Die Aktie von TKMS gibt seit Ende August spürbar nach – doch die Ursache liegt nicht im Unternehmen selbst. Gemeinsam mit Rheinmetall, RENK und HENSOLDT geriet der Kieler U-Boot- und Fregattenbauer in einen breiteren Ausverkauf deutscher Rüstungstitel. Ein konkretes TKMS-Ereignis als Auslöser lässt sich dafür nicht ausmachen.
Aktuell notiert das Papier bei 82,80 Euro, nach einem Rückgang von 2,2 Prozent im heutigen Handel. Bereits gestern hatte die Aktie mit 84,70 Euro schwächer geschlossen, auf Wochensicht steht ein Minus von 9,2 Prozent zu Buche. Auf Jahressicht bleibt trotz der jüngsten Schwäche ein Plus von 25 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Konsolidierung von einem sehr hohen Niveau aus stattfindet.
Geschäftszahlen stützen die operative Story
Während der Kurs unter dem Sektor-Sentiment leidet, liefert das operative Geschäft weiterhin solide Zahlen. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 bis zum 30. Juni meldete TKMS einen Umsatz von 1.890 Millionen Euro, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT stieg um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte 20,1 Milliarden Euro.
Das Unternehmen erhöhte im selben Zuge zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Das Umsatzwachstum soll nun zwischen 10 und 12 Prozent liegen, zuvor waren es 2 bis 5 Prozent.
Die bereinigte EBIT-Marge peilt TKMS bei bis zu 6,5 Prozent an, vorher lag die Zielmarke bei über 6 Prozent. Mittelfristig hält der Konzern an einem jährlichen Umsatzwachstum von rund 10 Prozent und einer EBIT-Marge von über 7 Prozent fest.
Auftragslage bleibt Kern der Investmentstory
Hinter den erhöhten Zielen stehen mehrere Großaufträge, die TKMS in den vergangenen Wochen einordnen konnte. Norwegen bestellte zwei zusätzliche U-Boote der Klasse 212CD nach, womit sich der Gesamtauftrag auf sechs Boote summiert.
Deutschland unterzeichnete zudem einen Vertrag über vier Fregatten mit Option auf vier weitere Einheiten – nach Unternehmensangaben der größte Überwasser-Auftrag der TKMS-Geschichte. Für ein kanadisches Programm über bis zu zwölf U-Boote mit einem Volumen von rund 15 Milliarden Euro gilt TKMS als bevorzugter Bieter.
Mit Navantia aus Spanien unterzeichnete TKMS eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit bei U-Boot-Projekten, die bis zum Jahresende konkretisiert werden soll. Ein anderes Vorhaben ließ das Unternehmen dagegen fallen: Das Übernahmeangebot für German Naval Yards Kiel zog TKMS Ende Juli zurück. Die Parameter hätten nicht mehr zusammengepasst, erklärte CEO Burkhardt.
Kurs unter Druck, Fundamentaldaten intakt
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert TKMS mit steigenden Umsätzen, angehobener Guidance und einem prall gefüllten Auftragsbuch genau die Nachrichten, die eine Wachstumsstory tragen.
Die Kursbewegung der vergangenen Tage spiegelt dagegen eine sektorweite Risikoabneigung wider, die sämtliche deutschen Rüstungswerte gleichermaßen erfasst hat. Ob sich diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursschwäche auflöst, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Stimmung gegenüber dem gesamten Sektor in den kommenden Wochen entwickelt.
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