Der Kieler Marineschiffbauer TKMS hat innerhalb weniger Tage zwei strategische Weichen gestellt – in entgegengesetzte Richtungen. Während sich die geplante Übernahme des Wettbewerbers German Naval Yards Kiel zerschlagen hat, vertieft der Konzern parallel seine internationale Partnerschaft mit der spanischen Staatswerft Navantia.

Übernahme von GNYK gescheitert

TKMS zog am 22. Juli sein unverbindliches Angebot für German Naval Yards Kiel zurück. Grund war laut Handelsblatt eine Uneinigung mit dem französischen Eigentümer CMN Naval über den Kaufpreis. Die Verhandlungen um den Kieler Konkurrenten waren damit nach Monaten der Annäherung beendet, ohne dass es zu einer Einigung kam.

Nur zwei Tage später folgte die Gegenbewegung: TKMS und Navantia unterzeichneten am 24. Juli ein zweites Memorandum of Understanding. Ziel ist ein gemeinsamer Kooperationsrahmen für ausgewählte U-Boot-Projekte, der bis Jahresende stehen soll – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Die beiden Werften bauen damit ihre bereits bestehende Zusammenarbeit weiter aus, statt über eine Fusion mit einem deutschen Rivalen zu wachsen.

Auftragsbestand auf Rekordniveau

Der Hintergrund dieser strategischen Neuausrichtung ist ein prall gefüllter Orderbestand. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 vermeldete TKMS einen Rekordauftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro und hob die Umsatzprognose auf ein Wachstum von 2 bis 5 Prozent an. Bereits im Geschäftsjahr 2024/25 war der Auftragseingang auf rund 8,8 Milliarden Euro geklettert, sechsmal so hoch wie im Vorjahr, während der Nettogewinn auf 108 Millionen Euro stieg.

Zu diesem Rückenwind zählen auch milliardenschwere Rüstungsaufträge der jüngeren Vergangenheit: Kanada erteilte TKMS unter Premierminister Mark Carney den Zuschlag für bis zu zwölf U-Boote mit einem geschätzten Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro, wie Reuters berichtete. Zudem billigte der Bundestag einen Zwölf-Milliarden-Euro-Auftrag für bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU, berichtete Bloomberg. Vor diesem Hintergrund wirkt der GNYK-Rückzug weniger wie ein Rückschlag als wie eine Fokussierung auf die profitableren internationalen Partnerschaften.

Aktie erholt sich, Blick richtet sich auf Quartalszahlen

An der Börse hat sich die Aktie zuletzt spürbar erholt. Am Donnerstag schloss das Papier bei 90,10 Euro, ein Plus von 2,39 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 10,28 Prozent zu Buche. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von Oktober fehlen dennoch noch 15,46 Prozent – die massive Kursrally des vergangenen Jahres hat also noch Luft nach oben, auch wenn das Tempo der jüngsten Erholung bemerkenswert ist.

Richtung geben dürfte in den kommenden Tagen der nächste Quartalsbericht: TKMS legt am 12. August seine Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 vor. Bernstein Research bestätigte am 22. Juli seine Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 76 Euro. Analyst Adrien Rabier hält das für 2026 ausgegebene Umsatzziel des Rüstungskonzerns angesichts der Entwicklung im ersten Halbjahr allerdings für übermäßig konservativ – ein Hinweis darauf, dass die kommenden Zahlen positiv überraschen könnten. Angesichts der parallel laufenden strategischen Neuordnung mit Navantia dürfte der Bericht am 12. August auch Aufschluss darüber geben, wie tragfähig das Wachstumstempo der vergangenen Quartale bleibt.