Trump ernennt Warsh zum Fed-Chef

Die Ernennung des Trump-Vertrauten Kevin Warsh zum Fed-Vorsitzenden stellt die Unabhängigkeit der US-Notenbank in Frage und kündigt eine Ära der Deregulierung an.

Trump ernennt Warsh zum Fed-Chef
Kurz & knapp:
  • Warsh gilt als enger Vertrauter von Präsident Trump
  • Senatsbestätigung könnte sich als schwierig erweisen
  • Wall Street erwartet massive Lockerung der Bankenregeln
  • Globale Märkte reagieren mit erhöhter Unsicherheit

Kevin Warsh wird neuer Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Die Ernennung des 55-jährigen Ex-Zentralbankers durch Präsident Donald Trump sorgt für Bewegung an den Finanzmärkten – und wirft Fragen über die künftige Unabhängigkeit der mächtigsten Zentralbank der Welt auf. Während die Märkte zunächst erleichtert reagierten, dass Trump keinen völligen Außenseiter nominierte, wächst die Sorge über den politischen Einfluss auf die Geldpolitik. Parallel kämpft Washington mit einem drohenden Regierungsstillstand, während die Fed-Personalie die Diskussion über Zinsen und Bankenregulierung neu entfacht.

Erfahrener Krisenmanager mit Trump-Nähe

Warsh bringt beachtliche Referenzen mit: Als Fed-Gouverneur von 2006 bis 2011 managte er mitten in der Finanzkrise die Liaison zwischen Wall Street und der Zentralbank. Seine Zeit bei Morgan Stanley im Investment Banking und später im Weißen Haus unter George W. Bush verschafften ihm das nötige Netzwerk. „Kevin wird als einer der großen Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen, vielleicht als der beste“, lobte Trump bei der Bekanntgabe. Der Präsident fügte mit einem Augenzwinkern hinzu, Warsh sehe aus wie „Central Casting“ – das Aussehen habe bei der Entscheidung durchaus eine Rolle gespielt.

Doch hinter der glatten Fassade lauert Sprengstoff. Warsh gilt als enger Vertrauter Trumps und Gast auf dessen Anwesen in Florida. Anders als sein Vorgänger Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai endet, hat Warsh klar signalisiert: Die Fed sollte bei Regulierungs- und Aufsichtsfragen nicht unabhängig von politischer Kontrolle sein. „Warsh war von Tag eins an Trumps geldpolitischer Zwilling“, warnen Analysten von Macquarie. Der ehemalige Falke, der 2011 aus Protest gegen die damalige Niedrigzinspolitik zurücktrat, fordert heute genau wie Trump: niedrigere Zinsen.

Senat als Hürde – Unabhängigkeit auf dem Prüfstand

Die Bestätigung durch den Senat könnte holprig werden. Senator Thom Tillis kündigte an, jeden Fed-Kandidaten abzulehnen, solange das Justizministerium gegen Powell ermittelt – eine Untersuchung, die Powell selbst als Druckmittel für zinspolitische Gefälligkeiten brandmarkt. „Meine Position hat sich nicht geändert“, stellte Tillis klar. Trump reagierte ungerührt: „Wenn er nicht zustimmt, warten wir eben, bis jemand nachrückt.“ Der Präsident bezeichnete den Senator als „Obstruktionist“.

Andere Republikaner im Bankenausschuss zeigten sich aufgeschlossener. „Niemand ist besser geeignet, die Fed zu lenken“, erklärte Senator Bill Hagerty. Ausschussvorsitzender Tim Scott versprach einen „durchdachten, zeitnahen Bestätigungsprozess“. Doch die Debatte wird sich unweigerlich um die Fed-Unabhängigkeit drehen – ein Grundpfeiler der globalen Finanzstabilität. Trump hat bereits versucht, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, ein Fall, der nun vor dem Supreme Court liegt. Sollte er Erfolg haben, wäre es die erste Entlassung eines Zentralbankers in der US-Geschichte.

Deregulierung und KI-Wachstum im Fokus

Für die Wall Street bedeutet Warsh vor allem eines: weniger Regulierung. Gemeinsam mit Vizevorsitzender Michelle Bowman, einer Trump-Vertrauten, dürfte er die umfassendste Lockerung der Bankenvorschriften seit 2008 vorantreiben. „Während Powell generell Deregulierung befürwortete, war er manchmal eine moderierende Kraft“, erklärt Jeremy Kress von der Universität Michigan. „Warsh wird das aggressive Deregulierungsprogramm von Finanzminister Bessent und Vizevorsitzender Bowman unterstützen.“

Warsh argumentiert, die Bankenregulierung der vergangenen Jahre habe „riesige Mengen Sand ins Getriebe der Wirtschaft gestreut“. Er will die Fed-Bilanz verkleinern und Banken mehr Spielraum geben, private Liquidität ins System zu pumpen. Die Großbanken jubelten: Warsh habe tiefes Verständnis für die Branche und werde politische Vorgaben des Weißen Hauses bei der Finanzregulierung eng umsetzen. Zudem setzt der Stanford-Professor große Hoffnungen auf künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber – ein Aspekt, den die Fed bei der Inflationsbekämpfung unterschätzt habe.

