Premierminister Mark Carney benannte den deutschen Marineschiffbauer Anfang Juli als bevorzugten Anbieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“ (CPSP). Bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD sollen im Rahmen des Programms entstehen. Das reine Bauvolumen wird auf 20 bis 30 Milliarden US-Dollar geschätzt, die Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit des Programms könnten laut Medienberichten bis zu 60 Milliarden kanadische Dollar erreichen, umgerechnet knapp 37 Milliarden Euro.
Die Entscheidung reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten der vergangenen Wochen ein und bestätigt die Position von TKMS als einen der gefragtesten U-Boot-Bauer weltweit. Für Anleger ist die Größenordnung bemerkenswert: Selbst am unteren Ende der Bauvolumen-Schätzung übersteigt allein dieses Einzelprojekt die aktuelle Marktkapitalisierung des Unternehmens von 5,45 Milliarden Euro um ein Vielfaches.
Offsets als Knackpunkt der Verhandlungen
Der Zuschlag ist noch kein unterschriebener Vertrag. Kanada und TKMS befinden sich in Exklusivverhandlungen, in denen laut Table.Briefings vor allem industrielle Kompensationsgeschäfte im Mittelpunkt stehen. Ottawa fordert Zusagen für eine inländische Wertschöpfung im Umfang von 650.000 Vollzeit-Arbeitsjahren – eine Dimension, die zeigt, wie stark Kanada das Programm auch als industriepolitisches Vorhaben versteht. Wie viel davon tatsächlich in kanadische Werften und Zulieferer fließt und wie viel TKMS an eigener Fertigung behält, dürfte über Monate weiterverhandelt werden, bevor ein finaler Vertrag steht.
Dass sich TKMS bereits operativ auf den Großauftrag vorbereitet, zeigt ein Zuliefervertrag mit dem italienischen Spezialstahlhersteller Valbruna ASW. Mitte Juni erteilte TKMS dem Unternehmen den Auftrag zur Lieferung von nicht-magnetischem U-Boot-Stahl – Material, das speziell für die Vorbereitung des kanadischen CPSP-Auftrags benötigt wird.
Bundestag genehmigt Milliarden-Auftrag für Fregatten
Parallel zur kanadischen Großbestellung hat auch das deutsche Verteidigungsgeschäft von TKMS zugelegt. Der Haushaltsausschuss des Bundestags genehmigte Anfang Juli die Beschaffung von vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für rund 6,3 Milliarden Euro. Die Vereinbarung enthält zusätzlich eine Option auf vier weitere Einheiten im geschätzten Wert von 5,3 Milliarden Euro – ein möglicher Folgeauftrag, der das Gesamtvolumen des deutschen Fregatten-Programms nahezu verdoppeln könnte.
Diese Bestellung reiht sich in einen bereits rekordhohen Auftragsbestand ein. Im Bericht zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 hatte TKMS im Mai einen neuen Rekord-Auftragsbestand sowie signifikante Zuwächse bei Umsatz und bereinigtem EBIT gemeldet.
Digitalisierung und internationales Geschäft laufen weiter
Auch abseits der Großaufträge investiert TKMS in die eigene Infrastruktur. Ende Juni schloss das Unternehmen einen Vertrag mit dem KI-Spezialisten Cohere zur Implementierung einer KI-basierten Datenintegrationsplattform für die gesamte Unternehmensgruppe ab. Im brasilianischen Tamandaré-Programm vollzog TKMS zudem die Taufe der Fregatte „Cunha Moreira“ (F202), des dritten Schiffes im Rahmen dieses internationalen Auftrags.
Kurs reagiert verhalten auf Nachrichtenflut
An der Börse hat die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen bereits Spuren hinterlassen: Über 30 Tage steht bei TKMS ein Plus von 11,17 Prozent zu Buche. Zuletzt notierte die Aktie mit 80,60 Euro und einem Tagesminus von 0,98 Prozent aber unter ihrem bisherigen Rekordniveau. Zum 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro, erreicht im Oktober 2025, fehlen der Aktie noch rund ein Viertel, konkret 24,38 Prozent. Der Markt scheint die Milliardenaufträge bereits teilweise eingepreist zu haben, wartet nun aber offenbar auf handfeste Vertragsabschlüsse, insbesondere im Fall Kanadas.
Der nächste konkrete Termin für Anleger ist der 12. August 2026. Dann veröffentlicht TKMS die Quartalszahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 und dürfte erstmals detaillierter Auskunft über den Fortgang der kanadischen Verhandlungen sowie über die Wirkung der deutschen Fregatten-Order auf Auftragsbestand und Margen geben.
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