Xi Jinping reist am Mittwoch zu seinem ersten Staatsbesuch in Donald Trumps zweiter Amtszeit nach Washington. An den Finanzmärkten geht es dabei um handfeste Bedingungen: Am 10. November läuft der vor einem Jahr in Busan vereinbarte Handelsfrieden aus. Finden beide Seiten vor Ablauf dieser Frist keine Einigung, droht die Rückkehr zu drastischen Zöllen und blockierten Lieferketten.
Streit um die Laufzeit des Abkommens
Auf dem Verhandlungstisch liegt ein erprobtes Tauschgeschäft. Washington verzichtet auf weitere Zollerhöhungen, während Peking im Gegenzug seine Exportbeschränkungen für Seltene Erden lockert. Uneinigkeit herrscht vor allem über die Dauer der Vereinbarung. Die chinesische Führung verlangt Planungssicherheit bis zum Ende von Trumps Präsidentschaft, die US-Regierung favorisiert dagegen einen Aufschub von wenigen Monaten.
Beobachter halten eine Einigung auf eine Frist von rund einem Jahr für den wahrscheinlichsten Ausgang. Goldman Sachs stuft eine bloße Verlängerung des bestehenden Waffenstillstands als Basisszenario ein. Ein solches Ergebnis gilt an den Märkten bereits als weitgehend eingepreist. Raum für stärkere Kursbewegungen bieten hingegen handfeste sektorale Vereinbarungen oder ein unerwarteter Abbruch der Gespräche.
Tech-Konzerne fordern Zugang zum chinesischen Markt
Besonders viel steht für die US-Technologiebranche auf dem Spiel, deren Spitzenmanager am Donnerstag an den Gesprächen teilnehmen. Nvidia-Chef Jensen Huang setzt sich für Erleichterungen beim Export von KI-Chips ein. Der Verkauf des Modells H200 nach China unterliegt bislang strengen Auflagen und einer Begrenzung auf maximal 75.000 Einheiten pro Abnehmer. Auch Konzerne wie Apple und Tesla sind auf stabile Handelsbeziehungen angewiesen, um Produktionskosten und den Bezug kritischer Vorprodukte abzusichern.
In der Industrie richtet sich das Augenmerk vor allem auf konkrete Lieferverträge. Der Flugzeugbauer Boeing wartet auf die formelle Bestätigung einer chinesischen Grundsatzzusage über 200 Verkehrsflugzeuge, die bereits im Mai angekündigt worden war. Im Rohstoffbereich behält Peking über Exportquoten für Seltene Erden derweil die Kontrolle, was westliche Verarbeiter wie MP Materials belastet.
Vorleistungen gab es vor allem in der Landwirtschaft. In der Woche zum 10. September kaufte China rund eine Million Tonnen amerikanischer Sojabohnen. Diese Lieferungen stützen das Ziel jährlicher chinesischer Agrarkäufe in Höhe von rund 27 Milliarden Dollar, das beide Staaten im Vorjahr abgesteckt hatten.
Welche Signale das Treffen letztlich sendet, entscheidet sich am Wortlaut der Abschlusserklärung. Enthält das Dokument verbindliche Vereinbarungen zu Exportlizenzen und Abnahmemengen, stützt dies die betroffenen Branchen. Bleiben die Beschlüsse vage, kehrt der Druck an den Terminmärkten vor dem Fristende am 10. November umgehend zurück.
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