Größter U-Boot-Auftrag der Firmengeschichte, größter Tagesverlust seit Wochen. TKMS gewinnt den kanadischen Milliardendeal um zwölf U-Boote. Die Aktie reagiert trotzdem mit einem Kurssturz.
Kanadas Premierminister Mark Carney verkündete die Entscheidung am Montag auf der Canadian Forces Base Halifax. TKMS wird bevorzugter Bieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“. Der Auftrag umfasst bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD.
Ein Rekordauftrag mit Arktis-Fokus
Das Gesamtvolumen über den kompletten Lebenszyklus der Schiffe erreicht bis zu 62 Milliarden Euro. Allein Bau und erste Serviceleistungen sollen rund 20 Milliarden Euro kosten. TKMS setzte sich damit gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius feierten die Entscheidung als Meilenstein für die transatlantische Sicherheit. Die 212CD-Klasse ist eine Weiterentwicklung der bewährten 212A-U-Boote. Deutschland und Norwegen haben sie gemeinsam entwickelt.
Mit 72 bis 73 Metern Länge und außenluftunabhängigem Antrieb eignen sich die Boote besonders für lange Tauchphasen. Genau das macht sie interessant für Einsätze in der Arktis. Kanada will damit auch auf die wachsende russische und chinesische Militärpräsenz in der Region reagieren.
Die ersten Einheiten sollen in den frühen 2030er Jahren an die kanadische Marine gehen. Vier U-Boote will TKMS bis spätestens 2034 liefern. Die Fertigung läuft vor allem über die deutschen Standorte Kiel und Wismar.
Medienberichten zufolge könnten durch den Auftrag bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze in Norddeutschland entstehen. Auch die Bremer Tochter Atlas Elektronik profitiert voraussichtlich als Zulieferer für Sensor- und Sonarsysteme.
Sell the News trotz Milliardendeal
Die TKMS-Aktie notiert aktuell bei 89,00 Euro. Das entspricht einem Tagesminus von 4,81 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 93,50 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Plus von 16,34 Prozent zu Buche.
Marktbeobachter werten den aktuellen Rückgang als klassisches „Sell the News“-Phänomen. Der Kurs war im Vorfeld der offiziellen Bestätigung bereits deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie weiterhin 28,52 Prozent im Plus.
Zusätzlich belastet eine aktuelle Studie von Bernstein Research den Kurs. Analyst Adrien Rabier bestätigte sein „Market-Perform“-Rating mit Kursziel 76 Euro. Rabier sieht eine zunehmende Entkopplung europäischer Rüstungswerte und bevorzugt derzeit Leonardo, Thales und Rheinmetall.
Zum 52-Wochen-Hoch von 102,90 Euro aus dem Januar fehlen der Aktie noch 13,51 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 78,75 Euro, der RSI bei moderaten 60 Punkten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 81,76 Prozent zeigt: Der Titel bleibt ein Papier für schwankungsfeste Anleger.
Teil einer größeren NATO-Strategie
Der U-Boot-Deal ist eingebettet in eine „Sicherheitspartnerschaft für den Nordatlantik“ zwischen Deutschland, Kanada und Norwegen. Ziel ist eine gemeinsame Flotte von bis zu 24 baugleichen 212CD-U-Booten. Das soll die Interoperabilität innerhalb der NATO stärken und die Präsenz in der Arktis erhöhen.
Für TKMS bedeutet das: Der aktuelle Auftrag könnte erst der Anfang sein. Sollte die Flotte tatsächlich auf 24 Einheiten wachsen, wären weitere Bestellungen über die aktuellen zwölf Boote hinaus möglich.
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