Tomra- vs. Befesa-Aktie: Value-Comeback gegen Wachstumsschwäche

Befesa punktet mit günstiger Bewertung und Analysten-Optimismus, während Tomra vor Quartalszahlen unter Druck steht. Ein Vergleich der Zyklusphasen.

Tomra Systems Aktie
Kurz & knapp:
  • Befesa profitiert von Analysten-Upgrades und operativer Erholung
  • Tomra kämpft mit Umsatzrückgang und hoher Bewertung
  • KGV-Vergleich: Befesa bei 12-14, Tomra bei 25-30
  • Entscheidende Quartalszahlen von Tomra im Februar erwartet

Die globale Wende zur Kreislaufwirtschaft bleibt eines der spannendsten Anlagethemen dieses Jahrzehnts. In dieser Arena stehen sich zwei europäische Schwergewichte gegenüber: der norwegische Pionier für sensorbasierte Sortierung, Tomra Systems, und der deutsch-spanische Spezialist für Industrierecycling, Befesa.

Während beide Unternehmen vom Megatrend der Ressourceneffizienz profitieren, könnte ihre aktuelle Marktsituation an diesem Freitag, dem 23. Januar 2026, kaum unterschiedlicher sein. Befesa reitet auf einer Welle des Analysten-Optimismus und einer operativen Erholung, während Tomra mit kurzfristigem Gegenwind und technischer Schwäche kämpft. Doch welche Aktie hat für Anleger aktuell die besseren Karten? Ein direkter Vergleich der Strategien und Bewertungen.

Wer hat das Momentum auf seiner Seite?

Die Schere in der Marktstimmung hat sich in der letzten Woche deutlich geweitet. Hier prallen zwei völlig unterschiedliche Trends aufeinander.

Befesa: Der Momentum-Spieler
Der Recycler genießt derzeit einen kräftigen Nachrichten-Rückenwind. Erst gestern bekräftigten Analysten ihre Kaufempfehlung und schraubten das Kursziel auf 36 Euro nach oben. Als Haupttreiber gilt das sich verbessernde regulatorische Umfeld, insbesondere der CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM), der europäischen Recyclern in die Hände spielt. Die Aktie reagierte prompt und kletterte auf rund 31,80 Euro. Das Papier zeigt sich widerstandsfähig und erholt sich dynamisch von den Tiefs des Jahres 2025, gestützt durch solide Zahlen aus dem dritten Quartal, in denen der Gewinn je Aktie (EPS) um über 140 % nach oben schoss.

Tomra Systems: Der korrigierende Riese
Im Gegensatz dazu erlebt Tomra einen holprigen Start ins Jahr. Zu Wochenbeginn gehörte die Aktie zu den schwächsten Werten im Osloer OBX und rutschte in den Bereich von 125,00 – 129,00 NOK ab. Die Anleger scheinen vor der Veröffentlichung der Q4-Zahlen am 13. Februar 2026 in Deckung zu gehen. Der Markt verdaut immer noch die Enttäuschung aus dem dritten Quartal, als der Umsatz im wichtigen Recycling-Segment um satte 32 % einbrach. Technische Indikatoren blinken derzeit rot, während die Aktie wichtige Unterstützungsmarken testet.

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Technologie oder Schwerindustrie: Wo liegt die Substanz?

Um die Divergenz im Aktienkurs zu verstehen, lohnt ein Blick unter die Motorhaube der Geschäftsmodelle.

Tomra Systems: Der Technologie-Führer

Tomra agiert als Technologieanbieter mit einem margenstarken Modell, das oft mit dem „Rasierklinge-Prinzip“ verglichen wird – besonders in der Sparte für Leergutrücknahme (Collection).
* Collection: Die Cash-Cow des Konzerns, getrieben von Pfandsystemen (Deposit Return Schemes, DRS). Großes Wachstum wird 2026 aus neuen Märkten wie Singapur und Uruguay erwartet.
* Recycling: Hier liefert Tomra sensorbasierte Sortiermaschinen für die Abfallwirtschaft. Aktuell ist dies das Sorgenkind, da Kunden Investitionsentscheidungen aufgrund hoher Zinsen aufschieben.
* Food: Sortiertechnologie für die Lebensmittelindustrie. Nach einer Restrukturierung in den Jahren 2024/2025 zeigen sich hier erste Anzeichen eines Turnarounds.

