Der Dritte Quartalsgewinn steigt, die Produktion läuft besser als befürchtet – und doch enttäuscht TotalEnergies an der Börse. Die Aktie gab am Donnerstagvormittag rund zwei Prozent nach. Schuld ist ein Vergleich mit den britischen Rivalen.
Während Shell und BP zuletzt mit starken LNG-Ergebnissen glänzten, schwächelt der französische Konzern genau in diesem Bereich. JPMorgan-Analysten sprechen von einer unterdurchschnittlichen Performance im Flüssiggas-Handel, die die Gesamtbilanz trübt. Die Q2-Kennzahlen seien „fundamental solide“, aber nicht stark genug für Gewinnanhebungen.
Zwischen Iran und Umsatzrekord
Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran hat die globale Energieversorgung durcheinandergewirbelt. Die faktische Schließung der Straße von Hormus trieb den Brent-Ölpreis im zweiten Quartal auf durchschnittlich 103,80 Dollar pro Barrel – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. TotalEnergies profitiert davon kräftig: Die Explorations- und Produktions-Cashflows sollen im Vergleich zum ersten Quartal um rund eine Milliarde Dollar steigen.
Die eigene Produktion erreichte knapp 2,4 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Der Einfluss des Nahost-Konflikts fiel mit 210.000 Barrel pro Tag deutlich geringer aus als die im Vorquartal kommunizierten 360.000 Barrel. Grund sind die Hochlauf der Offshore-Förderung in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Produktionswiederaufnahmen in anderen Ländern der Region.
Raffinerie stark, LNG schwächelt
Die vorgelagerten Geschäfte laufen also rund. Doch das Downstream-Segment überrascht positiv: Höhere Raffinerie- und Petrochemie-Margen sowie starke Ölhandels-Ergebnisse sollen die Cashflows gegenüber dem ersten Quartal deutlich steigen lassen. Auch der integrierte Strombereich profitiert vom Abschluss der Transaktion mit EPH Ende April.
Die Schattenseite: Das integrierte LNG-Geschäft werde Cashflows und Ergebnisse „deutlich sinken“ lassen, teilte das Unternehmen mit. Grund sei eine Schwäche im Gashandel bei einem insgesamt flachen bis rückläufigen europäischen Markt – ein deutlicher Kontrast zur starken Performance im ersten Quartal.
Die Nettoinvestitionen bleiben mit 15 Milliarden Dollar im Jahresrahmen, die Verschuldungsquote soll sich um zwei Prozentpunkte verbessern. Das Working Capital dürfte um eine bis 1,5 Milliarden Dollar sinken, vor allem wegen niedrigerer Lagerbestände durch fallende Rohstoffpreise zum Quartalsende.
Ausblick auf den 23. Juli
Die vollständigen Q2-Zahlen legt TotalEnergies am 23. Juli vor. Dann zeigt sich, ob die aktuellen operativen Stärken ausreichen, um die enttäuschte Erwartungshaltung der Analysten zu korrigieren. Derzeit liegt die Aktie in Paris bei rund 70,64 Euro.
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