Konzernchef Oliver Burkhard hat sich am 17. Juli 2026 im Interview mit der FAZ zum milliardenschweren U-Boot-Geschäft mit Kanada geäußert und Zweifel an der Kapazität des Kieler Marinebauers zurückgewiesen. „Wir schaffen all das, was wir geplant haben“, so Burkhard laut FAZ. Der Vertrag mit Kanada umfasst zwölf U-Boote und hat laut Berichten ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro.

Indien-Auftrag soll bis Jahresende kommen

Burkhard bleibt bei seinen Ambitionen nicht stehen. Laut Reuters und der FAZ rechnet der TKMS-Chef bis Ende 2026 mit einem weiteren Großauftrag – diesmal aus Indien. Dort geht es um sechs U-Boote im Volumen von acht Milliarden Euro. Damit würde sich die Auftragspipeline des Unternehmens innerhalb weniger Monate um zwei Milliardenprojekte auf unterschiedlichen Kontinenten erweitern. Burkhard trat Spekulationen entgegen, wonach der Konzern mit den parallelen Großprojekten personell oder produktionstechnisch überfordert sein könnte. Auf die Frage nach der Kapazität stellte er laut Reuters klar: „Natürlich schaffen wir das.“

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der TKMS ohnehin im Fokus der Rüstungsbranche steht. Bereits zuvor hatte Kanada den Kieler Konzern mit dem U-Boot-Programm beauftragt, nun rückt mit Indien der nächste potenzielle Großkunde in greifbare Nähe. Für ein Unternehmen, dessen Wert an der Börse bei rund 5,45 Milliarden Euro liegt, wären zwei derart große Aufträge ein erheblicher Wachstumstreiber für die kommenden Jahre.

Saab liefert Kampfsysteme für deutsche Fregatten

Parallel zu den U-Boot-Themen wird ein weiteres TKMS-Projekt konkreter: Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat einen Auftrag über 8,7 Milliarden schwedische Kronen – umgerechnet 903,9 Millionen US-Dollar – von TKMS erhalten. Saab wird die neuen MEKO-A-200-DEU-Fregatten der Deutschen Marine mit dem 9LV-Kampfmanagementsystem sowie den Radarsystemen Sea Giraffe 4A und Sea Giraffe 1X ausstatten, ergänzt um passive Sensoren. Die Auslieferung ist für den Zeitraum 2029 bis 2032 vorgesehen, gebaut wird in Deutschland. Für zusätzliche Schiffe besteht eine Option. Saab-Vorstandschef Micael Johansson betonte laut C4Defence, die Systeme würden die Fähigkeiten der Fregatten in der Luft-, U-Boot- und Überwasserabwehr deutlich stärken.

Der Auftrag reiht sich in ein größeres Rüstungsprogramm ein: Der Bundestag hatte zuvor vier Fregatten mit einer Finanzierung von 6,3 Milliarden Euro gebilligt, für vier weitere Schiffe stünden zusätzliche 5,3 Milliarden Euro im Raum. Das erste Schiff soll 2029 ausgeliefert werden.

Umfeld: Rekordauftragsbestand in der Industrie

Die Nachrichten zu TKMS fallen in ein Umfeld, das für die deutsche Industrie insgesamt Rückenwind zeigt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im Mai 2026 um 1,7 Prozent zum Vormonat und um 9,5 Prozent zum Vorjahr – der stärkste Anstieg seit September 2021. Die Reichweite der Aufträge liegt mit 8,9 Monaten auf dem höchsten Stand seit 2015. Ökonomen warnten allerdings vor zu viel Euphorie angesichts der Zahlen.

Blick auf die Aktie

An der Börse zeigt sich die Aktie von TKMS zuletzt mit 80,50 Euro leicht fester, ein Plus von 0,50 Prozent im Tagesverlauf. Auf Monatssicht steht ein Anstieg von 5,37 Prozent zu Buche, was die jüngste Nachrichtendichte rund um Kanada, Indien und den Saab-Auftrag widerspiegelt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 106,58 Euro, erreicht im Oktober 2025, bleibt der Titel mit einem Abstand von 24,47 Prozent aber noch deutlich entfernt. Die Kombination aus milliardenschweren Bestandsaufträgen und der Aussicht auf weitere Großgeschäfte in Indien dürfte die Diskussion um die Bewertung des Rüstungskonzerns in den kommenden Monaten weiter befeuern.