Befesa: Der Industrie-Zykliker

Befesa ist tief in den Wertschöpfungsketten der Stahl- und Aluminiumindustrie verwurzelt. Das Geschäft ist weniger „High-Tech“, dafür aber unverzichtbar.
* Stahlstaub-Recycling: Befesa sammelt gefährlichen Staub aus Elektrolichtbogenöfen (EAF) von Stahlherstellern und extrahiert daraus Zink (Wälzoxid). Damit hängen Umsatz und Gewinn direkt am Zinkpreis und den Stahlvolumina.
* Aluminiumsalzschlakken: Recycling von gefährlichen Abfällen aus der Sekundäraluminiumindustrie.
* Der Burggraben: Dieser ist extrem tief. Befesa hält einen dominanten Marktanteil (ca. 50 % in Europa) in einer hochregulierten Nische. Die Eintrittsbarrieren durch Genehmigungen, Technologie und Logistik sind für Konkurrenten fast unüberwindbar.

Der Zahlen-Check: Wer ist günstiger bewertet?

Der Bewertungsabstand spiegelt die unterschiedlichen Risikoprofile wider: Tomra wird als Premium-Wachstumswert gehandelt, während Befesa als industrieller Zykliker eingepreist ist.

KennzahlTomra Systems (TOM)Befesa (BFSA)
Aktueller Kurs~129,60 NOK~31,78 €
KGV (2026e)~25er – 30er~12er – 14er
Dividendenrendite~1,7 %~2,1 % – 2,5 %
UmsatztrendStagnation/Leichter RückgangErholung (+ Volumenwachstum)
Gewinnwachstum (EPS)Negatives Momentum (kurzfristig)Starke Erholung (+143 % in Q3)
Analysten-KonsensGemischt / HaltenKlarer Kauf (Strong Buy)

Interpretation der Daten:
* Befesa erscheint fundamental „billig“. Mit einem 2026er KGV von etwa 12 bis 14, steigenden Volumina und stabilen Zinkpreisen bietet die Aktie eine Sicherheitsmarge. Auch die Verschuldung (Net Debt/EBITDA) hat sich auf das 2,6-fache verbessert, was Bilanzrisiken reduziert.
* Tomra verlangt einen Aufschlag aufgrund seiner Marktbeherrschung und ESG-Qualität. Doch mit einem KGV nahe 30 und fallenden Umsätzen in der Recycling-Sparte lässt die Bewertung kaum Raum für Fehler. Der Markt bezahlt hier für zukünftiges Wachstum durch die Pfandsystem-Rollouts 2026/2027, das sich in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung noch nicht materialisiert hat.

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Chancen und Risiken: Was treibt die Kurse?

Tomra Systems

  • Die Chance: Die anstehenden Q4-Ergebnisse am 13. Februar könnten als Befreiungsschlag wirken. Sollte das Management feste Termine für neue Pfandsystem-Starts im Jahr 2026 bestätigen (z.B. Quebec, Tasmanien oder nationale Rollouts in Europa), könnte die Stimmung über Nacht drehen. Der langfristige Treiber – EU-Vorschriften für Recyclingquoten – bleibt intakt.
  • Das Risiko: Eine anhaltende Schwäche im globalen Markt für Recyclingmaschinen. Wenn hohe Zinsen Entsorgungsunternehmen weiterhin dazu veranlassen, Investitionen (CapEx) zu verschieben, könnte die Recycling-Sparte den gesamten Konzern ein weiteres Quartal nach unten ziehen.

Befesa

  • Die Chance: Der Boom der Kreislaufwirtschaft in der Schwerindustrie. Da Stahlhersteller zur Dekarbonisierung auf Elektrolichtbogenöfen (EAF) umsteigen, steigt das Volumen an Stahlstaub (Befesas Rohstoff). Die jüngsten Analysten-Upgrades unterstreichen die CBAM-Regulierung als Katalysator, der europäische Recycler gegenüber Importen begünstigt.
  • Das Risiko: Zinkpreise und Energiekosten. Obwohl Befesa einen Teil seines Zinkrisikos absichert, würde ein scharfer Preisverfall bei Rohstoffen oder ein Anstieg der europäischen Energiekosten direkt auf die Margen drücken. Zudem verläuft die Expansion in China aufgrund der dortigen Immobilienkrise und der damit verbundenen Stahlnachfrage schleppender als erhofft.

