TKMS hat binnen weniger Tage zwei neue Großaufträge an Land gezogen, die den Rüstungskonzern auf Jahre hinaus auslasten. Norwegen erweiterte seine Bestellung von U-Booten der Klasse 212CD von vier auf sechs Einheiten, während in Deutschland ein Vertrag über vier Fregatten des Programms F-128 mit Option auf vier weitere unterzeichnet wurde. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um den größten Überwasser-Auftrag in der Geschichte von TKMS.
Die norwegische Regierung beauftragte den Bau der beiden zusätzlichen U-Boote als Erweiterung eines bestehenden Programms, das damit die Flotte der norwegischen Marine auf sechs Boote der Klasse 212CD vergrößert. Für TKMS bedeutet das eine weitere Absicherung der Werftauslastung im U-Boot-Segment, das schon zuvor als Wachstumstreiber galt.
Auftragsbestand wächst zweistellig
Die neuen Bestellungen kamen nach Quartalsende hinzu und schlagen sich damit noch nicht vollständig in den Zahlen für die ersten neun Monate 2025/26 nieder.
Dort meldete TKMS bereits einen Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Ende des Geschäftsjahres 2025. Der Auftragseingang lag in den ersten neun Monaten bei 3,6 Milliarden Euro, was einer Book-to-Bill-Ratio von 2,0x entspricht – auf jeden Euro Umsatz kamen also zwei Euro neue Aufträge. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hatte der Auftragseingang bei 8,6 Milliarden Euro gelegen, getrieben von einzelnen Großprojekten.
Operativ zeigte sich der Konzern ebenfalls gestärkt. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu.
Die Marge sank dabei leicht von 6,1 auf 5,8 Prozent, was angesichts der parallel laufenden Kapazitätsausweitung für neue Programme nicht überrascht. Die Netto-Finanzposition verbesserte sich deutlich auf 834 Millionen Euro von zuvor 1.313 Millionen Euro, bei einer Liquidität von 1.218 Millionen Euro und Finanzschulden von lediglich 37 Millionen Euro.
Kanada und Spanien als weitere Baustellen
Neben Norwegen und dem deutschen Fregattenprogramm bleibt TKMS bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote im kanadischen Beschaffungsprogramm, dessen Volumen allein für die Boote mehr als 15 Milliarden Euro umfassen soll. Eine Unterzeichnung wird bis Jahresende 2026 angestrebt.
Parallel verständigte sich TKMS mit dem spanischen Unternehmen Navantia auf eine Absichtserklärung, bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für ausgewählte U-Boot-Projekte zu schaffen – ein Schritt, der nach eigenen Angaben Kapazitäten bündeln und Lieferzeiten verkürzen soll.
Die Aktie reagierte auf die Nachrichtenlage mit einem Kursplus: Am Mittwoch notiert das Papier bei 98,50 Euro und damit 2,4 Prozent über dem Vortagsschluss von 96,20 Euro.
Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs um 24 Prozent verteuert, seit Jahresbeginn beträgt das Plus 49 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, erreicht am 14. August, fehlen der Aktie noch 9,5 Prozent.
Für Anleger verdichtet sich damit ein Bild: TKMS baut seinen Auftragsbestand über mehrere Länder und Produktlinien gleichzeitig aus, während die Bilanz durch geringe Verschuldung Spielraum für die anstehenden Investitionen in zusätzliche Kapazitäten lässt. Die Marge bleibt dabei der Punkt, an dem sich zeigen muss, ob das Wachstum auch profitabel skaliert.
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