Shutdown-Drama überschattet Fed-Debatte

Während Washington über Warsh diskutiert, tickt eine andere Uhr: Die Regierungsfinanzierung läuft um Mitternacht aus. Der Senat verabschiedete zwar ein Ausgabenpaket mit 71 zu 29 Stimmen, doch das Repräsentantenhaus ist nicht in der Stadt und wird erst Montag abstimmen. Ein kurzer Shutdown ab Samstag gilt als sicher – doch anders als beim 43-tägigen Rekord-Stillstand von 2023, der die Wirtschaft elf Milliarden Dollar kostete, erwarten Beobachter nur minimale Auswirkungen.

Senator Lindsey Graham blockierte die Verhandlungen stundenlang. Er forderte das Recht, die Regierung wegen beschlagnahmter Telefonunterlagen aus der Kapitol-Untersuchung auf Schadensersatz zu verklagen – eine Klausel, die im Herbst parteiübergreifend als „Selbstbereicherungsprogramm für Politiker“ verurteilt worden war. „Ihr habt mich reingelegt. Speaker Johnson, das werde ich nicht vergessen“, schimpfte Graham im Senat. Der Deal trennt die Finanzierung des Heimatschutzministeriums vom Rest, um Streit über Einwanderungsvollzug auszuklammern. Demokraten wollen nach tödlichen Schüssen von Bundesagenten auf unbescholtene Bürger strengere Kontrollen – Bodycams, Durchsuchungsbefehle von Richtern, Verbot von Gesichtsmasken bei Razzien.

Globale Unsicherheit wächst

Die Fed-Personalie kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Ein Inflationsbericht zeigte hartnäckigen Preisdruck – schlecht für Zinssenkungshoffnungen. Die Märkte erwarten die nächste Senkung erst im Juni, wenn Warsh voraussichtlich im Amt ist. Der Dollar legte zu, Aktien gaben nach. Parallel verschärft Trump seine handelspolitischen Maßnahmen: Das Verkehrsministerium will Bidens Effizienzstandards für Schwerlastwagen kippen – Einsparungen von 700 Dollar pro Fahrzeug stehen zusätzliche 185 Milliarden Dollar Spritkosten bis 2050 und fünf Prozent mehr CO2-Emissionen gegenüber.

Auch international rumort es. In Deutschland kletterte die Arbeitslosigkeit auf ein Zwölf-Jahres-Hoch von 3,08 Millionen, während Kanzler Friedrich Merz Wirtschaftswachstum zur Priorität erklärt. „Es gibt derzeit wenig Schwung am Arbeitsmarkt“, räumte die Bundesagentur für Arbeit ein. Und Elon Musks SpaceX aktualisierte die Starlink-Datenschutzrichtlinien: Kundendaten dürfen nun KI-Modelle trainieren – ein möglicher Datenschatz für Musks KI-Firma xAI vor dem geplanten Mega-Börsengang.

Regime-Wechsel mit Risiken

Warsh selbst spricht von einem nötigen „Regime-Wechsel“ bei der Fed. Was das konkret bedeutet, wird sich zeigen. Klar ist: Die Zeiten, in denen die Zentralbank als unpolitischer Stabilitätsanker galt, könnten vorbei sein. Für Anleger heißt das erhöhte Unsicherheit – aber auch Hoffnung auf lockerere Kreditbedingungen und weniger Bankenbürokratie. „Warsh wird dem Weißen Haus bei allen Aspekten der Finanzregulierungspolitik folgen“, prognostiziert Todd Baker von der Columbia University. Internationale Zusammenarbeit, Kapitalvorschriften, Bankenaufsicht – alles steht auf dem Prüfstand.

Kein Wunder also, dass die Nervosität an den Märkten spürbar bleibt. Die Fed bestimmt nicht nur die Kreditkosten für Amerika, sondern setzt globale Standards. Mit Warsh könnte eine Ära beginnen, in der politische Erwägungen stärker in die Geldpolitik einfließen. Das dürfte spannend werden – für Anleger, Banken und die Weltwirtschaft gleichermaßen.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.