Charttechnik: Bullen gegen Bären

  • Befesa: Bullisch. Die Aktie hat wichtige gleitende Durchschnitte nach oben durchbrochen und konsolidiert nahe der 32-Euro-Marke. Das Analysten-Ziel von 36 Euro impliziert weiteres Aufwärtspotenzial von rund 13 %. Das „Golden Cross“ auf den Tagescharts deutet auf anhaltendes Momentum hin.
  • Tomra: Bärisch bis Neutral. Die Aktie handelt unter ihren 50- und 200-Tage-Linien. Das Niveau um 125 NOK ist eine kritische Unterstützung. Ein Bruch dieser Marke könnte weitere Verkäufe bis in den Bereich von 115 NOK auslösen. Umgekehrt ist eine Rückeroberung der 135 NOK notwendig, um eine Trendwende zu signalisieren.

Fazit: Wer gewinnt das erste Quartal 2026?

Der Vergleich offenbart zwei Unternehmen in völlig unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus.

Befesa ist der Kandidat für Value- und Momentum-Jäger.
Die Kombination aus einer vernünftigen Bewertung (KGV ~13), operativer Erholung (Volumenwachstum) und frischem Analysten-Rückenwind macht die Aktie zur sichereren Wette für die unmittelbare Zukunft. Das Unternehmen setzt seinen Erholungsplan erfolgreich um, und der Markt beginnt dies zu honorieren.

Tomra Systems gehört auf die Watchlist für Qualitäts-Investoren.
Tomra bleibt der Goldstandard in der Kreislaufwirtschaft, doch die Aktie sitzt derzeit auf der Strafbank. Die hohe Bewertung kollidiert mit negativen Gewinnrevisionen. Anleger sollten den Ergebnisbericht am 13. Februar abwarten. Ein „Kitchen Sink“-Quartal (in dem alle schlechten Nachrichten auf den Tisch kommen) oder ein bestätigter Ausblick für das Wachstum 2026 könnten dann den perfekten Einstiegspunkt für Langzeitinvestoren bieten.

Das Urteil im Überblick:
* Kurzfristiger Sieger: Befesa (Besseres Momentum, günstige Bewertung, steigende Prognosen).
* Langfristiges Potenzial: Tomra Systems (Überlegener Burggraben, erfordert aber Geduld bis zum nächsten Zyklus neuer Pfandsysteme).

Investoren müssen abwägen: Setzen sie auf zyklische Erholung (Befesa) oder auf strukturelles Wachstum zu einem Premium-Preis (Tomra)?

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Über Dr. Robert Sasse 1316 Artikel

Dr. Robert Sasse: Ökonom, Unternehmer, Finanzexperte

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom, erfahrener Unternehmer und anerkannter Experte für Finanzmärkte. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Analyse von Aktienmärkten und wirtschaftlichen Zusammenhängen verbindet er wissenschaftliche Fundierung mit unternehmerischer Praxis. Er unterstützt Anleger, die langfristigen Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit durch fundierte Strategien anstreben.

Werdegang und Erfahrung

Dr. Sasses Laufbahn ist geprägt von akademischer Exzellenz und praktischer Marktkenntnis. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und hält einen Master of Science in Marketing und Sales sowie einen Abschluss als Betriebswirt. Bereits während und nach dem Studium sammelte er in renommierten Analystenhäusern und Unternehmen tiefgreifende Erfahrungen in der Bewertung von Aktien und Fonds.

Als Gründer und Geschäftsführer der YES Investmedia GmbH ist er unternehmerisch im Bereich der Finanzpublikationen tätig. Seine Expertise umfasst die Analyse komplexer wirtschaftlicher Themen wie demographischer Wandel oder globaler Markttrends sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Durch seine langjährige Tätigkeit hat er sich als Autor zahlreicher Analysen und Kommentare zu wirtschaftlichen und börsenrelevanten Themen etabliert.

Philosophie und Ansatz

Dr. Sasse ist überzeugt, dass eine freiheitlich-marktwirtschaftliche Ordnung die Basis für Wohlstand und Innovation ist. Er betrachtet Aktien als einen zentralen Baustein für finanzielle Unabhängigkeit und eine moderne Altersvorsorge. Seine Mission ist es, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu machen und Anlegern die Vorteile eines langfristigen, systematischen Vermögensaufbaus näherzubringen.

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