TKMS steht unter Druck. Südkorea schickt seine politische Spitze nach Kanada — genau drei Wochen vor der Entscheidung über ein U-Boot-Programm im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Der südkoreanische Präsidialamtschef Kang Hoon-sik reiste am 31. Mai nach Ottawa, begleitet von Regierungsvertretern und Wirtschaftsdelegierten. Offiziell geht es um strategische Kooperationen. Faktisch soll die Reise Hanwha Ocean und HD Hyundai Heavy Industries im Wettbewerb gegen TKMS stärken.
Die Ausschreibung umfasst bis zu zwölf dieselbetriebene U-Boote. Sie sollen die Victoria-Klasse ersetzen, die Mitte der 2030er-Jahre außer Dienst geht. Kanada will bis Ende Juni entscheiden.
Lieferplan gegen Regierungsdruck
TKMS hat nachgelegt. Das Unternehmen weitete sein Angebot in dieser Woche auf vier Lieferungen bis 2036 aus. Ursprünglich war ein erstes Boot bis 2034 geplant. Deutschland und Norwegen verschieben dafür jeweils eine eigene U-Boot-Lieferung.
Südkorea setzt auf ein anderes Modell. Hanwha Ocean bietet das 3.600-Tonnen-Modell Jangbogo-III Batch-II. Die Kampagne läuft öffentlichkeitsstark — Hanwha betont Geschwindigkeit und wirtschaftliche Entwicklung. TKMS dagegen konzentriert sich auf gezielte Gespräche mit Regierungsstellen und prüft die Einbindung kanadischer Unternehmen vorsichtiger.
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Industriepaket mit 86 Milliarden Dollar BIP-Effekt
Das deutsche Angebot geht über reine Technik hinaus. TKMS verspricht wirtschaftliche Aktivität von 160 Milliarden kanadischen Dollar über die gesamte Projektlaufzeit. Der BIP-Beitrag soll 86 Milliarden Dollar erreichen, hinzu kommen mehr als 650.000 Jobjahre.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius warb persönlich in Ottawa für das Angebot. Die Zahlen sind identisch: 86 Milliarden Dollar BIP-Effekt, 167 Milliarden Dollar Gesamtwirtschaftsleistung, mehr als 650.000 Jobjahre. Die Regierung in Seoul flankiert ihren Wettbewerber nun mit einer eigenen politischen Mission.
Auftragsbasis bleibt robust
Die Kanada-Ausschreibung trifft TKMS in solider Verfassung. Das Unternehmen meldete am 11. Mai für das erste Halbjahr 2025/26 einen Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 1,168 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT bei 60 Millionen Euro. Die Prognose für 2025/26 steht: Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent, bereinigte EBIT-Marge von mehr als sechs Prozent.
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Der Kanada-Auftrag wäre kein Rettungsanker, sondern ein zusätzlicher Wachstumstreiber in einem Segment, das bereits durch große Marinebeschaffungen geprägt ist.
Die Aktie notiert bei 85,40 Euro, rund 15 Prozent unter dem Jahreshoch von 100,60 Euro vom 22. Januar. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 23 Prozent. Der RSI liegt bei 32,4 — technisch im überverkauften Bereich.
Bis Ende Juni fällt die Entscheidung. Für TKMS wird entscheidend, ob Lieferplan, NATO-Argumentation und Industriepaket gegen die politisch flankierte südkoreanische Offensive bestehen können. Die nächsten drei Wochen dürften die Wahrnehmung der Aktie prägen.
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