Nach dem als bevorzugter Bieter gewonnenen Großauftrag aus Kanada rechnet Vorstandschef Oliver Burkhard nun auch mit einem milliardenschweren Zuschlag aus Indien. Parallel dazu nimmt das Fregattenprojekt für die deutsche Marine mit dem schwedischen Partner Saab konkrete Formen an.
Indien: Burkhard erwartet Entscheidung bis Ende 2026
Laut der Tageszeitung junge Welt geht Burkhard davon aus, dass Indien bis Ende 2026 einen Auftrag über sechs U-Boote im Volumen von acht Milliarden Euro an TKMS vergibt. In anderen Berichten zum Vorhaben kursiert für das Paket ein Volumen von 6,8 Milliarden Euro. Angesichts des ohnehin schon vollen Auftragsbuchs wies Burkhard laut junge Welt Spekulationen über eine Überforderung des Konzerns zurück: „Natürlich schaffen wir das.“ Als mögliche Antwort auf steigende Kapazitätsanforderungen bringt der TKMS-Chef eine Kooperation mit dem spanischen Werftkonzern Navantia ins Spiel.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Indiens Marine baut ihre U-Boot-Flotte derzeit gezielt aus, während Pakistan bereits sein erstes von acht chinesischen Hangor-U-Booten in Dienst gestellt hat. Die geopolitische Konkurrenz in der Region dürfte den Handlungsdruck in Neu-Delhi erhöhen – ein Umstand, der TKMS bei der erwarteten Auftragsvergabe in die Karten spielen könnte.
Kanada bringt das größere Volumen
Deutlich schwerer wiegt der bereits angebahnte Auftrag aus Kanada. Wie das Australian Naval Institute berichtet, hat Kanadas Premierminister Carney TKMS am 6. Juli 2026 in Halifax als bevorzugten Bieter für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project benannt. TKMS setzte sich dabei gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch, der als Reserveoption im Verfahren bleibt. Die geschätzten Lebenszykluskosten des Programms liegen bei rund 100 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet etwa 70 Milliarden US-Dollar. Die ersten vier Boote sollen bis 2034 ausgeliefert werden, das erste bereits 2033. Ein finaler Vertrag wird laut den Berichten für das vierte Quartal 2027 erwartet, die Verhandlungen sollen bis Ende 2027 laufen. TKMS beziffert die direkten wirtschaftlichen Effekte des Programms für Kanada auf 86 Milliarden kanadische Dollar, die Gesamtaktivität auf 167 Milliarden kanadische Dollar und verspricht rund 650.000 Arbeitsplätze. Kanadas aktuelle Flotte aus vier U-Booten der Victoria-Klasse ist derzeit nur zu einem Viertel einsatzbereit – ein Umstand, der die Dringlichkeit der Beschaffung unterstreicht.
Fregattenprojekt: Zwei getrennte Etappen im Juli
Auch beim Fregattenprogramm für die deutsche Marine gab es im Juli zwei separate, aufeinanderfolgende Etappen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte am 8. Juli 2026 die Beschaffung der MEKO A-200 DEU-Fregatten. Erst gut eine Woche später, am 16. Juli 2026, sicherte sich der schwedische Rüstungskonzern Saab den eigentlichen Auftrag für die Kampfsysteme der vier Fregatten im Volumen von 8,7 Milliarden schwedischen Kronen. Beide Schritte gehören zusammen zum selben Programm, markieren aber unterschiedliche Verfahrensstufen – die parlamentarische Freigabe einerseits, die konkrete Auftragsvergabe an den Systemlieferanten andererseits.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Börse reagiert auf die Nachrichtenflut bislang zurückhaltend. Die TKMS-Aktie schloss am Freitag bei 81,00 Euro, ein Plus von 0,75 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Gewinn von 22,36 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch bei 106,58 Euro aus dem Oktober 2025 ist der Titel jedoch weiterhin 24,00 Prozent entfernt. Die Schwankungsbreite der Aktie bleibt mit einer 30-Tage-Volatilität von 82,77 Prozent hoch – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Vielzahl an Auftragsmeldungen aus Indien, Kanada und dem Fregattenprogramm noch nicht einheitlich einordnen. Mit gleich drei Großprojekten auf unterschiedlichen Kontinenten wächst zugleich der Erwartungsdruck, ob TKMS die versprochenen Kapazitäten tatsächlich stemmen kann.
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