Prozent. Konkurrenten wie Rheinmetall verloren im Zuge einer Branchenrotation zeitweise ein Fünftel ihres Wertes.
Dieser Rückenwind kommt für den Mutterkonzern thyssenkrupp zur rechten Zeit. Das Management prüft weiterhin eine Verselbstständigung der Marinesparte. Ein prall gefülltes Auftragsbuch der deutschen Marine macht TKMS für Investoren deutlich attraktiver. Das gilt besonders für einen möglichen Börsengang. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei rund 5,5 Milliarden Euro.
Hensoldt verliert, TKMS gewinnt
Der abrupte Strategiewechsel fordert allerdings auch Opfer. Die Folge: Der Sensorik-Spezialist Hensoldt verliert einen fest eingeplanten Radar-Auftrag über 200 Millionen Euro. TKMS baut seine Marktführerschaft bei Überwasserkampfschiffen in Europa derweil weiter aus.
Nun warten die Märkte auf die finalen Verträge. Diese Unterschriften bilden den wichtigsten Kurstreiber für die kommenden Monate. Liefert TKMS wie geplant im Jahr 2029 das erste Schiff aus, festigt der Konzern seine Sonderrolle. Das Unternehmen koppelt sich damit erfolgreich von der stagnierenden deutschen Wirtschaft ab.
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