TKMS baut sein europäisches Bündnisnetzwerk im Unterwasser-Geschäft weiter aus. Am Dienstag unterzeichnete der Kieler Marineschiffbauer ein Memorandum of Understanding mit dem italienischen Konzern Fincantieri, das die bestehende Zusammenarbeit im Unterwasser-Sektor vertiefen soll. Beide Unternehmen wollen bis Jahresende einen gemeinsamen Collaboration Framework etablieren, wie Fincantieri mitteilte.
Die Vereinbarung reiht sich in eine Serie industrieller Partnerschaften ein. Bereits am 15. April und 24. Juli hatte TKMS Absichtserklärungen mit dem spanischen Unternehmen Navantia unterzeichnet. Auch hier planen beide Seiten, bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für ausgewählte U-Boot-Projekte zu schaffen.
Ziel ist es, industrielle Kapazitäten zu erweitern, Lieferzeiten zu verkürzen und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Für Anleger bedeutet das: TKMS positioniert sich als zentraler Knotenpunkt eines europäischen Unterwasser-Netzwerks, statt allein auf nationale Aufträge zu setzen.
Auftragslage und Zahlen untermauern die Strategie
Die Kooperationsoffensive fällt in eine Phase operativer Stärke. Am 12. August legte TKMS Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 vor: Der Umsatz stieg auf 1.890 Millionen Euro, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro, was einer Marge von 5,8 Prozent entspricht. Der Auftragsbestand erreichte mit 20,1 Milliarden Euro einen neuen Höchststand.
Das Unternehmen hob daraufhin seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September 2026 endet, deutlich an: Statt eines Umsatzwachstums von 2 bis 5 Prozent erwartet TKMS nun 10 bis 12 Prozent, die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent erreichen.
Mittelfristig peilt der Konzern eine Marge von über 7 Prozent an. Flankiert wird diese Entwicklung von einem konkreten Großauftrag: Norwegen bestellte zwei weitere U-Boote der Klasse 212CD und erhöht damit seinen Gesamtbestand für die norwegische Marine von vier auf sechs Einheiten.
Kurs bleibt trotz starker Nachrichtenlage unter Druck
An der Börse zeigt sich das operative Momentum bislang nicht in der Kursentwicklung. Die Aktie notiert aktuell bei 83,30 Euro und hat auf Sicht von sieben Handelstagen 7,6 Prozent verloren. Damit liegt der Kurs mittlerweile 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das im August markiert wurde. Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit einem Plus von 26 Prozent dennoch deutlich im positiven Bereich.
Die Diskrepanz zwischen operativer Nachrichtenlage und Kursverlauf wirft Fragen auf. Anleger scheinen die angehobene Guidance, die Rekord-Auftragsbücher und die neuen Industriepartnerschaften bereits vorweggenommen zu haben, während zugleich Gewinnmitnahmen nach dem starken Jahresauftakt einsetzen.
Die parallel vorangetriebenen Projekte – vom F127-Fregattenentwurf im engen Austausch mit dem Bundesministerium der Verteidigung, der Deutschen Marine und dem BAAINBw bis zu den Kooperationsrahmen mit Fincantieri und Navantia – zeigen jedoch, dass TKMS seine industrielle Basis in Europa systematisch verbreitert.
Ob sich das mittelfristig auch im Aktienkurs niederschlägt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die angekündigten Collaboration Frameworks bis Jahresende tatsächlich mit konkreten Projekten unterlegt werden.
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