Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte grünes Licht für ein milliardenschweres Fregatten-Programm signalisiert. Am Samstag strich er die Entscheidung kurzfristig von der Tagesordnung. Für TKMS-Aktionäre platzt damit vorerst die Hoffnung auf einen schnellen Durchbruch.
Ausschuss verlangt Nachbesserungen
Die Bundesregierung wollte den Fregatten-Auftrag noch vor der Sommerpause durch den Ausschuss bringen. Dieser Zeitplan ist nun hinfällig. Grund sind fachliche Zweifel an der Eignung der Schiffe für ihre Kernaufgabe: die U-Boot-Jagd.
Ein Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium konnte die Koalitionsabgeordneten nicht überzeugen. Ein CDU-Verteidigungspolitiker forderte laut Berichten zunächst ein umfassenderes Marine-Konzept. Erst dann wolle er zustimmen.
Der geplante Bauauftrag umfasst vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Sie sollen künftig als Klasse F128 firmieren. Das Volumen für die ersten vier Schiffe liegt bei rund 6,63 Milliarden Euro, macht also gut 1,57 Milliarden Euro pro Einheit.
Eine Option auf vier weitere Schiffe im Wert von rund 5,3 Milliarden Euro steht im Raum. Über sie entscheidet die Regierung bis Jahresende. Wichtig für Anleger: Der finale Vertrag steht weiterhin aus, bislang existiert nur ein Vorvertrag.
Ausgangspunkt: Das F126-Debakel
Auslöser der ganzen Entwicklung ist der Abbruch des F126-Projekts. Das Verteidigungsministerium plant stattdessen die Beschaffung von bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU von TKMS.
Insgesamt würde die Beschaffung aller acht Schiffe laut Berichten rund 11,6 Milliarden Euro kosten. Das liegt deutlich über der ursprünglichen Kalkulation. Besonders ein Detail sorgte für Unmut im Bundestag: Der Einzelpreis einer MEKO-Fregatte ist um rund 70 Prozent gestiegen.
Gebaut werden sollen die Schiffe bei Stahlbau Nord in Bremerhaven. Das Unternehmen gehört zur Heinrich-Rönner-Gruppe.
Kursreaktion: Rally trifft auf Realität
Die TKMS-Aktie zeigte sich zuletzt extrem schwankungsanfällig. Am Freitag schloss das Papier bei 83,70 Euro, ein Plus von 8,00 Prozent binnen einer Woche. Seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von 20,87 Prozent zu Buche.
Diese Rally kommt nicht aus dem Nichts. Sie spiegelt monatelange Kursfantasie rund um das F128-Programm.
Vom 52-Wochen-Tief bei 56,75 Euro hat sich die Aktie um 47,49 Prozent erholt. Zum Rekordhoch fehlen aber weiterhin 18,66 Prozent.
Diese Schwankungsbreite ist kein Zufall. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 74,05 Prozent. Das zeigt: Der Titel reagiert extrem sensibel auf politische Nachrichten aus Berlin.
Die jüngste Rally speiste sich vor allem aus der Erwartung einer schnellen Zustimmung des Ausschusses. Bleibt diese aus, dürfte ein Teil der Kursgewinne der vergangenen Wochen wieder zur Disposition stehen.
Zweite Baustelle: Kanada
Ein neuer Termin für die Beratung des F128-Programms steht bislang nicht fest. Parallel richtet sich der Blick auf Kanada. Dort entscheidet Premierminister Carney über das U-Boot-Programm CPSP.
TKMS gilt neben dem südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean als einer von zwei Favoriten für den Zuschlag. Bis der Haushaltsausschuss erneut über die Fregatten berät, bleibt die politische Unsicherheit rund um F128 der entscheidende Kurstreiber.
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