Der Rüstungskonzern TKMS treibt die Ausrüstung seiner neuen Fregattenklasse voran und hat dafür einen bedeutenden Zulieferauftrag an den schwedischen Konzern Saab vergeben. Das Volumen liegt bei rund 800 Millionen Euro, umgerechnet 8,7 Milliarden schwedische Kronen. Saab liefert Gefechtsführungssysteme vom Typ 9LV sowie die Radarsensorik Sea Giraffe für vier neue Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU.
Bundestag hat Weg für die Fregatten geebnet
Die Auftragsvergabe an Saab folgt auf eine politische Weichenstellung in Berlin. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte die Beschaffung der vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU, auch als Klasse 128 bekannt, für insgesamt 6,3 Milliarden Euro bewilligt. Der Vertrag enthält zusätzlich eine Option auf vier weitere Einheiten. Mit der Vergabe an Saab konkretisiert sich nun die technische Ausstattung dieser Schiffe, während die eigentliche Werftfertigung bei TKMS verbleibt.
Auftragsbestand wächst auf rund 40 Milliarden Euro
Parallel zur Fregatten-Beschaffung nimmt ein weiteres Großprojekt Formen an. TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard stellte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Abschluss des indischen Großauftrags Project 75-I in Aussicht. Dabei geht es um sechs U-Boote im Wert von rund acht Milliarden Euro, deren Abschluss Burkhard bis Ende 2026 erwartet. Sollte der Deal zustande kommen, würde der gesamte Auftragsbestand des Konzerns auf etwa 40 Milliarden Euro anwachsen.
Auch außerhalb Europas und Asiens baut TKMS seine Position aus. Die kanadische Regierung hatte das Unternehmen Anfang Juli als bevorzugten Bieter für das Canadian Patrol Submarine Project benannt. Das Vorhaben sieht bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD vor und wird inklusive Langzeitwartung auf ein Gesamtvolumen von rund 20 Milliarden Euro geschätzt. Zusammen mit dem Tamandaré-Programm für die brasilianische Marine, bei dem TKMS Ende Juni die Fregatte „Cunha Moreira“ als drittes von mehreren Schiffen taufte, zeigt sich ein Konzern, der auf mehreren Kontinenten gleichzeitig expandiert.
Rekordhalbjahr und operative Basis
Die Geschäftszahlen untermauern diese Wachstumsdynamik. Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 meldete TKMS im Mai einen neuen Rekord-Auftragsbestand sowie deutliche Zuwächse bei Umsatz und bereinigtem EBIT. Zusätzlich hat der Konzern Ende Juni eine strategische Vereinbarung mit dem KI-Spezialisten Cohere geschlossen, um eine KI-basierte Datenintegrationsplattform konzernweit zu implementieren – ein Schritt, der die operative Effizienz bei der Abwicklung der wachsenden Zahl an Großprojekten stützen soll.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat sich die Nachrichtenflut zuletzt nicht in großen Kurssprüngen niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 81,00 Euro und notiert damit rund 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro, das Mitte Oktober 2025 erreicht wurde. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 6,02 Prozent zu Buche, was auf eine gewisse Stabilisierung nach der zwischenzeitlichen Korrektur hindeutet. Bernstein Research hatte die Aktie Anfang Juli mit einem neutralen Rating versehen – ein vergleichsweise zurückhaltendes Signal angesichts der Serie an Auftragsmeldungen der vergangenen Wochen.
Für Anleger bleibt TKMS damit ein Fall, bei dem operative Nachrichtenlage und Kursverlauf zumindest kurzfristig auseinanderfallen. Die Kombination aus dem gesicherten Fregatten-Programm in Deutschland, dem möglichen Milliardenauftrag aus Indien und der Position als bevorzugter Bieter in Kanada liefert dem Konzern eine breite Basis für weiteres Wachstum des Auftragsbestands in den kommenden Quartalen.
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