Der französische Energiekonzern TotalEnergies vollzieht auf dem US-Markt eine bemerkenswerte Kehrtwende. Nach dem erzwungenen Stopp zweier großer Offshore-Windparks erhält das Unternehmen fast eine Milliarde US-Dollar Entschädigung aus Washington. Diese frei werdenden Mittel fließen nun ausgerechnet direkt in den Ausbau amerikanischer Öl- und Gasprojekte.

Rückzug von der Ostküste

Ursprünglich sollten die Projekte „Attentive Energy“ vor New Jersey und „Carolina Long Bay“ vor North Carolina mehrere Gigawatt saubere Energie liefern. Das US-Innenministerium stoppte diese Vorhaben jedoch kürzlich unter Verweis auf nationale Sicherheitsrisiken. Als Ausgleich für die bereits geleisteten Pachtrechte erhält TotalEnergies nun insgesamt 928 Millionen US-Dollar zurück. Davon entfallen rund 795 Millionen auf das Projekt in New Jersey und 133 Millionen auf den Standort vor North Carolina.

Fokus auf LNG und Schiefergas

Das Management nutzt diese unfreiwillige Kapitalfreisetzung für eine deutliche strategische Verschiebung. Anstatt in neue Erneuerbaren-Projekte in den USA zu investieren, fließt das Geld gezielt in fossile Energieträger. Auf der Agenda stehen die Erweiterung des Flüssigerdgas-Terminals Rio Grande LNG in Texas, die Entwicklung konventioneller Ölreserven im Golf von Mexiko sowie die US-Schiefergasproduktion. TotalEnergies hat zudem vertraglich zugesagt, keine neuen Offshore-Windprojekte in den Vereinigten Staaten mehr zu entwickeln.

An der Börse wird dieser renditeorientierte Pragmatismus offenbar honoriert. Mit einem Schlusskurs von 77,93 Euro am Freitag notiert das Papier nur denkbar knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch und verzeichnet seit Jahresbeginn ein starkes Plus von knapp 38 Prozent.

Globale Klimaziele erreicht

Trotz des fossilen Ausbaus in Nordamerika meldet der Konzern auf globaler Ebene Fortschritte beim Klimaschutz. Der aktuelle Fortschrittsbericht zeigt, dass TotalEnergies seine Methanemissionen seit 2020 um 65 Prozent senken konnte und damit das eigene Ziel von 60 Prozent übertraf. Auch die direkten Emissionen aus dem operativen Geschäft fielen im Jahr 2025 mit 33,1 Millionen Tonnen niedriger aus als die angepeilten 37 Millionen Tonnen.

Der strategische Rückzug aus dem US-Windgeschäft zugunsten etablierter Öl- und Gasprojekte festigt die Ertragskraft des Konzerns im amerikanischen Markt. Solange das Unternehmen parallel seine globalen Emissionsziele übertrifft, liefert diese zweigleisige Strategie ein robustes Fundament für die aktuelle Bewertung der Aktie.